Keir Starmer am Ende?:Politologe: "Ein Epochenwechsel in der britischen Politik"
von Silas Thelen
Starmer ist angezählt. Ein Rücktritt führe nicht automatisch zum Kurswechsel in der Außenpolitik Großbritanniens, so ein Experte. Innenpolitisch sieht er dagegen einen Umbruch.
Das Gespräch mit Nicolai von Ondarza im Video.
15.05.2026 | 12:30 minSeit 2024 ist Keir Starmer Premierminister des Vereinigten Königreiches - wie lange noch, ist allerdings fraglich. Nach dem Misserfolg seiner Labour-Partei bei Regional- und Kommunalwahlen werden Rücktrittsforderungen aus den eigenen Reihen laut. Ein Minister im Kabinett ist zurückgetreten - über mögliche Nachfolger für Downing Street 10 wird bereits spekuliert.
Starmer scheint angezählt. Im Falle eines Rücktrittes bliebe seine Labour-Partei ohne Neuwahlen jedoch bis 2029 an der Macht. Welche Folgen ein Rücktritt hätte - außenpolitisch und in Großbritannien selbst - analysiert Politikwissenschaftler Nicolai von Ondarza bei ZDFheute live.
Sehen Sie das Interview oben in voller Länge oder lesen Sie es hier in Auszügen.
Was würde ein Rücktritt Starmers für Europa bedeuten?
Ein grundlegender Kurswechsel in der Europa-Politik im Falle eines Rücktritts Starmers scheint zunächst fraglich, erklärt Politikwissenschaftler Nicolai von Ondarza, denn: "Neuwahlen sind die unwahrscheinlichste Variante. Labour wird also weiter regieren." Starmer habe Großbritannien nach dem Brexit wieder näher an die Europäische Union geführt, so der Experte. Nun sei abzuwarten, ob ein möglicher Nachfolger aus der Labour-Partei den Kurs fortführe.
Verlorene Regional- und Kommunalwahlen, innerparteiliche Streitigkeiten: In Großbritannien wächst der Druck auf Premierminister Keir Starmer. Wie es jetzt weitergeht, analysiert ZDFheute live.
15.05.2026 | 29:30 minEiner der möglichen Nachfolger, der Bürgermeister von Greater Manchester Andy Burnham, stehe sogar für einen noch europafreundlicheren Kurs als Starmer, so von Ondarza: "Er wünscht sich, dass in seiner Lebenszeit Großbritannien in die Europäische Union zurückkehrt". Auf der anderen Seite sitze Starmer durch das Erstarken der Rechten in den Regionalwahlen Nigel Farage "im Nacken", der einst prominent für den Brexit warb.
Wie sieht es bei der Ukraine-Unterstützung aus?
In der Ukraine-Unterstützung habe Starmer "sehr eng mit Deutschland und Frankreich zusammengearbeitet", so der Experte. Weil Neuwahlen unwahrscheinlich und ein Regierungswechsel ausgeschlossen seien, seien auch bei der Ukraine-Politik des Landes zunächst "keine großen Sprünge" zu erwarten, so Nicolai von Ondarza. Außerdem gebe es in Großbritannien "einen ziemlichen überparteilichen Konsens, die Ukraine zu unterstützen".
Und so gehe ich sehr, sehr fest davon aus, dass Großbritannien weiter an der Seite der Ukraine stehen wird.
Nicolai von Ondarza, Politikwissenschaftler
Großbritanniens Premier Starmer bangt weiter um seine politische Zukunft. Nach dem Rücktritt des Gesundheitsministers bringen sich andere potentielle Nachfolger in Position.
15.05.2026 | 2:07 minLabours Wahldebakel: Was heißt das für Großbritannien?
Innenpolitisch hingegen sieht Politikwissenschaftler Nicolai von Ondarza einen "Epochenwechsel" nach den Kommunal- und Regionalwahlen: "Labour hat nicht nur Stimmen an die Reform, also die Rechtspopulisten verloren, sondern auch sehr, sehr viele Stimmen an die britischen Grünen, die noch weiter links stehen als die deutschen Grünen."
Das heißt, man verliert Stimmen nach links und rechts und das macht diese Lage für Labour so gefährlich.
Nicolai von Ondarza, Politikwissenschaftler
"Ganz Westminster ist eine Gerüchteküche", sagt ZDF-Korrespondentin Petersen über die Lage für Starmer in Großbritannien.
15.05.2026 | 14:55 minWeder Labour noch die Konservativen Tories hätten bei den Wahlen überzeugen können, so von Ondarza. Daher gelte: "Was wir bei diesen Regional- und Kommunalwahlen gesehen haben, war wirklich so ein Ende des britischen Zwei-Parteien-Systems."
Und das ist wirklich ein Epochenwechsel in der britischen Politik.
Nicolai von Ondarza, Politikwissenschaftler
Nach einer möglichen Ablösung Keir Starmers hätte seine Labour-Partei laut dem Politikwissenschaftler "noch bis 2029 Zeit, die Bevölkerung wieder von sich zu überzeugen. Aber aktuell sieht es eher danach aus, dass sich die britische Bevölkerung von der ganzen politischen Elite abwendet. Auch ein Nachfolger von Keir Starmer wird es hier schwer haben".
Das Interview führte ZDFheute live-Moderator Ralph Szepanski.
Wichtiger Hinweis in eigener Sache
Wer bei Google etwas sucht, bekommt neben den Suchergebnissen auch eine Box mit Schlagzeilen angezeigt.
Mit ZDFheute als hinterlegter Quelle bekommen Sie unsere Inhalte häufiger in die Schlagzeilen-Box gespielt - geprüfte Inhalte, direkt in Ihrem Überblick.
→ Hier ZDFheute als bevorzugte Quelle einstellen.
Mehr zu den Entwicklungen in Großbritannien
Druck auf Premier Starmer wächst weiter:Großbritannien: Gesundheitsminister Streeting tritt zurück
mit Video0:23Britischer Premier unter Druck:Wie lange hält Starmer durch?
Wolf-Christian Ulrich, Londonmit Video2:50Trotz Kritik aus eigener Partei:Großbritannien: Premierminister Starmer lehnt Rücktritt ab
mit Video1:25Botschafter stand mit Epstein in Kontakt:Mandelson-Affäre: Premier Starmer kündigt Untersuchung an
mit Video1:06