Bundespräsidentenwahl: Wie Ilse Aigner sich warmläuft

Bundespräsidentenwahl :Wie Ilse Aigner sich warmläuft

Porträt der ZDF-Lanadesstudioleiterin für Bayern Eva Schiller

von Eva Schiller

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Vor der Sommerpause mehren sich Hinweise, dass CSU-Landtagspräsidentin Ilse Aigner nächste Bundespräsidentin werden könnte. Das ZDF hat sie über die letzten Wochen begleitet.

Ilse Aigner steht vor einem Bild im Bayerischen Landtag in München.

CSU-Chef Söder nennt Ilse Aigner als mögliche Kandidatin für das Amt des Bundespräsidenten. Auch Merz kann sich ihre Kandidatur vorstellen. Aigner wäre die erste Frau in diesem Amt.

02.08.2026 | 3:17 min

Wenn Ilse Aigner unterwegs ist, dann begleitet die bayerische Landtagspräsidentin seit vielen Monaten eine Frage: Wollen Sie Bundespräsidentin werden? Die CSU-Frau hat sich dafür ein Repertoire an Reaktionen überlegt: "Diese Frage stellt sich im Moment noch nicht" oder: "Es gibt schlimmere Schicksale, als für dieses Amt gehandelt zu werden."

Aber was als unkonkretes Gedankenspiel begann, nimmt von Monat zu Monat mehr Wahrscheinlichkeit auf. Denn: Die Bayerin Aigner könnte die erste Frau an der Spitze Deutschlands werden, als Kompromisskandidatin des männlichen Berliner Koalitionsgestirns aus Kanzler Friedrich Merz (CDU), Vize Lars Klingbeil (SPD) und CSU-Chef Markus Söder. Und für zumindest zwei von ihnen könnte die Personalie ein Problem lösen. Aber dazu später.

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Zuhören bei Gedenken in Srebrenica

Anfang Juli. Wir begleiten Ilse Aigner auf ihrer Reise nach Bosnien-Herzegowina. Es geht um das zerrissene Land am Balkan, es geht Aigner und ihrem Team vor allem auch darum, zu zeigen, dass sie auch Bundespräsidentin könnte. Dass sie nicht nur im Landtag moderiert, in Tracht Hände schüttelt und oberbayrische Bierzelte beglückt, sondern im In- und Ausland politische Akzente setzen kann.

Am Ort des Völkermords, in Srebrenica, legt sie einen Kranz nieder. Sie stellt kurze Fragen, nimmt sich zurück, hört vor allem zu. Etwas, das Aigner von vielen Politprofis unterscheidet: Auch nach vielen Jahrzehnten politischer Karriere interessiert sie sich für ihr Gegenüber, strahlt Wärme aus und merkt nebenbei noch, dass ihr Mitarbeiter ein Taschentuch braucht.

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"Werden Sie Bundespräsidentin"

In Srebrenica wird sie mit den Worten "Werden Sie Bundespräsidentin!" verabschiedet. "Noch ist es nicht so weit", antwortet Aigner und steigt ins Auto. Beim "noch" heben sich die Augenbrauen ihres Pressesprechers kurz. Aber dass sie das will, wird auf dieser Reise ziemlich klar.

Ilse Aigner, gelernte Elektrotechnikerin mit Realschulabschluss und ohne Studium, ist bodenständig, bezeichnet sich als "geborene Handwerkerin". Sie kümmert sich lieber, als Intrigen zu schmieden und kann parteiübergreifend einen. Im Landtagspräsidium gehören die Vertreter von SPD und Grünen zu ihren größten Fans. Das wären ihre Stärken.

Aber wenn sie dann redet, offenbaren sich Schwächen. Die freie Rede liegt ihr nicht, Aigner liest vom Blatt ab, etwa bei ihrer Grundsatzrede an der Ludwig-Maximilians-Universität in München, weiterer Testlauf im Juli für das höchste Amt.

Klare Abgrenzung gegen die AfD

Aigner präsentiert sich als Verteidigerin der Demokratie. Das kann sie vertreten, weil sie der AfD seit Jahren als Landtagspräsidentin Grenzen aufzeigt. Die radikalen Ränder, sagt sie, würden tiefe Gräben aufreißen, um ein anderes Land zu erschaffen. "Ich will dieses andere Land nicht!"

Simon Pfanzelt

Die Wahl des neuen Bundespräsidenten ist erst im Januar 2027. CSU-Chef Markus Söder unterstützt Ilse Aigner als Kandidatin, berichtet Simon Pfanzelt.

24.04.2026 | 2:03 min

Aber es bleibt beim Bekannten, es fehlen lange Linien, das gewisse Etwas, das tiefer schürft. Und es fehlt die griffige Botschaft, die Schlagzeile, die ihr Parteichef Söder so beherrscht.

Alles an Aigner ist anders, sie ist das Gegenteil von Markus Söder. Und es brauchte eine versemmelte Kommunalwahl und wachsenden Druck aus eigenen Reihen, bis er sich hinter sie stellte. Erst eher beiläufig, im Zeitungsinterview, ohne sie vorher zu informieren. Dann deutlicher im ZDF-Sommerinterview:

Ich glaube, sie wäre eine sehr gute Kandidatin. Sie würde auch für Deutschland was bringen. Und wir Bayern wären froh drüber.

Markus Söder, CSU-Vorsitzender

Besonders froh wäre wohl auch Markus Söder, ganz uneigennützig ist der Move nicht. Denn mit Ilse Aigner verlöre er zwar die oberbayrische Stimmenkönigin bei der Landtagswahl. Aber er schafft eben auch seine größte Konkurrentin daheim nach Berlin.

Konkurrenz gebannt?

Und auch der Kanzler würde ein Problem endgültig los: Wenn mit Ilse Aigner eine CSU-Frau an der Spitze des Staates stünde, wären die Kanzlerträume von Markus Söder endgültig ausgeträumt.

Markus SOEDER (Ministerpraesident Bayern und CSU Vorsitzender),

Nach der aus CSU-Sicht enttäuschenden Kommunalwahl im März gab es Kritik an Parteichef Söder. Die kam vor allem von Vize Weber.

15.06.2026 | 2:42 min

Ilse Aigner jedenfalls hatte diese Woche ihren vorerst letzten Arbeitstag. Sie lässt sich am Knie operieren und ist dann erstmal weg. Bis der politische Betrieb aus der Sommerpause erwacht, die Ost-Wahlen vorüberziehen. Auch wenn es jetzt wie eine "gmahde Wiesn" wirkt, so sagt man in Bayern, weiß Aigner: Politik ist unberechenbar. Und Friedrich Merz erst recht.

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Über dieses Thema berichtete ZDFheute in dem Beitrag "Will Aigner Bundespräsidentin werden?" am 02.08.2026 um 07:43 Uhr .

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