Steinmeier-Nachfolge: Wird erstmals eine Frau Bundespräsidentin?

Debatte über Steinmeier-Nachfolge:Prien, Aigner - wird's diesmal eine Bundespräsidentin geben?

von Stefanie Reulmann

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Noch ein Jahr, dann scheidet Frank-Walter Steinmeier aus dem Amt. Ein Nachfolger muss her. Vieles spricht dafür, dass es nach zwölf Männern im Amt erstmals eine Frau werden könnte.

Dirk Wiese

SPD und Grüne machen sich dafür stark, dass eine Frau ins höchste Staatsamt gewählt wird. Eine politische Karriere sei kein notwendiges Kriterium, sagte SPD-Politiker Dirk Wiese.

18.02.2026 | 0:27 min

"Die Zeit ist reif für eine Frau als Bundespräsidentin", sagt Grünen-Fraktionschefin Britta Haßelmann dem Nachrichtenportal ZDFheute. Und mit dieser Auffassung ist sie nicht allein. Parteiübergreifend werden Rufe nach einer Frau im höchsten Staatsamt immer lauter.

Bekommt Deutschland seine erste Bundespräsidentin?

Bundestagspräsidentin Julia Klöckner (CDU) bezeichnet es als "sehr verwunderlich", dass es bisher zwölf Männer, aber noch keine Frau in diesem Amt gegeben habe. Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU), hat sich bereits im August vergangenen Jahres offen für eine Bundespräsidentin gezeigt. Beim Tag der offenen Tür der Bundesregierung sagte er:

Ich kann mir das sehr gut vorstellen, dass wir 2027 eine Frau zum ersten Mal in der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland zur Bundespräsidentin wählen. Das wäre gut.

Friedrich Merz (CDU), Bundeskanzler

In der Vergangenheit sind alle Versuche, eine Frau ins höchste Staatsamt zu heben, gescheitert. 1999 verlor die CDU-Kandidatin Dagmar Schipanski gegen Johannes Rau (SPD) und 2004 und 2009 scheiterte die SPD-Kandidatin Gesine Schwan, beide Male an Horst Köhler (CDU).

  • Theodor Heuss (1949 - 1959)
  • Heinrich Lübke (1959 - 1969)
  • Gustav Heinemann (1969 - 1974)
  • Walter Scheel (1974 - 1979)
  • Karl Carstens (1979 - 1984)
  • Richard von Weizsäcker (1984 - 1994)
  • Roman Herzog (1994 - 1999)
  • Johannes Rau (1999 - 2004)
  • Horst Köhler (2004 - 2010)
  • Christian Wulff (2010 - 2012)
  • Joachim Gauck (2012 - 2017)
  • Frank-Walter Steinmeier (seit 2017)


Klöckner, von der Leyen - viele Namen kursieren

Nun könnte es einen neuen Anlauf geben. Am 18. März 2027 endet die zweite Amtszeit von Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier. Eine Wiederwahl ist nach § 54 des Grundgesetzes nicht mehr möglich. Und nachdem mit Steinmeier zehn Jahre lang ein SPD-Mann im Bundespräsidialamt saß, gilt als wahrscheinlich, dass die CDU nun ein Vorschlagsrecht in Bezug auf die Nachfolge bekommt. Genau geregelt ist das aber nicht.

Alles ist offen - trotzdem kursieren bereits seit längerem Namen möglicher Kandidatinnen, vorwiegend aus der Union. Bundestagspräsidentin Julia Klöckner wird aufgrund ihres Amtes automatisch als potentielle Kandidatin gehandelt. Auch Ursula von der Leyen wird bei der Vergabe von Spitzenpositionen immer wieder genannt. Doch die EU-Kommissionspräsidentin ist in Brüssel gebunden, müsste ihr Amt vorzeitig abgeben - das gilt als wenig wahrscheinlich. Auch eine Kandidatur von Angela Merkel wird vom Büro der Alt-Kanzlerin sofort dementiert und als "abwegig" bezeichnet.

Julia Klöckner (CDU), Bundestagspräsidentin, steht bei ihrer Rede nach ihrer Wahl bei der konstituierenden Sitzung des neuen Bundestags.

Der Bundestag ist am 25. März 2025 zu seiner konstituierenden Sitzung zusammengetreten. Mit Julia Klöckner ist die neue Bundestagspräsidentin gewählt worden.

25.03.2025 | 1:40 min

Söder-Gegenspielerin Aigner als Bundespräsidentin?

