CSU-Klausur in Kloster Banz:Söders feine Spitzen gegen Merz und die CDU
von Mathis Feldhoff
Nachdem in den letzten Tagen in der Kanzler-Partei CDU Chaos herrschte, inszeniert sich die CSU als stabil. Bei ihrer Klausurtagung gibt es Lob und Sticheleien gleichermaßen.
Alexander Hoffmann (l), Vorsitzender der CSU-Landesgruppe im Bundestag, und Markus Söder, Bayerns Ministerpräsident bei der Sommerklausur der CSU in Bad Staffelstein.
Quelle: dpaEs mag Zufall sein, dass die beiden Parteivorsitzenden von CDU und CSU an einem Montagmittag zeitgleich vor die Presse treten, um die neuesten Personalveränderungen in den Spitzen der Koalition zu verkünden oder zu verteidigen. Während Friedrich Merz in Berlin spricht und sich kritischen Fragen stellen muss, steht Markus Söder im weiten Rund des Innenhofes von Kloster Banz in Franken und wirkt sehr zufrieden.
Auf seiner Seite hat es keine personellen Veränderungen gegeben und wenn man Söder glaubt, auch nicht geben müssen.
Ich will nur für die CSU sagen, bei uns bleibt alles beim Alten. Unser Personal ist, finde ich, ganz hervorragend.
Markus Söder, Bayerischer Ministerpräsident
"Wir haben drei sehr starke Bundesminister … ob Minister oder Staatssekretäre, wir bleiben bei unserem Team. Das hat sich sehr gut bewährt", verkündet der CSU-Chef selbstbewusst.
CSU-Chef Söder zeigt sich im ZDF-Sommerinterview über den CSD-Anschlag erschüttert: Das sei mehr als nur ein Einzelfall. Bei der Kabinettsumbildung stärkt er Merz den Rücken.
26.07.2026 | 2:44 minUnterschwellige Kritik von Söder
Söder wäre aber nicht Söder, wenn er so einen Auftritt vor Beginn der Tagung der CSU-Landesgruppe im Bundestag nicht für eine Spitze gegen die Schwesterpartei und den Kanzler nutzen würde. "Sie sehen die CSU in diesen Tagen auch in der gesamten Union als Stabilitätsanker. Wir unterstützen natürlich, dass der Bundeskanzler auch in seiner eigenen verfassungsrechtlichen Zuständigkeit Veränderungen vornimmt, nachdem es eben notwendig war", so der CSU-Vorsitzende.
Ein vermeintlich harmloser Satz des Lobes, der Unterstützung für Merz vermitteln könnte. Doch interessant ist, was der Satz wohl auch bedeutet. Dass die CSU zumindest in Berlin derzeit stabil da steht, ist sicher richtig, allerdings sind die letzten Wochen für die Partei in Bayern doch recht turbulent und holprig gewesen. Da muss man nur auf das schwache Abschneiden der CSU bei den bayerischen Kommunalwahlen schauen.
Nach der aus CSU-Sicht enttäuschenden Kommunalwahl im März gibt es Kritik an Parteichef Söder. Die kommt vor allem von Vize Weber. Aber noch traut sich keiner die Revolte.
15.06.2026 | 2:42 minHat Merz noch alles im Griff?
Mit der Formulierung "seiner eigenen Zuständigkeit" macht Söder dann deutlich, dass er mit dem Chaos bei den Neubesetzungen in Partei und Regierung nichts zu tun hat und auch nicht haben will. Das sei allein Sache des Kanzlers, Pannen inklusive. Und auch der Nachsatz "nachdem es notwendig war" enthält wohl eine weitere Spitze.
Markus Söder zweifelt offenbar an der Fähigkeit von Friedrich Merz, das richtige Personal auszuwählen. Und zwar nicht nur in der Hektik der letzten Tage, sondern auch schon bei der Kabinettsaufstellung vor einem Jahr. Und auch sein Landesgruppen-Chef Alexander Hoffmann bläst ins gleiche Horn: "Wenn es Veränderungen erforderlich macht, weil eine Mannschaft breiter aufgestellt werden muss, dann erwarten die Menschen auch, dass Entscheidungen getroffen werden."
Nach dem Rücktritt von Jens Spahn besetzt Bundeskanzler Merz mehrere Schlüsselposten neu. Nina Warken wird Kanzleramtschefin, Carsten Linnemann übernimmt das Gesundheitsministerium.
24.07.2026 | 2:02 minEin Lob für zwar holprige, aber doch rasche Entscheidungen oder doch eher eine kleine Spitze, dass die bisherige CDU-Mannschaft wohl nicht breit genug aufgestellt war? Es bleibt der Eindruck, als ob die CSU sich fragt, ob Merz noch alles im Griff hat.
Söder fordert Konsequenzen aus CSD-Anschlag
Zum Beweis legt Markus Söder auch inhaltlich die Latte für die Koalition und den Kanzler ein Stückchen höher. Der Anschlag von Berlin zeige, so der bayerische Ministerpräsident, dass man jetzt auch über politische Konsequenzen reden müsse. Söder wird ganz konkret.
Es haben Leute in Deutschland wenig Verständnis, dass jemand, der vorbestraft ist, der als Gefährder eingestuft ist, am Ende frei herumlaufen kann.
Markus Söder, bayerischer Ministerpräsident
So urteilt er und fordert mehr Härte. Etwa, dass islamistische Gefährder grundsätzlich nach Erwachsenen-Strafrecht beurteilt werden sollten, dass für diesen Personenkreis Haftstrafen obligatorisch sind und Bewährung grundsätzlich verwehrt sei, dass die Aberkennung einer deutschen Staatsbürgerschaft für Gefährder automatisch kommen solle oder dass mit einer Einstufung als Gefährder der Führerschein entzogen werde.
CSU-Chef Markus Söder verurteilt im ZDF-Sommerinterview den Anschlag auf den CSD in Berlin. "Das tut uns allen weh und schockt uns", sagt er.
26.07.2026 | 0:58 minMarkus Söder nutzt das Momentum
Was nach aus dem Ärmel geschüttelten Vorschlägen klingt, ist offenbar wohlüberlegtes Kalkül. Dafür spricht, dass alles auf einem kleinen Zettel steht, den er da im Klosterrund in der Hand hält. Der Instinkt-Politiker Söder nutzt das Momentum, sich an die Spitze möglicher Gesetzesverschärfungen zu setzen. Weil er ahnt, dass er damit in der Breite der Gesellschaft auf große Zustimmung trifft.
Mathis Feldhoff ist Korrespondent im ZDF-Hauptstadtstudio.
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