Ukraine: Warum die Ukraine Anti-Drohnen-Teams an den Golf schickt

Analyse

Über 200 Spezialisten im Einsatz:Warum die Ukraine Anti-Drohnen-Teams an den Golf schickt

von Christian Mölling und András Rácz

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Ukrainische Anti-Drohnen-Teams sind in der Golfregion im Einsatz. Kiew will so den Einfluss Russlands zurückdrängen - und hofft im Gegenzug auf Patriot-Raketen und Geld.

Drohne, die in der Luft fliegt

Im Krieg gegen Russland hat die Ukraine billige Abfangdrohnen entwickelt. Nun wittern Hersteller ein Geschäft: Auch die Golfstaaten könnten künftig von der Technologie profitieren.

21.03.2026 | 2:00 min

Die Ukraine hat bislang etwas mehr als 200 Spezialisten für Drohnenabwehr in den Nahen Osten entsandt, um bei der Verteidigung von Saudi-Arabien, Katar, den Vereinigten Arabischen Emiraten und Jordanien zu helfen. Ein weiteres Team ist auf dem Weg nach Kuwait. Da es sich hierbei um echte Luftabwehr-Einheiten an der Front handelt, schwächt Kiew seine eigene Landesverteidigung, um anderen zu helfen.

Ukraine erwartet Vorteile durch Hilfe in Golfregion

Dies geschieht natürlich nicht nur aus reiner Hilfsbereitschaft. Die Ukraine erwartet im Gegenzug sehr konkrete politische und materielle Vorteile. Vor allem aber zeigt Kiew durch die Unterstützung wichtiger US-Verbündeter im Nahen Osten auch eine Geste gegenüber Washington, in der Hoffnung, die Unterstützung, die die Ukraine von den Vereinigten Staaten erhält, aufrechtzuerhalten - und im Idealfall sogar zu verstärken. In geringerem Maße und indirekt gilt dies auch für Israel, da das Abschießen iranischer Drohnen auch von Jerusalem begrüßt wird.



Flugabwehrraketen aus Nahost für die Ukraine?

Neben politischen Gefälligkeiten hofft Kiew, von den Ländern des Nahen Ostens auch dringend benötigte Patriot-Raketen zu erhalten. In den ersten Tagen des Krieges gegen Iran feuerten die angegriffenen Länder mehr als 300 (!) Patriot-Raketen gegen iranische Raketen und Drohnen ab - mehr Patriots als die gesamte Menge, die seit 2022 an die Ukraine geliefert wurde.

Die Infografik zeigt das Flugabwehrsystem Patriot. Es erkennt Flugobjekte im Umkreis von 100 Kilometern und kann Raketen abfeuern.


Da Kiew weiß, dass die ölreichen Verbündeten der Vereinigten Staaten im Nahen Osten noch über eine beträchtliche Anzahl von Patriots verfügen, hofft es, so viele davon wie möglich zu erhalten - im Austausch für das Abschießen der anfliegenden iranischen Shahed-Drohnen.

Grafikvideo, das die Kamikaze-Waffe des Iran und seine Weiterentwicklung zeigt.

Shahed-Drohnen stammen aus Iran, wurden von Russland weiterentwickelt und von den USA kopiert. Sie kommen im Ukraine- und im Iran-Krieg zum Einsatz. Das Grafikvideo erklärt die Waffe in 3D.

06.03.2026 | 0:57 min

Kiew hofft auf schnelle finanzielle Hilfe

Während Waffenlieferungen möglicherweise erst nach Beendigung des Kampfes gegen Iran zustande kommen, hofft die Ukraine, auch finanzielle Unterstützung zu erhalten, vorzugsweise fast sofort.

Die USA haben bereits eine beträchtliche Anzahl ukrainischer Abfangdrohnen zu einem sehr großzügigen Preis erworben. Kiew hofft, dass die Staaten des Nahen Ostens noch mehr davon kaufen. Außerdem beabsichtigt die Ukraine, auch Investitionen in die eigenen, heimischen Kapazitäten zum Bau von Abfangdrohnen zu erhalten.

Mehr internationale Sichtbarkeit durch ukrainische Hilfe

Durch diese Maßnahmen gewinnt die Ukraine zudem an internationaler Sichtbarkeit. Seit Beginn des umfassenden russischen Angriffskrieges bemüht sich die Ukraine aktiv um die Unterstützung von Ländern des "globalen Südens", wenn auch mit wechselndem Erfolg.

Nun demonstriert sie jedoch, dass sie auch ein Anbieter von Sicherheit gegen billige, Low-Tech-Angriffsdrohnen aus Iran sein kann - und dies auf weitaus kosteneffizientere Weise als traditionelle Großmächte.

Schaltgespräch zwischen Dominik Lessmeister und Laura Barnick

In Kiew gibt es Sorgen, durch den Iran-Krieg vernachlässigt zu werden. "Das hat damit zu tun, dass am Golf aktuell sehr viele Flugabwehrraketen des Typs Patriot verwendet werden", sagt ZDF‑Korrespondent Dominik Lessmeister.

11.03.2026 | 2:34 min

Ukrainische Strategie: Russischen Einfluss zurückdrängen

Der Einsatz von Anti-Drohnen-Teams im Nahen Osten passt auch in die umfassendere Strategie der Ukraine, russische Interessen auch außerhalb des laufenden Bodenkriegs zu bekämpfen. Die Unterstützung malischer Milizen bei Angriffen auf russische Söldner, Angriffe auf Tanker der "Schattenflotte" in internationalen Gewässern und nun das Abschießen iranischer Drohnen, die ihre Ziele mit Unterstützung des russischen Geheimdienstes finden, fügen sich gut in diese Strategie ein.

Natürlich bleibt abzuwarten, wie effizient diese ukrainischen Anti-Drohnen-Teams gegen die anfliegenden Shaheds arbeiten werden. Zu berücksichtigen sind dabei sowohl die unterschiedlichen Bedingungen im Nahen Osten als auch die Notwendigkeit, dass die ukrainischen Teams ihre Aufgaben in die lokalen Luftabwehrsysteme integrieren müssen.

Präsident Donald Trump

Irans Militärführung hat Berichte über Verhandlungen für ein Ende des Krieges zurückgewiesen. Unterdessen gehen die gegenseitigen Angriffe in der Region unvermindert weiter.

25.03.2026 | 3:00 min

Gute Erfolgsaussichten für ukrainische Teams

Da jedoch Russlands Fähigkeit, komplexe, kombinierte Drohnenangriffe mit massiver elektronischer Kriegsführung durchzuführen, weitaus weiter entwickelt ist als die iranische Fähigkeit dazu, gibt es keinen Grund zu der Annahme, dass ukrainische Luftabwehrteams gegen die Shaheds scheitern würden.

Insgesamt hat die Ukraine durch den Einsatz einer sehr begrenzten Anzahl von Spezialisten für die Drohnenabwehr im Nahen Osten gute Chancen, wichtige militärische und finanzielle Unterstützung von den Ländern zu erhalten, denen sie im Kampf gegen iranische Drohnen hilft.

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