Druck auf Führungsebene steigt:Minister Bilger will Boni für Bahn-Manager an Erfolg koppeln
Der neue Verkehrsminister Bilger kündigt Einschnitte für Bahn-Manager an. Werden Vorgaben des Bundes künftig nicht erreicht, soll sich das auf ihre Bonuszahlungen auswirken.
Wie pünktlich die Deutsche Bahn ist, soll sich in Zukunft auf die Bonuszahlungen an die Bahnmanager auswirken, so Verkehrsminister Bilger. Die bisherigen Pünktlichkeitswerte seien unzureichend.
09.08.2026 | 0:20 minBundesverkehrsminister Steffen Bilger erhöht den Druck auf die Führungsebene der Deutschen Bahn. Als Reaktion auf die hohe Zahl verspäteter Züge und Kritik an Millionenzahlungen kündigte der CDU-Politiker in der "Bild am Sonntag" Konsequenzen bei den Vorstandsgehältern an.
Es wird sich konkret auf die Bonuszahlungen von Bahnmanagern auswirken, wenn die Ziele, die der Bund vorgibt, nicht eingehalten werden.
Steffen Bilger, Verkehrsminister
"Ich finde, da haben die Bahnkunden und Steuerzahler einen Anspruch darauf, dass wirklich der Erfolg gemessen wird", sagte Bilger weiter.
Er wolle zwar ausdrücklich festhalten, dass viele Beschäftigte bei der Bahn "richtig gute Arbeit" leisteten, so der Minister. Wenn das Ergebnis aber nicht zufriedenstellend sei, habe das auch Auswirkungen auf die Bezahlung.
frontal-Recherche: Boni ab 65 Prozent pünktlichen Zügen
Zwar sind die Boni der Bahn-Manager auch jetzt schon an bestimmte Vorgaben gekoppelt. Doch eine frontal-Recherche zeigte, dass die Ausschüttung der Boni bisher nicht zwingend an hervorragende Leistungen geknüpft ist, sondern an sehr bescheidene Ziele.
Die Bahn verspricht den "Neustart" und erklärt in einer Werbekampagne: Wir haben verstanden, jetzt wird alles besser. Aber stimmt das? Schon jetzt ruft der Staatsbetrieb nach weiteren Milliarden.
04.08.2026 | 43:30 minEtwa bei der Pünktlichkeit: In einem Dokument zur "Erfolgsbeteiligung 2025" vom Februar 2026 heißt es, schon für 65 Prozent Pünktlichkeit im Fernverkehr würden erste Bonuszahlungen fällig. Ab 67,5 Prozent Pünktlichkeit gilt das Ziel als zu 100 Prozent erfüllt. Ab 70 Prozent Pünktlichkeit gäbe es sogar 150 Prozent der vereinbarten Boni.
Bilger rechnet nicht mit viel mehr Pünktlichkeit
Der Bund bereitet derzeit eine neue Finanzierungsvereinbarung mit dem Staatskonzern vor, in der genau geregelt wird, wie viele Milliarden für die Schieneninfrastruktur fließen. Diese Gelder sollen künftig an Vorgaben geknüpft werden.
Mit einer erheblichen Besserung der Pünktlichkeit im Fernverkehr rechnet der Minister nicht. "Vereinbart mit der Bahn ist aktuell bis 2029 im Fernverkehr 70 Prozent", sagte Bilger. 100 Prozent werde es "absehbar nicht geben".
Mehr als 40 Prozent der Fernzüge verspätet
Im ersten Halbjahr dieses Jahres waren nur 58,7 Prozent der Fernzüge pünktlich. Das bedeutet bei der Deutschen Bahn, dass die Verspätung maximal fünf Minuten betrug. Zugausfälle werden in dieser Statistik nicht berücksichtigt. Bahnchefin Evelyn Palla hatte für dieses Jahr ein Pünktlichkeitsziel von mindestens 60 Prozent vorgegeben.
Erstmals seit sieben Jahren macht die Deutsche Bahn im ersten Halbjahr Gewinn. Ein Grund: Mehr Pendler lassen wegen hoher Spritpreise das Auto stehen.
30.07.2026 | 1:39 minBilgers Vorstoß stößt innerhalb der schwarz-roten Koalition und in den Ländern auf Zustimmung. "Ich begrüße es ausdrücklich, dass Verkehrsminister Bilger die Bonuszahlungen der Bahn-Manager an die Pünktlichkeit koppeln will", sagte Isabell Cademartori, Obfrau der SPD im Verkehrsausschuss des Bundestages, dem "Tagesspiegel".
Die Menschen erwarten, dass die Bahn zuverlässiger wird. Als Politik stellen wir Rekordinvestitionen für die Infrastruktur zur Verfügung und erwarten, dass sich das auch in der Pünktlichkeit zeigt.
Isabell Cademartori, Obfrau der SPD im Verkehrsausschuss
Auch die Grünen befürworten die Pläne grundsätzlich, fordern zugleich aber deutlich mehr Investitionen in die Schieneninfrastruktur. Grünen-Fraktionsvize Julia Verlinden sagte den Funke-Medien:
Klar erwarten Menschen, dass Bonuszahlungen an Zielerreichungen wie ein verlässlicher Personenverkehr geknüpft sind - allerdings liegt die Ursache für Verspätungen und Zugausfälle vor allem darin, dass seit Jahrzehnten vom Bund viel zu wenig Geld in die Schieneninfrastruktur investiert wurde.
Julia Verlinden, stellvertretende Fraktionsvorsitzende der Grünen
Thüringens Digital- und Infrastrukturminister, Steffen Schütz (BSW), sagte dem "Tagesspiegel", er habe einst als Unternehmer "nur Sonderzahlungen erhalten, wenn Ziele zu 100 Prozent erreicht" wurden. "Bei der DB gelten da andere Maßstäbe." Es sei für Kunden und Bahn-Beschäftigte nicht nachvollziehbar, "dass der DB-Konzernvorstand Ziele viel zu niedrig setzt und dann auch noch deren Unterbietung belohnt".
Die Deutsche Bahn steht vor allem für Verspätungen, Zugausfälle und viel Ärger. Warum bekommt Deutschland seinen Bahnverkehr und das Schienennetz seit Jahren nicht in den Griff?
30.07.2026 | 41:18 minPro-Bahn-Vertreter begrüßt Bonuspläne
Der Ehrenvorsitzende des Fahrgastverbands Pro Bahn, Karl-Peter Naumann, begrüßte Bilgers Pläne ebenfalls. Zugleich forderte er den Bund auf, nicht nur Druck auf den Konzern auszuüben, sondern auch seine eigenen Aufgaben zu erfüllen. So müsse der Bund der Bahn ausreichend Finanzmittel zur Verfügung stellen und deren zielgerichtete Verwendung kontrollieren.
Die Deutsche Bahn äußerte sich auf Nachfrage zunächst nicht.
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