Boni bei der Deutschen Bahn: Viel Geld für niedrige Ziele

Vergütung von Managern:Deutsche Bahn: Niedrige Hürden für hohe Boni

von Anne Höhn, Markus Reichert, Michael Strompen

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Niedrige Ziele bei Pünktlichkeit und Kundenzufriedenheit: ZDF frontal zeigt, wie freigiebig die Bahn Manager-Boni gewährt. Das habe System, kritisiert ein Gewerkschafter.

Ein moderner weißer ICE-Hochgeschwindigkeitszug der Deutschen Bahn fährt auf einer Bahnstrecke durch eine bewaldete Landschaft. Über das digital bearbeitete Bild sind halbtransparente rote und blaue Grafikelemente sowie ein feines grafisches Raster-Overlay gelegt, wodurch ein modernes, redaktionelles Erscheinungsbild entsteht.

Die Bahn verspricht den "Neustart" und erklärt in einer Werbekampagne: Wir haben verstanden, jetzt wird alles besser. Aber stimmt das? Schon jetzt ruft der Staatsbetrieb nach weiteren Milliarden.

04.08.2026 | 43:30 min

Es ist ein Ärgernis für viele Kunden der Deutschen Bahn: Während Züge in vielen Fällen unpünktlich ans Ziel kommen, schüttet der Konzern seinen Managern Boni aus. 2025 kassierten die Bahn-Vorstände Boni von insgesamt knapp drei Millionen Euro - zusätzlich zum Grundgehalt. Laut Geschäftsbericht der Bahn für 2025 erhielt allein Ex-Konzernchef Richard Lutz 570.000 Euro an Bonuszahlungen.

Recherchen von ZDF frontal enthüllen nun, dass die Ausschüttung dabei nicht zwingend an hervorragende Leistungen geknüpft ist, sondern an sehr bescheidene Ziele.

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04.08.2026 | 19:34 min

Bahn-Boni an Pünktlichkeit gekoppelt

Das zeigt sich etwa am Beispiel Pünktlichkeit, einem der wichtigsten Unternehmensziele der Bahn: Das erreichbare Gesamtgehalt des Bahn-Vorstands ist unter anderem an sie gekoppelt. Dies soll einen Anreiz schaffen, besser zu werden. ZDF frontal liegen Details zu den Boni-Regeln vor. Um Bonus-Zahlungen zu bekommen, muss sich die Bahn praktisch kaum verbessern.

In einem Dokument zur "Erfolgsbeteiligung 2025" vom Februar 2026 heißt es: Schon für 65 Prozent Pünktlichkeit im Fernverkehr würden erste Bonuszahlungen fällig. Ab 67,5 Prozent Pünktlichkeit gilt das Ziel als zu 100 Prozent erfüllt. Ab 70 Prozent Pünktlichkeit gäbe es sogar 150 Prozent der vereinbarten Boni.

Tatsächlich waren 2025 aber nur 60,1 Prozent der Fernzüge pünktlich - hier floss also kein Geld. Auch die Ziele für den Regionalverkehr verfehlten die Bahn-Manager knapp. Ab 90 Prozent Pünktlichkeit gäbe es Bonus-Zahlungen. Erreicht wurden 2025 aber nur 89,2 Prozent.

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Kritik von Ex-GDL-Chef Claus Weselsky

Der ehemalige Lokführer und langjährige Gewerkschaftsboss Claus Weselsky beklagt, die Ziele seien viel zu niedrig gesetzt und würden dann auch noch unterboten.

Das hat System. Das hat System zur Befriedung der Führungskräfte, damit sie ihre Tantiemen bekommen.

Claus Weselsky, ehem. Bundesvorsitzender GdL

Dennoch kassierten die Bahn-Manager auch 2025 Bonus-Zahlungen für erreichte Pünktlichkeitsziele. Im Bereich der Schienengütersparte Cargo etwa mussten nur 66,5 Prozent der Züge pünktlich sein, um Geld zu bekommen. Tatsächlich waren 2025 laut der internen Dokumente zu den Boni 67,7 Prozent der Züge pünktlich.