Eine weitere potentielle Kandidatin ist Bundesfamilienministerin Karin Prien. Als Jüdin wäre ihre Wahl ins höchste Staatsamt ein deutliches Zeichen. Und auch der Name Annegret Kramp-Karrenbauer fällt zuweilen. Die ehemalige CDU-Vorsitzende und Verteidigungsministerin ist aktuell Vorsitzende der CDU-nahen Konrad-Adenauer-Stiftung.

Ebenfalls für den Posten gehandelt wird die CSU-Politikerin Ilse Aigner, Präsidentin des bayerischen Landtages. Trotz ihres angespannten Verhältnisses dürfte CSU-Chef Markus Söder aber kein Interesse daran haben, dass Aigner ins Schloss Bellevue einzieht. Das würde seine Chancen aufs Kanzleramt in den nächsten Jahren zunichte machen, denn zwei CSU-Politiker gleichzeitig in hohen Staatsämtern: Das ist nicht durchsetzbar.

Diese Kandidatinnen sind für das Bundespräsidenten-Amt im Gespräch:

Julia Klöckner
Karin Prien
Ursula von der Leyen, aufgenommen am 14.01.2026 in Brüssel
Ilse Aigner
Annegret Kramp-Karrenbauer
Angela Merkel
Schriftstellerin Juli Zeh

Julia Klöckner, CDU

Die amtierende Bundestagspräsidentin Julia Klöckner wird aufgrund ihres Amtes als potentielle Kandidatin gehandelt. Sie ist allerdings nicht unumstritten.

Quelle: dpa

Der SPD-Politiker Wiese zweifelt aber, ob es überhaupt jemand der Genannten werden könnte. Er sagt:

Bis Anfang 2027 haben wir jedoch noch etwas Zeit und in der Vergangenheit war es meistens so: Wer zu früh auf dem Platz ist, der wird es nachher nicht.

Dirk Wiese, Erster Parlamentarischer Geschäftsführer der SPD-Fraktion

Ein Nichtpolitiker als Bundespräsident?

Politische Erfahrung, Integrität oder Glanz und Glamour? Welche Voraussetzungen müsste eine Bundespräsidentin mitbringen? "Wichtig ist nicht, was diese Frau früher gemacht hat", sagt Grünen-Fraktionschefin Haßelmann, sondern:

Entscheidend ist, dass sie mit starker Stimme und klarem Kompass unser Land in seiner Vielfalt zu inspirieren, zu integrieren und zu repräsentieren vermag.

Britta Haßelmann, Fraktionsvorsitzende der Grünen

Auch CDU-Generalsekretär Carsten Linnemann zeigt sich offen für einen Nichtpolitiker als Bundespräsidenten, ebenso der Erste Parlamentarische Geschäftsführer der SPD-Bundestagsfraktion, Dirk Wiese. Zwar seien Erfahrungen in der Politik "hilfreich", sagt er ZDFheute, sie sollten "aber keine zwingende Voraussetzung" sein. "Grundsätzlich sollte es sich dabei um eine Persönlichkeit von hohem Ansehen handeln, die über Parteigrenzen hinaus bis in die Zivilgesellschaft hinein geschätzt wird."

Das sieht die AfD ähnlich. Fraktionschefin Alice Weidel sagt ZDFheute, ein Bundespräsident müsse "eine über allen Parteien und Lagern stehende und in der gesamten Nation angesehene Respektsperson sein" und kein "versorgungsbedürftiger Parteipolitiker". "Ob Mann oder Frau, ist für dieses verantwortungsvolle Amt unerheblich", sagt Weidel weiter.

Der deutsche Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier posiert nach der Aufnahme seiner traditionellen Weihnachtsansprache am 22. Dezember 2025 im Schloss Bellevue in Berlin.

Bundespräsident Steinmeier ruft in der Weihnachtsansprache zu gesellschaftlichem Zusammenhalt auf. Weihnachten gebe Zuversicht - und damit Kraft, sich für Mitmenschen einzusetzen.

24.12.2025 | 7:38 min

Eine solche Kandidatin wäre die Schriftstellerin und Juristin Juli Zeh. Sie ist Mitglied der SPD und wurde schon vor knapp zwei Jahren von den Sozialdemokraten als Nichtpolitikerin für das Amt der Bundespräsidentin ins Gespräch gebracht. Doch schon damals lehnte sie ab.

Bundespräsidenten-Wahl voraussichtlich im Februar 2027

Voraussichtlich im März wird Bundestagspräsidentin Julia Klöckner den Termin für die Wahl des Bundespräsidenten im Februar 2027 bekannt geben. Erst danach werden wohl die ersten Kandidaten oder Kandidatinnen offiziell vorgeschlagen.

Über dieses Thema berichtete ZDFheute am 18.02.2026 in dem Beitrag "SPD und Grüne für Frau als Bundespräsidentin".

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