Dreikönigstreffen der Liberalen:FDP in der Krise: Wie sich die Partei neu erfinden will
von Britta Buchholz, Stuttgart
Die Liberalen befinden sich in einer scheinbar nicht endenden Krise. Die Partei ringt um Aufmerksamkeit und Wähler. Das Dreikönigstreffen wird nun zur Schicksalsbühne.
Für die FDP könnte 2026 entscheidend werden. Nach der Bundestagswahl sitzt sie nur noch in zwei Landesregierungen. Beim Dreikönigstreffen will sie neue Impulse setzen.
06.01.2026 | 1:33 minManchmal wiederholt sich Geschichte. Die FDP erlebt jedenfalls gerade ein Déjà-vu: 2013 fliegt die Partei aus dem Bundestag und verschwindet anschließend weitgehend aus der öffentlichen Wahrnehmung. 2025 scheitert sie erneut an der Fünf-Prozent-Hürde - und seitdem scheint sie wieder politisch isoliert, innerlich verunsichert, öffentlich kaum präsent.
Während international Venezuela, die USA und die Ukraine im Fokus stehen, diskutiert Deutschland über den befürchteten Kollaps bei Pflege, Gesundheit, Rente. Doch die FDP scheint bei keinem Thema durchzudringen.
Bei der Landtagswahl in Baden-Württemberg geht es für die FDP um viel – nämlich darum zu zeigen, dass sie noch Erfolge einfahren kann. Entsprechend groß sind die Versprechen.
06.01.2026 | 2:10 minMerz liefert Steilvorlage - die FDP macht wenig draus
Dabei hätte es Chancen gegeben. Eine ungeahnte Steilvorlage kam ausgerechnet von Friedrich Merz (CDU). Er boxte das Sondervermögen durch - mit Stimmen von Union, SPD und Linken. Eine gigantische Summe von 500 Milliarden Euro. Die Ampel-Koalition hatte sich vergleichsweise an Kleckerbeträgen überworfen.
Der Bundesvorsitzende der FDP, Christian Dürr, plant einen Strategiewechsel seiner Partei: "Wir wollen den Status quo durchbrechen." Im vergangenen Jahr habe man dafür "eigene Fehler aufgearbeitet".
06.01.2026 | 5:21 minDas hätte eine Steilvorlage für die Liberalen sein können. Die Partei sieht sich selbst traditionell als Hüterin der Staatsfinanzen - die schwarze Null ist quasi DNA der Partei. Hinter den Kulissen schwelt selbst in der CDU der Frust über eben diese "Schuldenorgie", wie sie manch einer nennt. Doch es wird nicht die Stunde der FDP, ihre Mahnungen verhallen. Und das hat viele Gründe.
Die Ränder links und rechts geben den Ton an, oft laut und polarisierend. Die FDP als Partei der sogenannten Mitte wirkt, differenziert und leise, fast schon antiquiert. Das Personal - Parteichef Christian Dürr und Generalsekretärin Nicole Büttner - kann dabei keinen Gegenpol bilden zu lauten Parolen der politischen Gegner.
Erklärtes Ziel der FDP ist der Wiedereinzug in den Bundestag.
16.05.2025 | 0:24 minFehlender Rückhalt aus Ländern, fehlender Erfolg aus Berlin
Zudem fliegt die Partei aus immer mehr Landesparlamenten. Es fehlt organisatorisch besonders in Ostdeutschland an tragfähigen Parteistrukturen, vielerorts ist die Mitte weggebrochen. Entscheidend wird deshalb Baden-Württemberg - das Stammland der FDP. Dort wird im März gewählt - und manche in der Partei sagen, ein Scheitern im Südwesten wäre das Ende.
Der Bund soll Schub geben. Doch eben dort an der Spitze fehlt anscheinend eine klare Erzählung, wofür die Partei überhaupt steht. Die alten Schlagworte - Digitalisierung, Entbürokratisierung, Entlastung der Mitte - sind geblieben. Aber sie zünden nicht mehr.
Suche der FDP nach einem Neuanfang
Bei vielen früheren Wählern sitzt die Enttäuschung über die Regierungsjahre tief. Die einen werfen der FDP vor, zu oft umgefallen zu sein. Die anderen halten ihr vor, wichtige Vorhaben ausgebremst zu haben. Dazwischen: eine Partei, die es nicht schafft, eine neue, positive Vision zu formulieren.
"Wir öffnen uns auch für Menschen, die direkt aus der Wirtschaft kommen", sagte Christian Dürr im Mai.
16.05.2025 | 4:49 minFDP-intern wollen einige diese Jahre aufarbeiten. Henning Höne, Chef der NRW-Landtagsfraktion, bringt es im FAZ-Interview so auf den Punkt: "In der Ampel wussten wir zu oft nicht, ob wir staatstragende Regierungspartei oder krawallige Opposition in der Regierung sein wollten." Diese Selbstkritik sehen viele intern anders. Und: Selbstbeschäftigung verhindere den Neuanfang, so sieht es ein Präsidiumsmitglied.
Wozu braucht es die Liberalen?
Aufarbeitung oder nach vorne sehen? Ex-Parteichef Christian Lindner ist Geschichte, der neue, Christian Dürr, will die FDP klarer positionieren. Manche empfinden dies als radikaler. Derzeit arbeiten sie im Hintergrund an einem neuen Grundsatzprogramm. Der Leiter der Programmkommission, Florian Toncar, spricht von einem "grundlegenden Neustart": Deutschland solle wieder "aus der Mitte heraus reformierbar" werden - mit Aufstiegschancen, Unternehmergeist und einem handlungsfähigen Staat.
Neustart der FDP. Welcher Kurs soll es werden?
16.05.2025 | 2:32 minDreikönigstreffen als Initialzündung
In Stuttgart beim Dreikönigstreffen wird es um den Inhalt gehen, neben Christian Dürr stehen drei Frauen auf der Bühne. Gesucht wird ein "Neustart der liberalen Erzählung". Es geht um nicht weniger als die Frage: Wie will die FDP wieder FDP werden?
Auf den Fluren des Stuttgarter Opernhauses, wo das traditionelle Dreikönigstreffen stattfindet, wünschen sich viele einen symbolischen Neuanfang. Schon einmal, 2017, gelang der FDP ein unerwartetes Comeback. Manchmal wiederholt sich Geschichte. Manchmal aber auch nicht.
Britta Buchholz ist Korrespondentin im ZDF-Hauptstadtstudio in Berlin.
Mehr zur FDP
"Keine Scheu vor Zuspitzung":Kubickis Tipps für Comeback der FDP
mit Video3:01- Analyse
- Update
Update am Morgen:Das vage Versprechen des Neustarts
von Florian Neuhann