Der Verkehrsminister und die Krisen:Steffen Bilger: Wie viel Neues bringt der Neue?
von Johannes Lieber
Viel Zeit hatte Steffen Bilger (CDU) nicht, um sich an sein neues Amt zu gewöhnen. Aktuell zieht er von einer Krise zur nächsten - und es wird wohl nicht einfacher werden.
Im Interview mit ZDFheute spricht der neue Verkehrsminister über die Kritik von Umweltverbänden und seinem Plan für die Deutsche Bahn.
11.08.2026 | 1:38 minEs ruhen viele Hoffnungen auf Steffen Bilger (CDU). Der neue Verkehrsminister soll vieles anders machen als sein Vorgänger Patrick Schnieder (CDU). Alles will der Neue aber scheinbar nicht ändern. Alle Termine der zweitägigen Sommerreise des Ministers durch Schleswig-Holstein waren ursprünglich für Schnieder geplant - Bilger übernahm sie spontan.
Für Schlagzeilen sorgten aber nicht die besuchten Ladesäulen, die autonomen Fähren oder die unfertige Autobrücke. Es war die missglückte Anreise. Eine kaputte Klimaanlage im ICE zwang den Minister und sein Team, ihren Wagen zu wechseln. Der Anschlusszug hatte dann auch noch Verspätung. Immerhin: Spätestens jetzt weiß der Minister, was er zu tun hat.
Bilger: Pünktlichkeit der Bahn "guter Maßstab" für Bonuszahlungen
Nur gut jeder zweite Zug kommt im Fernverkehr aktuell pünktlich an. Der Wert ist nochmal deutlich schlechter als vor einem Jahr. Hier will Bilger jetzt schnell für Besserung sorgen - indem er dem Management mit Kürzungen droht. Die Bonuszahlungen für die Vorstände sollen an die Pünktlichkeit geknüpft werden. Das sei ein "guter Maßstab", sagt Bilger gegenüber ZDFheute.
Für mich ist eigentlich selbstverständlich, wenn wir als Bund sehr viel Steuerzahlergeld bezahlen für Infrastruktur der Bahn, dass wir dann auch Erwartungen damit verbinden.
Steffen Bilger (CDU), Bundesverkehrsminister
Auch hier bedient sich Bilger bei seinem Vorgänger: Vor gut einem Jahr hatte Patrick Schnieder schon eine ganz ähnliche Idee. Verbessert hat sich seitdem nichts.
Minister soll mit vorhandenen Mitteln auskommen
Was sich jetzt konkret ändern soll: Bilger soll die Milliarden Extra-Schulden aus dem Sondervermögen jetzt effizienter verteilen als noch Schnieder. Der Bundeskanzler habe ihm einen "klaren Auftrag erteilt", so Bilger bei seiner Amtseinführung. "Die für den Verkehr vorhandenen Mittel müssen ankommen."
„Wir brauchen einen pragmatischen, realistischen Blick auf die Verkehrspolitik“, sagt Steffen Bilger (CDU), neuer Bundesverkehrsminister.
29.07.2026 | 6:38 minEs ist einer der ganz wenigen kleinen Stiche des neuen Ministers in Richtung seines Vorgängers. Der soll dem Vernehmen nach auch daran gescheitert sein, dass er sich öffentlich darüber beschwerte, nicht genügend Geld zur Verfügung zu haben.
Nicht umsonst hatte Bundeskanzler Friedrich Merz mit Fritz Güntzler (CDU) eigentlich einen Finanzexperten als Schnieder-Nachfolger vorgesehen. Der sagte aber im letzten Moment ab und der Verkehrspolitiker Bilger bekam den Job.
Verkehrsexperten: Sondervermögen reicht nicht aus
Dass Schnieder mit seinem Ruf nach zusätzlichem Geld aber durchaus Recht gehabt haben könnte, sagen auch Experten: Der ThinkTank "Agora Verkehrswende" sagt auf Anfrage von ZDFheute: "Um die Infrastruktur nachhaltig zu finanzieren, reichen die Mittel aus dem Sondervermögen nicht aus. Sie genügen gerade einmal, um den Rückstand der letzten Jahre aufzuholen." Die Experten sprechen sich unter anderem für eine Pkw-Maut aus.
Bilger wird wohl eher beweisen müssen, dass es auch ohne geht.
Der neu ernannte Bundesverkehrsminister Bilger hat heute einen vollen Terminkalender mit seinen ersten Terminen im Amt. In Bayern warten unter anderem Baubeginne und Verkehrsfreigaben auf ihn.
03.08.2026 | 1:49 minSpitze gegen Klimaaktivisten
Der sorgte unter anderem auch mit einer Aussage über das Niedrigwasser für Aufsehen. "Am Wetter können wir nichts ändern", sagte er nach einem Gespräch mit Vertretern von Schifffahrts- und Industrieunternehmen.
Die Kritik: Hitzewellen wie die aktuelle sind eine Folge des Klimawandels, gegen den man durchaus mehr unternehmen könnte. Besonders der Verkehrssektor hinkt hier den selbst gesteckten Zielen seit Jahren hinterher.
Ich kann Klimaaktivisten, die den Unterschied zwischen Wetter und Klima nicht kennen, nicht so wirklich ernst nehmen.
Steffen Bilger (CDU), Bundesverkehrsminister
Gleichzeitig beteuert der CDU-Politiker, dass er den Umweltschutz auch als Teil einer modernen Verkehrspolitik sieht und das bald mit "konkreten Projekten" untermauern will. Klimaschutz sei für ihn ein "wichtiges Thema", so Bilger. Auch das sagte schon sein Vorgänger. Vergangenes Jahr sind die Emissionen im Verkehrssektor dennoch um 1,5 Prozent gestiegen.
Die neuen Tiefstände in deutschen Flüssen haben starke Folgen für die Wirtschaft. Verkehrsminister Bilger (CDU) berät sich deswegen zusammen mit Vertretern von Industrie und Häfen in Bonn.
06.08.2026 | 1:23 minWas Bilger jetzt anders machen will als sein Vorgänger, ist noch nicht klar. Viel Zeit, um konkret etwas zu verändern, hatte er selbstverständlich auch noch nicht. Mit dem Niedrigwasser und der Drohne am Leipziger Flughafen standen seine ersten zwei Wochen im Zeichen von Krisen.
Von ihm wird erwartet, möglich geräuschlos aber effizient die Milliarden des Sondervermögens zu verteilen. Die nächsten Monate werden zeigen, ob ihm das gelingt.
Lassen Sie sich Beiträge von ZDFheute bevorzugt bei Google anzeigen.
→ Hier ZDFheute als bevorzugte Quelle einstellen.
Mehr zum Thema Verkehr
Rhein-Niedrigwasser bedroht Schifffahrt:Weitere Bundesländer heben Lkw-Fahrverbot an Sonntagen auf
mit Video0:22- Interview
NRW-Verkehrsminister Krischer im ZDF:Wassernot am Rhein: "Die Klimakrise trifft uns volle Pulle"
mit Video13:29 Alle 18 Minuten verunglückte ein Kind:2025 mehr Kinder im Straßenverkehr gestorben
mit Video0:23Trockenheit droht den Rhein zu teilen:Verkehrsminister Bilger warnt vor Verschärfung der Lage
von Johannes Lieber und Dominik Rzepkamit Video0:23