Putins Vorstoß im Ukraine-Krieg:Schröder als Vermittler: Experte sieht "vergiftetes Angebot"
Ein deutscher Altkanzler mit Putin-Nähe als Vermittler in der Ukraine: Warum diese Idee vom Kremlchef von Experten als "vergiftetes Angebot" und als "Schachzug" bezeichnet wird.
Putin schlägt Ex-Kanzler Schröder als Vermittler im Ukraine-Krieg vor - und spricht von einem möglichen Kriegsende. Welche Strategie hinter der Aussage steckt, analysiert ZDFheute live.
10.05.2026 | 21:45 minKann mithilfe von Altkanzler Gerhard Schröder der Ukraine-Krieg beendet werden? Am Wochenende brachte der russische Präsident Wladimir Putin ihn überraschend als möglichen Vermittler ins Spiel - und erwähnte auch mögliche Friedensgespräche.
Was will Putin mit diesem Vorschlag bezwecken? Darüber hat ZDFheute live mit dem ZDF-Korrespondenten für Russland, Armin Coerper, sowie dem Publizisten und Politologen Albrecht von Lucke gesprochen.
Sehen Sie oben die gesamte Sendung im Video oder lesen Sie hier Auszüge aus den Interviews und Gesprächen.
Russlands Präsident Putin spekuliert über ein mögliches Kriegsende. Auch bringt er Altkanzler Schröder als möglichen Vermittler für Gespräche zwischen Moskau und der EU ins Gespräch.
10.05.2026 | 0:25 minWas will Putin mit dem Schröder-Vorschlag erreichen?
Für ZDF-Russland-Korrespondent Coerper ist der Vorschlag, Altkanzler Schröder zum Vermittler im Ukraine-Krieg zu machen, ein "typischer Putinscher Schachzug".
Ich würde nicht davon ausgehen, dass in den nächsten Tagen der deutsche Altkanzler mit den Präsidenten Putin und Selenskyj irgendwo am Tisch sitzt.
Armin Coerper, Russland-Korrespondent des ZDF
Putin blicke vor allem auf US-Präsident Donald Trump, der sich zuletzt verstärkt dem Iran-Krieg gewidmet habe.
Putin will eigentlich Trump im Spiel haben.
Armin Coerper, Russland-Korrespondent des ZDF
Der russische Machthaber wolle eigentlich nur mit Trump verhandeln - und winkte deshalb mit dem Vorschlag Schröder, um Druck aufzubauen. "Schröder kommt Putin wie gerufen", analysiert Coerper, weil er damit einen Europäer als Vermittler ins Spiel bringt.
ZDF-Korrespondent Coerper geht nicht davon aus, dass der Altkanzler bald am Verhandlungstisch sitze. Eigentlich wolle Putin nur mit Trump verhandeln und setze ihn mit dieser Aussage unter Druck.
10.05.2026 | 5:50 minDieser Einschätzung stimmt auch Publizist Albrecht von Lucke zu und drückt es noch drastischer aus. Schröder sei in gewisser Weise ein "vergiftetes Angebot", mit dem Wladimir Putin "schon einen Erfolg gehabt hat: Er hat die deutsche Bundesregierung beziehungsweise Parteienlandschaft gespalten."
Welche Kritik gibt es an Gerhard Schröder?
Von Lucke kann sich nicht vorstellen, dass die Ukraine Schröder als neutralen Verhandler begreifen wird. Der Altkanzler habe zwar wiederholt gesagt, dass der Krieg völkerrechtswidrig ist. "Aber hat im nächsten Atemzug gesagt, wir dürften Russland nicht auf ewig dämonisieren."
Schröder hat sich von der Freundschaft zu Putin nie entscheidend distanziert.
Albrecht von Lucke, Publizist
Von Lucke sieht weder menschlich noch objektiv eine Distanzierung und bezeichnet Schröder als "Mann Putins". Er sei jahrelang nicht nur ein Freund Putins gewesen, sondern "von Putin finanziert". Von Lucke spielt darauf an, dass Schröder nach seiner Kanzlerschaft zum Beispiel Aufsichtsrat des russischen Energiekonzerns Rosneft war.
Deshalb plädiert von Lucke dafür, erstmal die Ukraine zu fragen. Deren Präsident Wolodymyr Selenskyj müsse überlassen werden, "wie er auf diese Angebote reagiert".
Dass die Ukraine Altkanzler Schröder als Vermittler annehmen würde, sei unwahrscheinlich, sagt Publizist Albrecht von Lucke bei ZDFheute live. Schröder sei jahrelang von Putin finanziert worden.
10.05.2026 | 13:40 minWarum deutet Putin ein Ende des Ukraine-Kriegs an?
Am Wochenende sagte Putin zudem, dass der Ukraine-Krieg sich einem Ende neige. Laut Russland-Korrespondent Armin Coerper spüre der Kremlchef genau, "dass zuletzt die Unzufriedenheit in der russischen Bevölkerung stetig steigt". Die Drohnenangriffe aus der Ukraine, das oft ausgeschaltete mobile Internet in größeren Städten wie Moskau: "Das geht den Leuten - gelinde gesagt - ziemlich auf die Nerven."
Zudem strauchelt die Wirtschaft, "auch das merken die Menschen langsam". "Putin will also signalisieren: 'Ich sehe, dass ihr unzufrieden seid' und eine Perspektive in Aussicht stellen."
Das Interview führte Christopher Wehrmann, zusammengefasst wurde es von Robert Meyer.
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