EVP-Fraktionsvorsitzender bei "Lanz":Weber: Darf bei CSU "kein Weiter so" geben
von Bernd Bachran
Bei "Markus Lanz" wirbt Manfred Weber für neue Ideen in der CSU statt bloßer Schlagzeilen. Ulf Röller wertet den Pfingstbrief Webers als Angriff auf Markus Söders Kurs.
Sehen Sie hier die Sendung "Markus Lanz" vom 22. Juni 2026 in voller Länge.
22.06.2026 | 91:30 minNach herben Verlusten bei den jüngsten Landtags- und Kommunalwahlen in Bayern wächst in der CSU die Sorge vor einem dauerhaften Stimmungsumschwung. Mitten in diese angespannte Lage platzte vor wenigen Wochen der "Pfingstbrief" von EVP-Chef und CSU-Vize Manfred Weber. Er warnte in diesem Brief vor einer Politik, die bloß auf schnelle Schlagzeilen und Klickzahlen statt auf Inhalte setzt.
Zwar nannte Weber keinen Namen, doch viele in der CSU verstanden die Botschaft als indirekte Kritik an Parteichef Markus Söder und dessen stark auf soziale Medien ausgerichtete Inszenierung - beispielsweise die regelmäßigen "Söder isst …"-Posts.
Am Montagabend betonte Manfred Weber bei "Markus Lanz", dass er diesen Brief nicht an Markus Söder adressiert habe, sondern an "600 Kolleginnen und Kollegen aus der CSU, die Funktionsträger sind, die von Menschen gewählt sind, die wurden angeschrieben."
Wir hatten eine schwierige Kommunalwahl, wir haben 14 Landräte verloren. Das hat wehgetan. (…) Deswegen wollte ich einen Brief schreiben, wo ich deutlich mache, dass es kein 'Weiter so' geben darf.
Manfred Weber, EVP-Chef und CSU-Vize
Nach der aus CSU-Sicht enttäuschenden Kommunalwahl im März gibt es Kritik an Parteichef Söder. Die kommt vor allem von Vize Weber. Aber noch traut sich keiner die Revolte.
15.06.2026 | 2:42 minStrategie statt Personaldebatte
Mit Blick auf 2028 und die Landtagswahlen in Bayern sagte Weber, es sei selbstverständlich, dass eine Partei kläre, mit wem sie in den nächsten Wahlkampf gehe und wer ihre Zukunft gestalten solle. Notwendig sei eine strategische und programmatische Debatte über die Ziele für 2028. Dabei gehe es nicht um einzelne Personen wie Markus Söder, sondern um die Frage, ob die CSU als bayerische Volkspartei ihre politische Erfolgsgeschichte fortschreiben könne.
Auf die Frage von Markus Lanz, ob Markus Söder auch bei der nächsten Landtagswahl der richtige Spitzenkandidat für die CSU sei, vermied Manfred Weber eine klare Antwort.
Neben der Nominierung eines Spitzenkandidaten und der Verabschiedung eines Programms für 2028 benannte der stellvertretende CSU-Parteivorsitzende eine weitere zentrale Herausforderung mit Blick auf die nächste Landtagswahl: "Meine These ist, dass wir die AfD nicht weg regieren werden, selbst wenn wir in Berlin gut regieren. Wenn wir in Brüssel jetzt die Migrationsfrage klären, wenn wir alles gut machen, dann ist das die Grundvoraussetzungen fürs wiedergewählt werden."
Aber es wird die AfD zunächst mal nicht im Kern erschüttern. Ich glaube, dass wir eine Erzählung brauchen, dass wir eine Idee von morgen brauchen.
Manfred Weber, EVP-Chef und CSU-Vize
Der stellvertretende CSU-Parteivorsitzender Manfred Weber kritisiert in einem Brief an Parteimitglieder die bayerische Politik. Er fordert eine Politik, die mehr auf nachhaltige Debatten setzt.
26.05.2026 | 1:09 minUlf Röller: "Söder bringt keine Beute mehr nach Hause."
Für den Leiter des ZDF-Studios in Brüssel, Ulf Röller, war der Brief Webers ganz klar an bzw. gegen Markus Söder gerichtet.
Inhaltsfragen sind Machtfragen, weil wer vorne steht, definiert die Macht. Insofern ist das schon ein Angriff [auf Markus Söder].
Ulf Röller, Leiter des ZDF-Studios in Brüssel
Röller zitierte in dem Zusammenhang den ehemaligen Vorsitzenden der CSU-Landesgruppe Michael Glos. Dieser sagte, so Röller, "die CSU ist eine Räuberpartei, und da darf der Hauptmann, sprich Markus Söder, alles machen. Der darf sich auch das meiste von der Beute nehmen." Röller weiter: "Aber er muss Beute nach Hause bringen. Das Problem von Markus Söder ist: Er bringt keine Beute mehr nach Hause."
Söder steht seit dem schlechten Abschneiden bei der Kommunalwahl in der Kritik, besonders von seinem Rivalen Manfred Weber.
15.06.2026 | 1:46 minDer ZDF-Korrespondent warf Manfred Weber vor, den "Pfingstbrief" sowohl inhaltlich als auch zeitlich bewusst platziert zu haben.
Das sie das jetzt bringen, wo er [Söder] eine Kommunalwahl komplett in den Sand gesetzt hat, ist ja kein Zufall.
Ulf Röller, Leiter des ZDF-Studios in Brüssel
Während Weber zuvor noch vermieden hatte, Söder direkt zu kritisieren, wurde er im weiteren Verlauf der Debatte deutlicher. So erklärte er mit Blick auf dessen Social-Media-Auftritte: "Er hat die Tweets zum Döner eingestellt. Ich fand, das war eines Ministerpräsidenten dann auf die Dauer nicht würdig."
Vor den Kommunalwahlen in Bayern ist CSU-Parteichef Markus Söder wiedergewählt worden auf dem Parteitag in München – aber mit einem für ihn enttäuschenden Ergebnis.
12.12.2025 | 2:38 minWichtiger Hinweis in eigener Sache
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