Klöckners emotionale Israel-Reise: Kein Fokus auf Palästinenser?

Klöckner in Israel:Emotionale Reise - ohne Treffen mit Palästinensern

Britta Buchholz

von Britta Buchholz

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Für die Bundestagspräsidentin hat Israel eine besondere Bedeutung. Ihr erster Besuch in der neuen Funktion steht unter genauer Beobachtung. Wie wird sie sich verhalten?

Julia Klöckner

Bundestagspräsidentin Julia Klöckner besucht Israel, eine emotionale Reise, sagt ZDF-Korrespondentin Britta Buchholz. Gespräche mit Palästinensern stünden derweil "nicht im Fokus".

11.02.2026 | 0:50 min

Es ist früh am Mittwochmorgen, als Julia Klöckner ihr Hotel in Jerusalem verlässt. Sie ist nicht allein, begleitet wird sie von mehreren Mitarbeitenden. Ihr erstes Ziel: Yad Vashem.

Der Besuch der Gedenkstätte für die sechs Millionen ermordeten Juden ist ihr ein persönliches Anliegen – aber nicht das einzige Thema auf ihrer Reise.

Auschwitz

Vor 75 Jahren wurde Auschwitz von der Roten Armee befreit. In dem Konzentrationslager starben insgesamt rund 1,1 Millionen Menschen – vor allem Juden.

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Yad Vashem: Eintrag ins Gästebuch

Zum ersten Mal war Klöckner als Studentin in Israel, erzählt sie den mitreisenden Journalistinnen und Journalisten. "Damals hatte man noch Zeit." Ihr Theologiestudium, sagt sie, habe ihre besondere Beziehung zu Israel geprägt.

Erst vor wenigen Wochen traf sie im Bundestag Tova Friedman, 87, eine Überlebende der Shoah. Klöckner umarmte sie herzlich. Vor einigen Tagen empfing sie – wie schon mehrfach zuvor – Opfer des Hamas-Angriffs vom 7. Oktober 2023.

Holocaust survivor Tova Friedman speaks during a commemoration ceremony for the victims of Nazi Germany in the Reichstag building, the seat of the German federal parliament (Bundestag), in Berlin, Germany, 28 January 2026

In einer bewegenden Rede hat die Holocaust-Überlebende Tova Friedman im Bundestag von ihrem Überleben im KZ Auschwitz berichtet. Sie warnt vor aufflammendem Antisemitismus.

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In Yad Vashem betrachtet sie nun Fotos der Ermordeten. In das Gästebuch schreibt sie auf Englisch: "We stand with the country that here remembers those who were not allowed to live."

Kein Treffen mit Palästinensern?

Der Besuch sendet mehrere Botschaften. Klöckner, die zweithöchste Vertreterin des deutschen Staates, bekräftigt die enge Verbundenheit Deutschlands mit Israel. Klöckner sagt:

Die deutsche Geschichte verpflichtet uns, Verantwortung für die Zukunft Israels zu übernehmen.

Julia Klöckner, Bundestagspräsidentin

Das umfasse sowohl das Existenzrecht als auch das Verteidigungsrecht Israels.

Ein Treffen mit Vertretern der Palästinenser ist nicht geplant. Umso bemerkenswerter sind Klöckners Worte bei der gemeinsamen Pressekonferenz mit Knesset-Präsident Amir Ohana: Sie mahnt, die Diskussion über die Wiedereinführung der Todesstrafe kritisch zu führen und erinnert an Artikel 1 des deutschen Grundgesetzes.

Wehende Flagge von Palästina

Israel steht wegen seines Vorgehens in Gaza in der Kritik. Viele Länder haben Palästina deshalb als Staat anerkannt, EU-Partner drängen auf Sanktionen gegen Israel. Und Deutschland - schweigt.

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Klöckner für "Kritik unter Freunden"

Auch zur Zwei-Staaten-Lösung bezieht Klöckner Stellung: Sie wirbt dafür, "auch die andere Seite im Blick zu behalten". Das werde in Israel nicht überall auf Zustimmung stoßen. "Kritik muss unter Freunden möglich sein", betont sie später.

In der Knesset wird Klöckner mit allen protokollarischen Ehren empfangen, Ohana begrüßt sie herzlich, die Abgeordneten applaudieren. Nach den Spannungen im Sommer 2025 – als Kanzler Friedrich Merz die Waffenlieferungen an Israel vorübergehend stoppte – möchte sie die Beziehungen wieder festigen.

Es ist ihre Art, zurück zu einem ungetrübten Verhältnis zu kommen.

Frau protestiert im Bundestag

Sehen Sie hier die Szene im Video: Bundestagspräsidentin Klöckner verweist die Linken-Abgeordnete Köktürk des Saales wegen eines "Palestine"-Shirts. Später stört eine Besucherin die Sitzung.

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Gedenken an Nova-Musikfestival

Am Donnerstag will Klöckner den Ort besuchen, an dem über 350 Menschen beim Terrorangriff der Hamas auf das Nova- Musikfestival ermordet wurden.

Eine emotionale Etappe auf einer Reise, die für sie weit mehr als diplomatische Routine ist: Sie versteht ihr Engagement als Ausdruck besonderer Verantwortung – historisch, politisch und persönlich.

Über dieses Thema berichtete ZDFheute Xpress am 11.02.2026 in dem Beitrag Buchholz: "Eine emotionale Reise" um 17:29 Uhr.

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