Schulze: Nicht schauen, dass man "selbst am besten dasteht"

Interview

Koalitionsdisziplin statt Streitigkeiten:Schulze: Nicht schauen, dass man "selbst am besten dasteht"

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Sachsen-Anhalts Ministerpräsident Sven Schulze (CDU) verteidigt die Ablehnung der Entlastungsprämie und fordert von der Koalition zügige Reformen statt öffentlicher Streitigkeiten.

08.05.2026, Berlin: Beginn der 1065. Sitzung des Bundesrates. Themen sind die Entscheidung über 1.000-Euro-Entlastungsprämie. Verbraucherschutz bei Kreditverträgen und Förderung von E-Autos sowie Maßnahmen gegen überhöhte Spritpreise, Rücknahme des Zulassungsstopps für Integrationskurse, Sozialleistungsmissbrauch bei vermieteten Problemimmobilien.

Die Entlastungsprämie für Arbeitnehmer in Höhe von bis zu 1.000 Euro steht auf der Kippe. Der Bundesrat stimmte dem vom Bundestag beschlossenen Gesetzentwurf überraschend nicht zu.

08.05.2026 | 2:49 min

ZDFheute: Das Scheitern der Entlastungsprämie im Bundesrat - eine herbe Schlappe für die Bundesregierung oder wie bewerten Sie das?

Sven Schulze: Wäre die Entlastungsprämie so ausgestaltet gewesen, dass sie auch wirklich bei den Menschen ankommt, dann hätte sie auch eine Mehrheit im Bundesrat gefunden. Das ist nicht der Fall gewesen. Deswegen ist es auch wichtig, dass die Bundesländer dieses Zeichen gesetzt haben.

Es ist aber nicht ein Zeichen Richtung Bundesregierung, sondern ein Zeichen insgesamt, dass die Entscheidungen, die für die Menschen gemacht werden, auch bei den Menschen ankommen müssen. Das ist bei dieser Entlastungsprämie definitiv nicht der Fall.

Deswegen stehe ich vollumfänglich dazu. Auch Sachsen-Anhalt, auch ich als Ministerpräsident, haben gestern dieser Prämie nicht zugestimmt, und das völlig zu Recht.

Sven Schulze, CDU, Ministerpräsident Sachsen-Anhalt

Der Bundesrat hat die Entlastungsprämie in Höhe von 1000 Euro wegen zu hoher Kosten abgelehnt.

Der Bundesrat hat den Gesetzentwurf zur Entlastungsprämie überraschend abgelehnt. ZDF-Korrespondent Wulf Schmiese berichtet.

08.05.2026 | 1:25 min

ZDFheute: Abgesehen von der Situation im Bundesrat, in welcher Lage sehen Sie als Wahlkämpfer in Sachsen-Anhalt momentan die CDU im Bund?

Schulze: Zum einen ist es so, dass man die Reformen, die man jetzt auf den Weg bringt, auch umsetzen muss. Dazu ist eines wichtig: kein öffentlicher Streit. Seitdem es in den letzten Wochen immer wieder auch öffentlich Streit gab, sind natürlich auch die Bewertungen der Arbeit der Bundesregierung, und das strahlt auch in die Bundesländer aus, auch in Wahlumfragen hinein, zurückgegangen.

Berlin direkt mit Diana Zimmermann
Quelle: ZDF

Mehr zur Koalition und ihrem Ringen um Reformen sehen Sie heute um 19:10 Uhr bei "Berlin direkt" im ZDF und im Streamingportal. Live zu Gast ist SPD-Generalsekretär Tim Klüssendorf.


Das möchten die Menschen zu Recht nicht, das möchte auch ich nicht als Ministerpräsident meiner Heimat Sachsen-Anhalt.

Ich möchte jetzt, dass aus Berlin klare Aussagen kommen, wie entwickelt sich Deutschland weiter, welche Reformen werden wann, wie umgesetzt.

Sven Schulze, CDU, Ministerpräsident Sachsen-Anhalt

Kein immer wieder aufkommender Streit, ist das eine besser als das andere, hat der Recht, hat sie Recht, was auch immer da passiert, es muss Ergebnisse geben. Und dann wird es auch Stück für Stück wieder mehr Vertrauen in die Bundesregierung geben.

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ZDFheute: Wie kann der Bundeskanzler und Parteichef Friedrich Merz dieses Bild der Koalition in der Öffentlichkeit verbessern? Was erwarten Sie von ihm, gerade mit Blick auf die anstehenden großen Reformen?

Schulze: Ich führe hier in Sachsen-Anhalt eine Koalition aus drei Parteien, CDU, SPD, FDP. Uns gelingt es hier auch, Streitereien, die es immer wieder gibt, auch Themen, die nicht ganz einfach zu lösen sind, dann intern zu lösen.

Das ist mein Anspruch, eine gute Regierungsarbeit einer gesamten Regierung, dass man dann, wenn man unterschiedlicher Meinung ist, dass man dann diese unterschiedlichen Meinungen nicht in aller Öffentlichkeit austrägt.

Sven Schulze, CDU, Ministerpräsident Sachsen-Anhalt

Deswegen ist es nicht ausschließlich Thema von Friedrich Merz, sondern es ist Thema jedes Einzelnen, der beteiligt ist an dieser Regierungsarbeit, hier vielleicht sich etwas mehr zu disziplinieren, mehr zu schauen, wie kommen wir zu Ergebnissen und nicht zu schauen, wo können wir einen Dissens, der vielleicht irgendwo da ist, nach außen tragen.

Markus Söder

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ZDFheute: Vielen in der Union reißt momentan der Geduldsfaden mit dem Koalitionspartner SPD. Sollte sich Friedrich Merz da mehr durchsetzen?

Schulze: Nein, mir geht es am Ende jetzt wirklich nicht darum, aus den Bundesländern, aus Sachsen-Anhalt irgendjemandem in der Koalition ganz klar zu sagen, was er zukünftig anders zu machen hat. Ich habe das gerade beschrieben, wie man es machen könnte.

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Jetzt geht es aber um eines. Nicht immer jedes Mal, bei jeder Gelegenheit, bei jedem öffentlichen Auftritt immer nur die eigene Linie in den Vordergrund zu stellen und zu sagen, was bei den anderen total falsch läuft. Sondern was ich mir jetzt wünsche, ist, dass auch aus der gesamten Koalition und die besteht aus CDU, CSU und SPD auch mal Signale kommen, dass man gemeinsam nach vorn schaut, dass man gemeinsam die Probleme Deutschlands löst.

Nur gemeinsam kriegen wir das hin und nicht, wenn jeder immer nur schaut, dass er selbst am besten dasteht. Das gilt für die SPD genauso wie für die CDU, CSU.

Sven Schulze, CDU, Ministerpräsident Sachsen-Anhalt

Das Interview führte Ines Trams, Korrespondentin im ZDF-Hauptstadtstudio.

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Quelle: dpa

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Quelle: ZDF
Über dieses Thema berichtete das ZDF unter anderem im heute journal am 08.05.2026 ab 22:00 Uhr.

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