Experte: Noch kein Machtverlust Putins, aber "Pfad ist vorgezeichnet"

Interview

Russland-Experte:Noch kein Machtverlust Putins, aber "Pfad ist vorgezeichnet"

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Keine Panzer, keine Raketen: Putins Militärparade fiel im fünften Jahr des Ukraine-Kriegs kleiner aus. Ein Experte erklärt, was das für seine Macht im Kreml bedeutet.

Russlands Präsident Wladimir Putin mit hohen russischen Befehlshabern des Militärs auf der Militärparade zum Tag des Sieges über Nazi-Deutschland.

Unter hohen Sicherheitsvorkehrungen und in reduzierter Form fand die Militärparade zum Sieg über Nazi‑Deutschland in Moskau statt. Was verrät sie über Russlands Zustand? ZDFheute live analysiert.

09.05.2026 | 23:56 min

Eigentlich ist Russlands Militärparade am "Tag des Sieges" über Nazi-Deutschland am 9. Mai ein wichtiger Propaganda-Tag. Eine Inszenierung von Wladimir Putin als mächtiger Präsident. Wegen der Befürchtung, die Ukraine könne den Roten Platz in Moskau angreifen, fiel sie kleiner aus als üblich - ohne Panzer, ohne Raketen.

Wie steht es um Putins Macht? Das ordnete Alexey Yusupov, Leiter des Russlandprogramms der Friedrich-Ebert-Stiftung, im Interview mit ZDFheute live ein. Das Interview können Sie sich oben in kompletter Länge anschauen - oder es hier in Ausschnitten lesen.

Russische Soldaten stehen in einer Formation vor der Militärparade zum Tag des Sieges in Moskau

Russland feiert mit einer Militärparade in Moskau den Tag des Sieges der Sowjetunion über Nazi-Deutschland. Während der Feier herrscht eine Waffenruhe mit der Ukraine, die die USA vermittelten.

09.05.2026 | 1:57 min

Wie groß ist der Imageschaden für Putin?

Die Lage an der Front sei ähnlich schlecht wie im vergangenen Jahr, sagte Russland-Experte Yusupov. Trotz Vorkehrungen der russischen Behörden bestünden "echte Risiken für das Geschehen". Deshalb sei schon klar gewesen, dass die Parade kleiner ausfallen werde und "sich nicht mehr als das martialische Symbol eignen wird". Die Parade von 2025 - die "große Jubiläumsparade", vergleichbar mit einer royalen Hochzeit im russischen Staatsfernsehen - halte er als Vergleich aber nicht für geeignet.

In einem Gespräch mit dem slowakischen Premierminister Robert Fico habe Putin die Parade als "ruhig, würdevoll und nicht zu militarisiert" bezeichnet. "Damit versucht der Kreml-Herrscher genau dieses Herunterfahren der Parade zu beschreiben", erklärte Yusupov. Doch: "Ein Desaster ist es nicht." So hatte es zum Beispiel Putins früherer Redenschreiber Abbas Galliamov ausgedrückt.

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„Selenskyj hat heute Abend gesagt, er habe dem zugestimmt, weil es um den Austausch von tausend Gefangenen gehe“, so ZDF‑Reporterin Brühl zur angekündigten dreitägigen Waffenruhe.

09.05.2026 | 1:45 min

Warum fiel Putins Parade kleiner aus?

Das habe zwei Gründe. "Zum einen tatsächliche Befürchtungen, dass es einen ukrainischen Angriff geben kann", sagte Yusupov. Man habe in den vergangenen Wochen beobachten können, wie die Sicherheitsbehörden Moskaus ihre Flugabwehrsysteme stärkten und immer wieder das Internet großflächig ausschalteten - ukrainische Drohnen nutzten das Internet für die Navigation.

Das ist auch ein Signal der Schwäche.

Alexey Yusupov, Russland-Experte

Der Kreml sei auf Nummer sicher gegangen. Angesichts vergangener ukrainischer Attacken oder Attentate seien Russlands Sorgen "echt und reell" gewesen - ebenso wie die Risiken.

Zum anderen wäre es laut Yusupov auf Unverständnis gestoßen, wenn man während der "doch recht prekären Lage an der Front" eine "Protzparade" gemacht hätte. "Es gibt viel Kritik im russischen Militär und auch unter ultrapatriotischen Kräften" an den "ganzen Fernsehshows" und diesem "militarisierten Bling-Bling".

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Verliert Putin an Macht?

Von einem Machtverlust des Kreml-Chefs in Russland könne man noch nicht sprechen, sagte Yusupov. Trotzdem sei auf zwei Ebenen versagt worden. Zum einen nannte er das bereits beschriebene Versagen bei der Sicherheit der Parade.

Zum anderen habe Putin die breite Bevölkerung entgegen seiner anfänglichen Versprechen nicht vom Ukraine-Krieg fernhalten können. Zwar verzichte der Kreml auf eine große Mobilisierung, die Menschen sowie Unternehmen würden zum Beispiel durch Steuern indirekt am Krieg beteiligt.

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Putin soll aus Angst vor Attentaten und Putschversuchen viel Zeit in Bunkern verbringen. Und in Russland wächst der Unmut: Die Wirtschaft schwächelt, der Krieg gegen die Ukraine zieht sich hin.

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Aber zum Beispiel das abgeschaltete Internet und die kurze Parade sind für den Experten Hinweise darauf, dass es im fünften Kriegsjahr nicht gelungen ist, "weiterhin so zu tun, als könnte man beides haben: einen Angriffskrieg und eine Normalität für die meisten Menschen im Land".

Wie geht es in Russland weiter?

"Er ist ein alternder Despot", sagte Yusupov über Putin. Bei der Bevölkerung und in den Eliten blieben viele Fragen offen: "Was ist das Ende dieses Krieges? Was ist die Zukunft Russlands Mitte des Jahrhunderts? Wie soll eine Koexistenz mit seinen Nachbarn aussehen?", zählte der Experte auf.

Mit einem Putin, der nicht von seinen Zielen abweiche, sähen viele Menschen unterschiedlicher politischer Ansicht keinen Ausweg. Aktuell gebe es noch keinen Machtverlust, aber der "Pfad ist vorgezeichnet", so Yusupov. Und Umfragen würden zeigen:

Es gibt eine Krisenstimmung.

Alexey Yusupov, Russland-Experte

Die Stimmung drehe sich, je länger der Krieg dauert. Er werde offenbar "nicht an der Front gewonnen", sondern sei "ein Zermürbungskrieg". Beide Seiten würden darauf wetten, dass die andere Seite zuerst nachgibt. Sowohl beide Kriegsparteien als auch die Europäer und Amerikaner "wissen eigentlich, dass es kein militärisches Ende, keinen militärischen Weg aus dem Krieg geben wird".

Das Interview führte ZDFheute-live-Moderator Christian Hoch. Zusammengefasst hat es Robert Meyer.

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Über dieses Thema berichtete ZDFheute live am 09.05.2026 ab 12:30 Uhr.

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