Mehr globale Kriegsschauplätze:Experte: Ukraine-Krieg "immer umfangreicher"
Russlands Offensive in der Ukraine ist durch den Einsatz von Drohnen ins Stocken geraten. Die Ausweitung des Konflikts könne für die Ukraine aber zur Gefahr werden, so ein Experte.
Neue Angriffe im Iran-Krieg verschärfen die Energiekrise. Die Ukraine rüstet sich für neue Offensiven – und wartet weiter auf EU-Milliarden. Die Analyse mit Oberst Reisner bei ZDFheute live.
19.03.2026 | 32:12 minIn der Ukraine haben die russischen Streitkräfte mit ihrer Frühjahrsoffensive begonnen. Während Russland an mehreren Frontabschnitten vorrückt, meldet die Ukraine Geländegewinne im Süden des Landes.
Vorstöße an der Front seien derzeit aber kaum möglich, sagt Oberst Markus Reisner vom österreichischen Bundesheer. Dabei habe vor allem der Einsatz von Drohnen "einen ganz massiven Einfluss auf die Kriegsführung". Truppen, die sich aus der Deckung begeben, würden schnell abgefangen.
Bei ZDFheute live spricht der Militärexperte über die Lage an der Front in der Ukraine, den Einfluss von Kampfdrohnen und erklärt, welche Gefahren die globale Dimension des Konflikts mit sich bringt.
… ist Militäranalytiker, Historiker und aktiver Soldat beim österreichischen Bundesheer. Seit 2024 leitet er das Institut für Offiziersausbildung an der Theresianischen Militärakademie in Wiener Neustadt. Zuvor war er Leiter der Forschungs- und Entwicklungsabteilung.
Zudem ist er Kommandant des österreichischen Gardebataillons. Von 2004 bis 2013 war er Teil einer Spezialeinheit des österreichischen Bundesheeres. In dieser Zeit nahm er an verschiedenen Auslandseinsätzen teil, unter anderem in der Zentralafrikanischen Republik, Tschad, Afghanistan, Bosnien und Herzegowina sowie Kosovo, später auch in Mali.
Sehen Sie oben das Gespräch in voller Länge oder lesen Sie es hier in Auszügen. Das sagt Oberst Reisner zu ...
… der Lage an der Front in der Ukraine
Im südlichen Frontabschnitt in der Region Saporischschja, "wo sich auch das Zentrum der russischen Anstrengungen befindet", habe die Ukraine Geländegewinne erzielt. Die ukrainischen Vorstöße gelangen vor allem, weil die russischen Streitkräfte keinen Zugang mehr zu Starlink haben, nachdem Elon Musk die Kontrolle über die Nutzung des Satellitennetzwerks in der Ukraine verschärft hatte.
In den ersten Tagen habe die Ukraine mehrere Kilometer pro Tag vorrücken können, sagt Reisner. Russlands Armee habe sich aus der Stadt Huliaipole zurückziehen müssen. Mittlerweile sei die Front aber "wieder eingefroren", sagt Reisner.
Wir sehen jetzt in den letzten Tagen punktuell kleinere Vorstöße der Ukraine, die aber von den Russen aufgefangen worden sind.
Markus Reisner, Militärexperte
Ziel von Russlands Frühjahrsoffensive sei es, Angriffe auf die Städte Slowjansk, Kramatorsk und Kostjantyniwka in der Region Donezk vorzubereiten.
Dazu versuchen die Russen im Norden bei Lyman und südlich von Kostjantyniwka, beziehungsweise westlich davon bei Torezk vorzustoßen, um diese Festungen quasi im Rücken zu umfassen und nicht frontal angreifen zu müssen.
Markus Reisner, Militärexperte
Die russischen Vorstöße seien bislang aber "im Drohnenfeuer der ukrainischen Kräfte" liegen geblieben.
Der russische Angriffskrieg bestehe aus mehreren Faktoren, sagt ZDF-Korrespondent Sebastian Ehm. Die Artillerieangriffe, Sturmtrupps und die Drohnenangriffe würden auch ohne Starlink weitergehen.
19.02.2026 | 11:52 min… der Kriegsführung mit Drohnen
Der Einsatz von Drohnen habe in den letzten Jahren immer mehr zugenommen und führe dazu, "dass jeder Angriffsschwung sofort wieder verloren geht", sagt der Militäranalyst.
Das bedeutet, dass keine Seite sich hier wirklich bewegen kann.
Markus Reisner, Militärexperte
"Wir haben also kleine Trupps und Soldaten, die versuchen vorzustoßen und die zum Teil, wenn sie es schaffen, sich dann irgendwo in einem Keller zu verstecken oder Ähnlichem oder dort einzurichten, wiederum von Drohnen versorgt werden", erklärt Reisner. Auf diese Drohnen werde wiederum von anderen Drohnen Jagd gemacht.
Die Ukraine versucht, den Mangel ihrer Soldaten auszugleichen, indem man auch unbemannte Bodensysteme einsetzt. Die versorgen dann die Soldaten oder bringen sogar die Verwundeten zurück.
Markus Reisner, Militärexperte
Die sogenannten Glasfaserdraht-gesteuerten Drohnen dominieren nach Einschätzung des Experten derzeit das Schlachtfeld, da diese nicht gejammt oder gestört werden können. "Das macht es im Moment so schwierig für beide Seiten tatsächlich, wirklich nachhaltig Gelände in Besitz zu nehmen und vor allem dann die neuen Positionen zu versorgen."
Selenskyjs Hilfsangebot an die Golfstaaten zur Drohnenabwehr sei auch ein „diplomatischer Schachzug“, so ZDF-Reporter Lessmeister in Odessa. In über vier Jahren habe die Ukraine viel gelernt.
05.03.2026 | 4:26 min… der globalen Ausweitung des Konflikts
"Wir sehen, dass der Krieg von Jahr zu Jahr immer umfangreicher wird und dass auch die Kriegsschauplätze immer mehr werden", erklärt Reisner. Es handele sich um eine Auseinandersetzung zwischen dem globalen Norden und dem globalen Süden. Mit dem Iran-Krieg sei nun ein weiterer Konfliktraum dazugekommen.
Wir sehen, dass im Hintergrund hier massive Unterstützung passiert. Das ist auch der Grund, warum die Ukraine und Russland immer noch gegeneinander Krieg führen können.
Markus Reisner, Militärexperte
So wie die USA nachrichtendienstliche Aufklärungsdaten mit der Ukraine teilen, versorgen auch Russland und China die iranischen Streitkräfte mit Informationen. "Das verschärft natürlich die Situation."
Die Gefahr besteht natürlich darin, dass es im Hintergrund zu möglichen Absprachen kommt, zu Ungunsten der Ukraine.
Markus Reisner, Militärexperte
So bestehe etwa die Möglichkeit, dass die USA sich mit Russland darauf einigen, keine Informationen an die Ukraine und Iran weiterzugeben, "weil man eben aus diesem Konflikt mit dem Iran herauskommen möchte".
Das Interview führte Victoria Reichelt, zusammengefasst hat es Niklas Landmann.
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