Militärexperte Lange: Korruptionsaffäre "hat Selenskyj geschadet"

Interview

Sicherheitsexperte im ZDF:Lange: Korruptionsaffäre "hat Selenskyj geschadet"

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Nach dem Rücktritt von Selenskyjs Büroleiter Jermak gelte es, "schnell einen Nachfolger zu finden und wieder Vertrauen aufzubauen", meint Sicherheitsexperte Nico Lange.

Gökdemir-SGS-Lange

Sehen Sie hier das Interview mit Nico Lange in voller Länge.

29.11.2025 | 4:38 min

Er war die rechte Hand des ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj und verhandelte für ihn über den aktuellen US-Plan zur Beendigung des Ukraine-Kriegs: Nun ist Präsidialamtschef Andrij Jermak wegen Korruptionsverdachts zurückgetreten.

Selenskyj kündigte für Samstag Beratungen mit Kandidaten für Jermaks Nachfolge an. Der Fall ereignet sich in einer für die Ukraine schwierigen Zeit: Russland setzt sie militärisch unter Druck und die USA diplomatisch.

Was das für Selenskyj bedeutet und was die Ukraine will, weiß Militärexperte Nico Lange.

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Im ZDF heute journal update erläutert Lange, dass ...

... die Ukrainer keine Korruption mehr wollen

"Die Lage ist ernst", sagt Lange. Der Korruptionsskandal sei "zu einem sehr schlechten Zeitpunkt öffentlich geworden". Das Umfeld des Präsidenten sei direkt betroffen. Mit Andrij Jermak sei ein "enger Vertrauter von Selenskyj" zurückgetreten.

Es ist aber auch ein Zeichen, dass sich die Zivilgesellschaft in der Ukraine nichts gefallen lässt und selbst in so einer Situation gegen Korruption vorgeht.

Wolodymyr Selenskyj, ukrainischer Präsident

Die Ukrainer wollten, dass "keine Korruption mehr stattfindet". Nun sei die Frage für die Ukraine, "wie kann man gegen Korruption kämpfen, demokratisch die Zivilgesellschaft einbringen, gleichzeitig mit Russland und den USA verhandeln und die Streitkräfte im Krieg weiter unterstützen? Das ist eine sehr schwierige Aufgabe", bilanziert der Sicherheitsexperte.

Nahaufnahme von Jermaks reigniertem Gesichtsausdruck

Andrij Jermak, der Büroleiter Selenskyjs und einer seiner engsten Vertrauten, steht unter Korruptionsverdacht. Der Skandal könnte der Ukraine auch außenpolitisch schaden.

28.11.2025 | 1:43 min

... der Korruptionsskandal Selenskyj geschadet habe

Selenskyj selbst war es, der noch vor wenigen Wochen dafür kämpfte, die Befugnisse der Antikorruptionsbehörden einzuschränken. Der ukrainische Präsident rechtfertigte die Autonomie-Einschränkung mit der Bekämpfung russischen Einflusses. Wie dieser genau aussehe, ließ er aber offen.

Die Ereignisse stünden nun in einem anderen Licht.

Das hat Präsident Selensykj auch geschadet.

Nico Lange, Sicherheitsexperte

Auch bei einer möglichen Wiederwahl könnte der Korruptionsskandal Selenskyj "sehr schaden", so Lange. "Jetzt geht es erst mal darum, arbeitsfähig zu bleiben, für die Verhandlungen aufgestellt zu bleiben, schnell einen Ersatz zu finden für Herrn Jermak und Vertrauen wieder aufzubauen."

Nahaufnahme von Jermaks reigniertem Gesichtsausdruck

Die Korruptionskrise in Kiew weitet sich in die höchsten Kreise aus: Nach neuen Durchsuchungen ist Selenskyjs Büroleiter zurückgetreten. Die Affäre wird politisch zum Risiko.

29.11.2025 | 2:03 min

... Jermaks Rücktritt auch eine Chance sein könne

Jermak war Chefverhandler der Ukraine bei US-Gesprächen über Wege hin zu einem Ende des russischen Angriffskriegs und galt als zweitmächtigster Mann in der Ukraine nach Selenskyj. Der Rücktritt des Büroleiters des Präsidenten - die Funktion sei mit unserem Kanzleramtsminister vergleichbar - reiße "natürlich erst mal ein Loch und das wird nicht so einfach sein, das zu ersetzen", betont Lange.

Der Sicherheitsexperte erklärt weiter, "dass man in dieser Position eine Angriffsschwäche bietet, dass man unbeliebt ist, das kommt mit dem Job und Herr Jermak war für viele schon lange als der Bösewicht identifiziert, auch für manche Verhandlungspartner der Ukraine".

Und so könne es "durchaus eine Chance sein, wenn da jetzt jemand anders sitzt, der da frisch rangeht und der vielleicht bei den möglichen Verhandlungspartnern, vor allen Dingen aber bei den Amerikanern, die ja gerade sehr wichtig sind, vielleicht ein besseres Ansehen hat, als das Herr Jermak zuletzt hatte". Nach Langes Einschätzung sei es für Selenskyj nun entscheidend, rasche und klare Entscheidungen zu treffen.

Das Interview führte Nazan Gökdemir, zusammengefasst hat es Katharina Schuster.

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