Russlands Ölexporte gesunken: Wie Kiew russische Häfen lahmlegt

Analyse

Russlands Exporte deutlich gesunken:Wie die Ukraine russische Ölhäfen lahmlegt

von Christian Mölling, András Rácz

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Die russischen Ölhäfen in Ust-Luga und Primorsk sind nach ukrainischen Drohnenangriffen schwer beschädigt. Die Angriffe könnten Russlands Ölförderung drosseln.

Ukraine greift russ. Ölwerfte an

Hohe Energiepreise bringen Russland zusätzliche Einnahmen. Um Moskaus Kriegskasse zu schwächen, attackiert die Ukraine gezielt Raffinerien sowie wichtige Exporthäfen.

26.03.2026 | 1:28 min

Die Ukraine hat Russlands Ölexportkapazitäten schwere Schläge versetzt. Zwischen dem 22. und dem 29. März führte Kiew drei Langstrecken-Drohnenangriffe auf die russischen Ölterminals an der Ostsee durch. Das Ölterminal in Primorsk wurde einmal getroffen, die Anlage in Ust-Luga dreimal. Beide Anlagen erlitten schwere Schäden.

Satellitenbildern zufolge brannten in Ust-Luga 15 große Lagertanks aus, ein Verlade-Pier wurde zerstört und ein weiterer beschädigt. In Primorsk kann bislang die Zerstörung von sieben Lagertanks bestätigt werden.

Putin und ein Tanker

Trotz Sanktionen verdient Russland am Ölexport und finanziert so den Krieg gegen die Ukraine. Mithilfe von Schattentankern wird das Öl über die Meere transportiert.

14.01.2025 | 43:40 min

Allein die Angriffe der letzten Woche haben Russlands Ölexportkapazitäten um etwa 20 Prozent verringert. Nach einer Schätzung der Nachrichtenagentur Reuters könnte der Rückgang sogar bei fast 40 Prozent liegen, wenn man die beschädigte und noch nicht reparierte Druschba-Ölpipeline sowie die beschlagnahmten Tankschiffe hinzurechnet.

Mögliche Auswirkungen auf russische Ölförderung

Der Rückgang ist so erheblich, dass er Russland wahrscheinlich dazu zwingt, auch seine Ölförderung zu drosseln, da das geförderte Öl in den beschädigten Häfen nicht in ausreichender Menge gelagert werden kann. Mit anderen Worten: Die Angriffe haben Folgewirkungen auf den gesamten russischen Ölsektor.

Moskau verfügt kurzfristig über keine Mittel, um die beiden entscheidenden Ölterminals an der Ostsee rasch zu reparieren und anschließend zu schützen.

Ein vom Pressedienst des ukrainischen Außenministeriums zur Verfügung gestelltes Foto zeigt die Hohe Vertreterin der EU für Außen- und Sicherheitspolitik, Kaja Kallas, bei einer gemeinsamen Pressekonferenz mit der ukrainischen Außenministerin Sybiha in Kiew, Ukraine, am 31. März 2026, inmitten der russischen Invasion.

Die EU-Außenbeauftragte Kallas will den wirtschaftlichen Druck auf Russland deutlich erhöhen. Über Öl-Exporte erziele Russland weiterhin Einnahmen, um den Krieg zu finanzieren.

01.04.2026 | 0:24 min

Russland fehlt ausreichender Schutz gegen Drohnen

Russland war offenbar nicht in der Lage, diese beiden entscheidenden Terminals zu schützen. Die Drohnenangriffe der Ukraine haben ein solches Ausmaß erreicht, dass sie die Flugabwehrsysteme überlasten.

Passive Verteidigungsmaßnahmen wie Netze, Barrieren und Betonbarrikaden bieten unterdessen keinen ausreichenden Schutz. Laut einem kürzlich durchgesickerten internen Dokument von Rosneft können passive Verteidigungsmaßnahmen allein die Ölinfrastruktur - die offensichtlich sehr anfällig für Angriffe mit Sprengstoffdrohnen ist - nicht vor wiederholten, groß angelegten Angriffen schützen.

Ukrainische Drohnen stürzten im Baltikum und in Finnland ab

Jedoch schien die russische elektronische Kriegsführung zumindest bis zu einem gewissen Grad weiterhin gegen die anfliegenden Drohnen zu wirken. Während der Angriffe wichen einige ukrainische Drohnen vom beabsichtigten Kurs ab und stürzten auf baltischem und finnischem Gebiet ab.

In Finnland wurden bislang die Wracks von zwei ukrainischen Drohnen gefunden. In Estland traf eine Drohne ein Kraftwerk, richtete jedoch keinen Schaden an, ebenso wenig wie die Drohnen, die in Lettland und Litauen landeten. Die Ukraine räumte das offiziell ein und entschuldigte sich für die Vorfälle.

 Lettland, Kraslava: Trümmerteile hängen an der Absturzstelle einer Drohne in der Vegetation in der Nähe von Kraslava.

Nach estnischen Angaben hat eine russische Drohne das Kraftwerk Auvere getroffen. Es befindet sich im Nordosten Estlands, direkt an der Grenze zu Russland. Schäden oder Verletzte gab es nicht.

25.03.2026 | 0:21 min

Mögliche Fortschritte bei elektronischer Kriegsführung

Zwar wurden sowohl Primorsk als auch Ust-Luga bereits mehrfach angegriffen, doch ein derart groß angelegter Verlust von Drohnen ist bisher noch nicht vorgekommen.

Dies deutet darauf hin, dass Russland wahrscheinlich eine neue Form der elektronischen Kriegsführung eingesetzt hat, der es gelang, die Navigationssysteme zumindest einiger anfliegender ukrainischer Drohnen zu verwirren.

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Weitere Angriffe auf Russlands Ölhäfen zu erwarten

Es ist sehr wahrscheinlich, dass die Ukraine in naher Zukunft neue Angriffe gegen Primorsk und Ust-Luga starten wird, um die zerstörerischen Kollateralschäden zu maximieren.

Kiew müsste dies sehr bald tun, noch bevor Russland in der Lage ist, die Flugabwehrsysteme in der Region vollständig wieder aufzustocken und die beschädigten physischen Verteidigungsanlagen wiederaufzubauen.

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