Massive Gegenangriffe der Ukraine:Attacken aus Kiew: Politische Blamage für den Kreml
von Christian Mölling, András Rácz
Die Ukraine greift Moskau an. Die russische Flugabwehr kann nur wenige Angriffe abwehren. Dieser politische Schaden trifft den Kreml schwer.
Die Ukraine greift Russland mit einer der größten Attacken seit Kriegsbeginn an. Auch Moskau wird getroffen. Über 1.000 Drohnen wurden laut russischen Angaben abgefangen.
17.05.2026 | 2:33 minIn der Nacht und am Morgen des 17. Mai startete die Ukraine den bislang größten Drohnenangriff auf Moskau. Laut ukrainischen Quellen wurden "Hunderte" von Drohnen gestartet, und der Moskauer Bürgermeister Sergei Sobjanin behauptet, man habe mehr als 120 Drohnen abgeschossen.
Ölanlagen und Wohnhäuser in Russland getroffen
In Moskau wurden Kurkino und Chimki am stärksten getroffen, doch auch in anderen Teilen der Stadt gab es Explosionen. Vor allem Wohngebäude wurden beschädigt.
Zudem wurden zwei Ölanlagen in der Region Moskau getroffen: An der Ölpumpstation Solnechnogorskaya wurde ein Öltank direkt getroffen, ein weiterer geriet in Brand. Auch die Ölpumpstation Wolodarskoje wurde getroffen. In den Vororten wurden einige Datschen beschädigt, beispielsweise in Tuchkowo.
Ziel der Luftangriffe der Ukraine tief nach Russland hinein sei die Zerstörung der russischen Öl- und Rüstungsindustrie, so ZDF-Reporter Dara Hassanzadeh aus Kiew.
17.05.2026 | 1:34 minKein Luftalarm - schwache Flugabwehr
Augenzeugenberichten zufolge kamen die Angriffe überraschend, es gab keinerlei Luftalarm. Dies vermittelte vielen Menschen den Eindruck, dass die Hauptstadt unvorbereitet war.
... ist Senior Advisor beim European Policy Centre. Er forscht und publiziert seit über 20 Jahren zu den Themenkomplexen Sicherheit und Verteidigung, Rüstung und Technologie, Stabilisierung und Krisenmanagement. Für ZDFheute analysiert er regelmäßig die militärischen Entwicklungen im Ukraine-Konflikt.
... ist Associate Fellow im Programm Sicherheit und Verteidigung der Deutschen Gesellschaft für Auswärtige Politik (DGAP) in Berlin. Er forscht und publiziert zu Streitkräften in Osteuropa und Russland und hybrider Kriegsführung.
Moskaus Flugabwehr ist offenbar nicht in der Lage, einen Drohnenangriff dieser Größenordnung abzuwehren. Zwar wurden mehrere anfliegende Drohnen abgeschossen oder durch elektronische Abwehrmaßnahmen außer Gefecht gesetzt, dennoch kam es zu zahlreichen Treffern. Bislang gibt es Informationen über drei Tote und Dutzende Verletzte.
Der Angriff ist höchstwahrscheinlich eine direkte Reaktion auf Russlands bislang größten Luftangriff auf die Ukraine, der vom 13. bis 15. Mai stattfand. Nach diesem Angriff deutete die ukrainische Führung offen an, dass sie reagieren würde - und zwei Tage später wurden Moskau und die Region Moskau getroffen.
Kiew erlebt einen der schlimmsten Luftangriffe seit Kriegsbeginn. Russland greift unter anderem mit hunderten Drohnen an. In der Hauptstadt wurde ein Trauertag ausgerufen.
15.05.2026 | 2:20 minPolitischer Schaden wichtiger als der materielle
Der materielle Schaden ist insgesamt nicht erheblich, die politische Wirkung jedoch sehr wohl. Seit dem Zweiten Weltkrieg wurden in Moskau keine Menschen durch feindliche Luftangriffe getötet. Außerdem begann der Angriff in der Nacht und dauerte bis in die Morgenstunden hinein, mehrere Stunden lang - somit wurde jedem Moskauer klar, was vor sich ging.
Diese Größenordnung kann der Kreml vor der Öffentlichkeit nicht mehr verbergen. Die Mainstream-Medien in Russland konnten nicht anders als über den Angriff auf ihren Titelseiten zu berichten.
"Die Fliegerabwehrschutz der Russen wird dünner", sagt Militärexperte Gustav Gressel im ZDF.
15.05.2026 | 5:18 minWelche Reaktionsmöglichkeiten hat Moskau?
Und das wirft die Frage auf, wie der Kreml reagieren wird. Während ein solcher Schlag auf Moskau theoretisch zu einer gegenseitigen Abschreckung führen könnte, sodass die Parteien danach davon absehen würden, die Hauptstadt des jeweils anderen anzugreifen, ist in der Realität eher das Gegenteil zu erwarten.
Deeskalation durch Eskalation ist ein fester Bestandteil des russischen Militärdenkens, und die Radikalen im Umfeld von Präsident Wladimir Putin würden einer Aussetzung oder Reduzierung der Angriffe auf Kiew sicherlich nicht zustimmen.
Stattdessen dürfte Moskau versuchen, Kiew von einer Wiederholung des heutigen Angriffs abzuhalten, indem es konzentriertere, verheerendere Luftangriffe gegen eine der größeren ukrainischen Städte fliegt - nicht unbedingt gegen Kiew. Alles in allem dürfte Russland eine eskalierende Antwort geben.
Putin soll aus Angst vor Attentaten und Putschversuchen viel Zeit in Bunkern verbringen. Und in Russland wächst der Unmut: Die Wirtschaft schwächelt, der Krieg gegen die Ukraine zieht sich hin.
07.05.2026 | 41:45 minWichtiger Hinweis in eigener Sache
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