Ukraine-Deals mit Golfstaaten:Militärexpertin: USA überhaupt nicht begeistert
Die Abkommen mit den Golfstaaten bieten der Ukraine wirtschaftliche Perspektiven, sagt Militärexpertin Miron im ZDF. Die USA seien von der Partnerschaft aber nicht begeistert.
Die USA seien von der ukrainischen Kooperation am Golf nicht begeistert. Die Ukraine aber müsse neue Möglichkeiten finden, Geld ins Land zu bekommen, analysiert Militärexpertin Miron.
02.04.2026 | 31:59 minDie Erfahrung der Ukraine im Umgang mit Drohnen ist gefragt: Präsident Wolodymyr Selenskyj hat vor dem Hintergrund des Iran-Krieges Luftabwehr-Experten in den Nahen Osten geschickt und mit Katar, Saudi-Arabien und den Vereinigten Arabischen Emiraten bilaterale Abkommen geschlossen. Die Ukraine unterstützt die USA und die Golfstaaten bei der Abwehr iranischer Drohnen.
Die neuen Partnerschaften wirkten sich nicht nur auf den Iran-Krieg, sondern auch auf den Ukraine-Krieg aus, sagt Militärexpertin Marina Miron vom King's College London. Sowohl für die Golfstaaten als auch für die Ukraine gehe es darum, Abhängigkeiten zu reduzieren.
Neue Partner der Ukraine am Golf: Wolodymyr Selenskyj trifft am 28. März 2026 in Doha Emir Tamim bin Hamad Al Thani.
Quelle: ddpBei ZDFheute live spricht die Militärexpertin über die neuen Luftverteidigungs-Abkommen der Ukraine, den Einfluss Russlands in Nahost und erklärt, wieso die USA von den neuen Partnerschaften nicht begeistert sind.
Sehen Sie oben das Interview in voller Länge oder lesen Sie es hier in Auszügen. Das sagt Marina Miron zu ...
... den Abkommen zwischen den Golfstaaten und Kiew
Die Abkommen haben nach Einschätzung Mirons einen politischen Zweck. "Für die Ukraine ist es wichtig, die Abhängigkeit von den Vereinigten Staaten zu reduzieren." Durch die Unterzeichnung der Abkommen mit den Golfstaaten könne Kiew den Einfluss der USA schmälern. Doch auch die ukrainische Wirtschaft profitiere von den neuen Partnerschaften am Persischen Golf.
"Die Ukraine hat natürlich ihre Wirtschaft umgestellt." Viele Firmen konzentrierten sich mittlerweile auf die Produktion von Militärgerät und vor allem Drohnen, so die Expertin. "Die Ukraine braucht natürlich alles, was sie produziert, selbst momentan."
Im Krieg gegen Russland hat die Ukraine billige Abfangdrohnen entwickelt. Nun wittern Hersteller ein Geschäft: Auch die Golfstaaten könnten künftig von der Technologie profitieren.
21.03.2026 | 2:00 minDoch was macht die Ukraine mit all diesen Produzenten, wenn der Krieg vorbei ist? Die Abkommen mit den Golfstaaten sicherten etwa den ukrainischen Absatz von Drohnen über das Ende des russischen Angriffskriegs hinaus, sagt Miron. Daher sei es wichtig, dass die Ukraine weiter in die militärische Forschung investiere und zugleich Einnahmen generiere.
Und die Golfstaaten haben natürlich dieses Geld und können sich vielleicht viel mehr leisten als die europäischen Staaten.
Marina Miron, Militärexpertin
Derzeit hat die Ukraine hohe Schulden und ist von internationaler Hilfe abhängig. Kiew müsse daher nun ausloten, "wer in die Wirtschaft investieren wird". Die Abkommen seien "natürlich auch im Interesse der Golfstaaten", die im Bereich der Luftverteidigung von den USA abhängig seien und kein Interesse an einer Eskalation in der Region hätten.
... der Haltung der Vereinigten Staaten
Die Vereinigten Staaten seien von dieser Kooperation nicht begeistert, erklärt die Expertin. Nicht nur aus wirtschaftlichen, sondern auch aus politischen Gründen, da so weniger Druck auf die Ukraine ausgeübt werden könne.
Zudem schade diese Kooperation der amerikanischen Rüstungsindustrie, weil sie Konkurrenz aus der Ukraine bekomme. Die weitere Entwicklung dieser neuen Kooperationen sei aber nur schwer absehbar, so Miron.
Kiew sorgt sich um Nachschub bei der Luftverteidigung. "Das hat damit zu tun, dass am Golf aktuell sehr viele Flugabwehrraketen des Typs Patriot verwendet werden", so ZDF‑Korrespondent Lessmeister.
11.03.2026 | 2:34 min... Russlands Einfluss im Nahen Osten
Russland sei durch globale Energiefragen und die Öl-Allianz Opec+ mit der Golfregion eng verbunden. Daher sei es unwahrscheinlich, dass die Ukraine den Einfluss Russlands in der Region zurückdrängen kann. "Was dieses Thema angeht, da hat die Ukraine wenig Einfluss."
Deshalb denke ich, dass die Golfstaaten versuchen, sich neutral zu positionieren.
Marina Miron, Militärexpertin
Auch vor dem Krieg positionierten sich die Golfstaaten nicht eindeutig und pflegten gleichzeitig Beziehungen mit Russland und dem Westen. Die Ukraine könne durch die Kooperation aber auch "ihre Narrative in dem Informationsraum teilen." Das sei vielleicht ein Vorteil für die Ukraine, so die Expertin. "Dennoch sehe ich nicht, dass sich diese Länder gleich von Russland abwenden werden."
Das Interview führte Christian Hoch, zusammengefasst hat es Niklas Landmann.
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