Die Vorstandsvorsitzende der DB AG, Evelyn Palla, rechtfertigte die Boni-Regelungen gegenüber ZDF frontal. Neben der Pünktlichkeit gehe es auch um andere Kriterien, die erreicht werden müssten. In Summe sei ein positiver Wert für die variable Vergütung herausgekommen am Jahresende. "Ich möchte an dieser Stelle aber ganz bewusst nicht von Boni sprechen, sondern von einem variablen Gehaltsbestandteil, der in den allermeisten Fällen auch nicht zu 100 Prozent ausgezahlt wurde." Die Boni abgesegnet hatte der Bund als Eigentümer der Bahn.

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Wie misst die Bahn Kundenzufriedenheit?

Extra Geld sollen Bahn-Manager auch für Kundenzufriedenheit bekommen. Sprich: volle Boni ab Schulnote 2,6 im Fernverkehr. Die Note 3,0 muss mindestens erreicht werden, damit Geld fließt. Und tatsächlich erhält die Bahn für Kundenzufriedenheit die Note 2,6. Auch in den Sparten Regio und Cargo erreichte der Bahn-Vorstand die Ziele für Kundenzufriedenheit.

Auf Nachfrage erklärte die Deutsche Bahn gegenüber Frontal, die Kundenzufriedenheit werde über eine onlinebasierte Messung erhoben. Am Tag nach einer Reise dürften 5.000 zufällig ausgewählte Fahrgäste die Reise bewerten: "Der Mittelwert all dieser Bewertungen ergibt die entsprechende Note. Erhebung, Auswertung und Sicherstellung der Repräsentativität erfolgt über ein unabhängiges Marktforschungsinstitut."

Ginge es nach den einfachen Bahn-Angestellten, behauptet Weselsky, würden die Konzern-Manager überhaupt keine Tantiemen bekommen, "solange sie eine Schlechtleistung haben."

Ich habe die Bahn-Vorstände kommen und gehen sehen. Es wurde immer an dem System gefeilt, zu ihren Gunsten.

Claus Weselsky, ehem. Bundesvorsitzender der GDL

Knapp drei Millionen Euro als variable Vergütung an Bahn-Vorstand

Insgesamt erhielt der Bahn-Vorstand knapp drei Millionen Euro als variable Vergütung zusätzlich zur festen Vergütung. Aber auch mehrere tausend weitere Führungskräfte der Deutschen Bahn erhalten eine variable Vergütung für ähnliche Ziele.

Rainer Bergmann, selbst langjähriger Bahnmanager und heute Ökonom an der Hochschule für Wirtschaft und Recht in Berlin, moniert:

Die Hürden für die Boni sind zu niedrig, das ist wie beim Hochsprung in der Leichtathletik, da hat die Latte einfach zu niedrig gelegen.

Rainer Bergmann, Hochschule für Wirtschaft und Recht in Berlin

Die variable Vergütung bei der Bahn müsse sich an den Zielen des Eigentümers orientieren und nicht an den Zielen des Vorstandes, sagt Bergmann.

Die Bahn verspricht Besserung: Bis Ende 2029 sollen 70 Prozent der Züge pünktlich kommen. Dann wären - sollte die Vereinbarungen zu variablen Vergütungen bestehen bleiben wie bisher - sogar 150 Prozent der Boni fällig.

Ein Zug der Deutschen Bahn fährt vom Hamburger Bahnhof aus nach Bargteheide.

Die Deutsche Bahn will im Regionalverkehr pünktlicher werden. Laut DB Regio-Chef Harmen van Zijderveld wird wieder eine Pünktlichkeitsquote von mehr als 90 Prozent angestrebt.

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Über dieses Thema berichtet ZDF frontal in der Doku "Das Deutsche-Bahn-Desaster" am 04.08.2026 ab 18 Uhr im ZDF-Streaming-Portal und ab 21 Uhr im ZDF.

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