Vorbild bei Unabhängigkeit:Seltene Erden: Warum die ganze Welt nach Japan schaut
von Miriam Steimer, Shimizu (Japan)
Wenn es um seltene Erden geht, essentiell für Computer oder E-Autos, wird immer ein Positivbeispiel genannt: Japan. Warum - und was können wir von Japan lernen?
Um seine Abhängigkeit von China zu verringern, hat Japan ein eigenes Forschungsschiff in den pazifischen Ozean entsendet. Dort soll der Abbau von Seltenen Erden vorbereitet werden.
28.01.2026 | 10:04 minHaribo und Baumkuchen mit Matcha-Geschmack haben sie für den Besuch aus Deutschland vorbereitet. Bei "Daido Steel" in Nagoya, fünf Autostunden westlich von Tokio, sind sie japanisch bescheiden und trotzdem merkt man, wie stolz sie sind, dass sich plötzlich die ganze Welt für ihr Produkt interessiert: starke Industrie-Magnete, die vor allem in den Motoren von Hybrid-Autos verbaut werden.
Das Besondere: Für deren Produktion brauchen sie zwar noch seltene Erden, aber nur leichte, keine schweren seltenen Erden. Der Vorteil: Die bekommen sie über Lieferketten, die Japan unabhängig von China aufgebaut hat. Das macht die Magnete noch begehrter.
China hat ein Quasi-Monopol auf seltene Erden
Denn eigentlich führt beim Thema "seltene Erden" kein Weg an China vorbei. Die Volksrepublik baut weltweit 70 Prozent dieser Metalle ab, die die ganze Welt für Smartphones, E-Autos oder Windräder braucht, verarbeitet sogar 90 Prozent.
China verfügt über ein Quasi-Monopol bei Seltenen Erden: Es baut 70 Prozent dieser Metalle ab und verarbeitet 90 Prozent. Deutschland deckt zwei Drittel seines Bedarfs aus China.
07.12.2025 | 3:02 minDeutschland bezieht zwei Drittel seiner seltenen Erden aus China, obwohl es auch bei uns Vorkommen gibt. Seltene Erden sind gar nicht so selten, wie der Name vermuten lässt, doch mit westlichen Umwelt- und Arbeitsschutzauflagen gelten Abbau und Verarbeitung als unwirtschaftlich. Und vor allem als nicht konkurrenzfähig. Der Westen hat China das dreckige und teure Geschäft gerne überlassen - und muss jetzt mit den Konsequenzen leben.
"Die Anfragen haben dramatisch zugenommen. Seit China im April letzten Jahres Exportbeschränkungen verhängt hat, ist die Zahl stark gestiegen", sagt Daido-Manager Miyawaki Hiroshi.
Einige Kunden fragen nach größeren Mengen und wir produzieren deutlich mehr.
Miyawaki Hiroshi, Daido-Manager
Denn mit globalen Exportbeschränkungen hat Peking im vergangenen Jahr der ganzen Welt gezeigt, dass es diese Rohstoffe als geopolitische Munition nutzt, Ausfuhren politisch dosiert. Japan gilt als weltweites Vorbild in Sachen seltene Erden, weil es geschafft hat, seine Abhängigkeit von China deutlich zu reduzieren.
ZDF-Korrespondentin Miriam Steimer sagt, dass sich der Westen beim Abbau Seltener Erden abhängig von China gemacht habe. Diese Abhängigkeit spiele China politisch aus.
07.12.2025 | 2:20 minDas liegt am "Seltene-Erden-Schock" von 2010. "Vor 15 Jahren hat Japan ein chinesisches Fischerboot in den Gewässern um die Senkaku-Inseln festgesetzt, woraufhin China die Lieferungen von seltenen Erden nach Japan für zwei Monate einstellte", sagt Ishii Shoichi. "Die japanische Regierung hat diese Erfahrung sehr ernst genommen. Denn damals war Japans Versorgung mit seltenen Erden zu mehr als 90 Prozent von China abhängig."
Der 76-jährige Ishii ist der Projektleiter eines Vorhabens, das ein weiteres Puzzleteil auf Japans Weg zum Musterschüler in Sachen seltene Erden ist.
Seltene Erden vom Meeresboden
Das Puzzleteil ist 220 Meter lang und trägt den Namen Chikyu, was übersetzt "Erde" bedeutet. Nach einem lauten Hupen aus dem Schiffshorn legt das Forschungsschiff vom Hafen in Shimizu an Japans Ostküste ab. Auch für die, die schon Hunderte Male in See gestochen sind, ist diese Fahrt besonders. Denn so riesig wie das Schiff ist, das am Fuji - Japans höchstem Berg - vorbeifährt, so groß sind die Hoffnungen, die Japan auf seine Mission setzt.
Lithium ist ein wichtiger Rohstoff für die Energiewende, wird in Europa aber noch selten gefördert. Dies soll sich nun ändern, wenn in Landau eine Anlage zur Förderung der seltenen Erde gebaut wird.
08.12.2025 | 2:03 minEinen Monat lang wird die Crew der Chikyu unterwegs sein, ausgestattet mit Kran, Verbindungsrohren und Tauch-Roboter - für eine besondere Mission: Fast 2.000 Kilometer südöstlich von Tokio, vor der kleinen Koralleninsel Minamitorishima, haben Forscher auf dem Meeresgrund seltene Erden entdeckt. Erstmals weltweit soll das Team der Chikyu herausfinden, wie diese begehrten Rohstoffe, die die ganze Welt für Smartphones, E-Autos oder Windräder braucht, im großen Stil aus 6.000 Metern Tiefe geborgen werden können.
Japan hat seinen China-Schock vor 15 Jahren genutzt, eine unabhängige Lieferkette aufgebaut, in Forschung investiert und will Rohstoffquellen im eigenen Land nutzen. Für den Westen ist Japan so zum Musterschüler in Sachen "seltene Erden" geworden. Ein Musterschüler, der aber nach wie vor zu 60 Prozent von China abhängig ist.
Miriam Steimer ist Korrespondentin und als Studioleiterin des ZDF-Studios Ostasien zuständig für die Berichterstattung u.a. aus China, Japan, Korea und den Philippinen.
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