CSU-Chef im ZDF-Interview:Söder spricht sich gegen Vertrauensfrage aus
von Dominik Rzepka
Soll Kanzler Merz die angekündigten Reformen mit der Vertrauensfrage verbinden? CSU-Chef Söder ist dagegen, auch Merz hält nichts von der Idee.
Soll Kanzler Friedrich Merz die angekündigten Reformen mit der Vertrauensfrage verknüpfen? CSU-Chef Markus Söder ist dagegen.
03.05.2026 | 4:26 minCSU-Chef Markus Söder hat sich dagegen ausgesprochen, die von der Koalition angekündigten Reformen im Parlament mit der Vertrauensfrage zu verbinden. Auf die Frage, ob es solche Erwägungen gebe, sagt Söder der ZDF-Sendung "Berlin direkt":
Nein. Wir haben jetzt in zentralen Feldern, ob bei Bürgergeld, bei Heizgesetz, bei Migration und vielen anderen Dingen am Ende Lösungen gefunden.
Markus Söder, CSU
Sein festes Ansinnen sei es, am Ende zu einem Ergebnis zu kommen. "Denn alle anderen Alternativen, die so diskutiert werden, (...) sind alle schlechter und verheißen alle nichts Gutes."
Nach der Einigung im Kabinett bei Gesundheit und den Eckpunkten des Haushalts: Hat Schwarz-Rot die Kraft für Reformen oder geht der Streit jetzt erst richtig los?
03.05.2026 | 5:01 minMerz erteilt Klingbeil eine Absage
Ähnlich äußert sich auch Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU). Er sagt in der ARD-Sendung "Caren Miosga", das sei eine Frage, mit der er sich heute nicht beschäftigen müsse.
Das ist für jeden Bundeskanzler immer eine Option, aber eine Option, über die ich im Augenblick keine Veranlassung habe, nachzudenken.
Friedrich Merz, CDU
2001 hatte der damalige Kanzler Gerhard Schröder (SPD) die Abstimmung über den Bundeswehreinsatz in Afghanistan mit der Vertrauensfrage verbunden. In seiner rot-grünen Koalition regte sich damals Widerstand gegen den Einsatz. Schröder erzwang die Zustimmung zum Afghanistan-Einsatz, indem er sie mit der eigenen Kanzlerschaft und dem Fortbestehen von Rot-Grün verknüpfte.
In dem Interview weist Merz auch Forderungen aus der SPD nach höheren Steuern für höhere Einkommen zurück. SPD-Chef Lars Klingbeil müsse wissen, dass das mit ihm nicht gehe. "Wir haben eine Belastung der Facharbeiter in Deutschland mit Steuern. Die ist zu hoch", so Merz.
Ein Jahr ist Friedrich Merz nun Kanzler, seine Umfragewerte sind ein Desaster. ZDF-Korrespondentin Nicole Diekmann fragt: Was hat Merz erreicht? Was nicht? Und warum ist er so unbeliebt?
03.05.2026 | 14:34 minMiersch: Mit Merz ausgesprochen?
Der Fraktionschef der SPD, Matthias Miersch, hält derweil an seiner Kritik an den Äußerungen von Kanzler Friedrich Merz zur Rente fest. Merz hatte gesagt, die gesetzliche Rente sei künftig allenfalls eine Basisabsicherung. Das habe "viele Leute aufgeschreckt", so Miersch im ZDF.
Inzwischen hat Miersch mit Merz geredet. Seine Kritik an ihm, dass man so eigentlich kein Kanzleramt führen könne, hat Miersch nicht zurückgenommen. Er habe ihm allerdings mitnichten die Fähigkeit abgesprochen, Kanzler zu sein, so Miersch.
Insofern ist zwischen uns alles in Ordnung.
Matthias Miersch, SPD
SPD-Fraktionschef Matthias Miersch sieht das Verhältnis zu Kanzler Merz nicht belastet - trotz seiner Kritik an den Rentenaussagen des Kanzlers.
03.05.2026 | 4:32 minSöder will beim Bürgergeld nachverhandeln
Miersch kündigt in dem Interview auch an, dass seine Fraktion bei der Finanzreform der Krankenkassen noch Änderungen wünscht, etwa bei der beitragsfreien Mitversicherung. Das parlamentarische Verfahren sei schließlich "kein Abnickerverfahren".
Änderungen fordert auch CSU-Chef Söder. Er fordert, dass die Krankenversicherung von Bürgergeldempfängern nicht mehr oder weniger mit Beiträgen der Versicherten bezahlt werden sollten. Der Bund wolle zwar nun 250 Millionen Euro übernehmen. Aber:
Das würde uns noch nicht reichen.
Markus Söder, CSU
Mit seiner Aussage, die gesetzliche Rente werde nur noch eine "Basisabsicherung" im Alter sein, sorgt der Kanzler für Diskussionen.
21.04.2026 | 2:53 minKritik an Schwarz-Rot aus den eigenen Reihen
Ein Jahr nach Amtsantritt will die Koalition nun Reformen verabschieden, etwa bei der Einkommensteuer. Allerdings findet die Debatte vor dem Hintergrund schlechter Umfragewerte statt. 63 Prozent der Befragten im ZDF-Politbarometer bewerten die Arbeit der Koalition als eher schlecht.
Kritik am bisher Erreichten kommt auch nicht mehr nur von der Opposition, sondern auch aus den eigenen Reihen. In der Wirtschaftspolitik beispielsweise sei "noch viel zu tun", sagt der ehemalige hessische Ministerpräsident Roland Koch im ZDF. Reformvorhaben würden aktuell zu langsam angegangen.
Ich habe mir von der Zeit nach der rheinland-pfälzischen Landtagswahl deutlich mehr erhofft.
Roland Koch, CDU
Und für den Herbst ist Koch ebenfalls wenig optimistisch. Ein Jahr nach dem Start von Schwarz-Rot steht die Koalition im Gegenwind.
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