Machtkampf in der CSU:Söder: Ein Offensivspieler in der Defensive
von Simon Pfanzelt
In der CSU rumort es. Im Parteivorstand treffen heute Markus Söder und seine Kritiker aufeinander. Kann Parteichef Söder die Debatte um seine Person einfangen?
Markus Söder erntet zunehmend Kritik in der eigenen Partei. Zuletzt sorgten interne Briefe für Wirbel um den CSU-Parteichef.
Quelle: ddpSöder dankt Soldaten. Söder beim Arbeitsgespräch mit dem Kanzler. Söder wirbt für Olympia in München. Die neuerliche Neuerfindung des CSU-Chefs lässt sich gut an seinem Instagram-Content ablesen. Keine Essens-Posts, keine Sing-Videos mehr. Betont wird nun der Politiker Söder. Der Konsument und Entertainer tritt in den Hintergrund. Die offene Frage: Kommt das zu spät?
In der CSU rumort es
Seit Monaten wabert in der CSU eine Debatte, die Partei stellt sich lauter als je zuvor die Frage: Ist Markus Söder der richtige Mann für die Landtagswahl 2028? "Wir haben jetzt in vielen Gremien, in Ortsverbänden, Kreis- und Bezirksvorständen lebendige Diskussionen, wie man aus dem Kommunalwahlergebnis die richtigen Schlüsse zieht. Und ich begrüße das ausdrücklich", sagt Parteivize Manfred Weber zu ZDFheute. Er wolle "keine Personaldebatte", aber:
Wir sind eine lebendige Partei. Wir müssen reden dürfen.
Manfred Weber, CSU-Vize
Hintergrund: Bei der bayerischen Kommunalwahl hatte die CSU vor zwölf Wochen einige heftige Klatschen einstecken müssen. Falsche Kandidaten, schwache Wahlkämpfe vor Ort, so lautete Söders Analyse aus der Parteizentrale. Als er zurückruderte, war es schon zu spät. In der Landtagsfraktion und bei einfachen Mitgliedern brodelte es.
Der stellvertretende CSU-Parteivorsitzende Manfred Weber hat in einem Brief an Parteimitglieder die bayerische Politik kritisiert. Er forderte eine Politik, die mehr auf nachhaltige Debatten setzt.
26.05.2026 | 1:09 minNeuer Stil soll Söder retten
Söders neuer Auftritt ist ein Zugeständnis an die Basis. Ein paar Tausend Follower sind schon abgesprungen. Doch das nimmt er in Kauf, um die Liebe seiner Partei wiederzugewinnen. Im Mai hatte er in einer Regierungserklärung versprochen:
Ich werde künftig stärker darauf achten, dass Ton und Stil der Lage unserer Demokratie angemessen sind.
Markus Söder, CSU-Chef
Es sollte ein Befreiungsschlag sein - Söder verabschiedete sich über Pfingsten für ein paar Tage zum Nachdenken nach Rom. Dann kam es knüppeldick für den Parteichef.
Interne Briefe sorgen für Wirbel
Erst schrieb Manfred Weber einen Brief, der sich wie ein Frontalangriff auf Söder liest. Dann machte ein Briefentwurf aus einem CSU-Kreisverband die Runde: von massiver "Anti-CSU-Stimmung" wird berichtet, die "durch das teils als überheblich empfundene Auftreten von Verantwortlichen erzeugt" werde. Zudem stellen Vorstandsmitglieder zentrale Söder-Projekte wie die Mütterrente offen infrage.
Söder, die längste Zeit seiner Karriere ein politischer Offensivspieler, ist in die Defensive geraten. Im Parteivorstand treffen er und seine Kritiker heute aufeinander, es gibt viel zu besprechen.
Nach ZDF-Informationen hat es zwischen Söder und Weber seit Wochen keinen Kontakt gegeben. Holt Söder zum Gegenschlag aus oder umarmt er seine Gegner? Beides wird in der CSU für möglich gehalten. Und wie positioniert sich Alexander Dobrindt, der zuletzt erstaunlich ruhig war?
CSU-Parteichef Markus Söder ist auf dem Parteitag in München wiedergewählt worden - aber mit einem für ihn enttäuschenden Ergebnis.
12.12.2025 | 2:38 minSöder arbeitet am Machterhalt
Söder hat bislang geschwiegen, im Hintergrund arbeitet er längst am eigenen Machterhalt. Dass er seine Unterstützung für Ilse Aigner als mögliche Bundespräsidentin erklärt hat, wird intern als kluger Schachzug gewertet. Aigner muss nun ihre präsidialen Fähigkeiten unter Beweis stellen, parteiinterne Machtkämpfe kann sie sich nicht erlauben. Söders größte parteiinterne Konkurrentin ist erstmal ruhiggestellt.
Dass der bislang loyale Fraktionschef in Bayern, Klaus Holetschek, nun zusätzlich die CSU-nahe Hanns-Seidel-Stiftung führen soll, gleicht einer Beförderung. Immer wieder werden Holetschek größere Ambitionen nachgesagt. Die Aufwertung Holetscheks soll wohl auch dafür sorgen, dass er den Söder-Rückhalt in der mächtigen Landtagsfraktion weiter absichert.
Die Wahl des neuen Bundespräsidenten ist erst im Januar 2027. Dennoch läuft bereits die Debatte über die Nachfolge von Frank-Walter Steinmeier. CSU-Chef Markus Söder unterstützt Ilse Aigner als Kandidatin.
24.04.2026 | 2:03 minSöder setzt auf loyale Unterstützer
Es ist kein Zufall, dass nach der Vorstandssitzung ausgerechnet Holetschek neben Söder zur Presse sprechen wird. Mit dabei auch Landesgruppenchef Alexander Hoffmann, der Söder lautstark in Schutz genommen hatte. Flankiert von zwei loyalen Unterstützern wird Söder also die Diskussion im Vorstand ausdeuten.
Von der Söder-Dämmerung, über die in der Partei gesprochen wird, wird dann kaum die Rede sein. Doch auch wenn mit einem schnellen Söder-Sturz nicht zu rechnen ist, die Autorität des Parteichefs ist in den letzten Wochen porös geworden.
Simon Pfanzelt berichtet aus dem ZDF-Landesstudio in Bayern.
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