Putins Parade zum 9. Mai: Warum dieses Jahr alles anders wird

Tag des Sieges in Moskau:Warum die Parade zu Putins Problem wird

Sebastian Ehm, ZDF-Korrespondent in Moskau

von Sebastian Ehm

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Panzer. Jets und Soldaten. Für Wladimir Putin war die Parade am 9. Mai immer sehr wichtig. Ein Zeichen der Stärke und Macht Russlands. Doch dieses Jahr ist alles anders.

Flugzeuge verteilen bunte Farbe im Himmel über den Dächern von Moskau

Am 9. Mai feiert Russland den Tag der Befreiung vom Nationalsozialismus traditionell mit einer großen Militär-Parade. Groß ist jedoch die Angst vor ukrainischen Drohnenangriffen.

08.05.2026 | 2:27 min

Auf dem Schild am Triumphbogen des Kutusow-Prospekts steht groß "Heldenstadt Moskau". Es ist der Titel, den die Stadt 1965 verliehen bekommen hat. Für die heroische Verteidigung 1941 und 42 im "Großen Vaterländischen Krieg" gegen die angreifenden Soldaten Nazideutschlands.

Putins Ziel weit entfernt

Dass Russland wieder angegriffen wird, ist die zentrale Narration des Putin-Regimes. Deswegen hatte Russland 2022 die Vollinvasion überhaupt erst begonnen. Um Russland zu schützen, wolle man Kiew einnehmen, die dortige Regierung stürzen und entwaffnen.

Doch im fünften Kriegsjahr scheint Putin sich immer weiter von seinem Ziel zu entfernen. Denn die Ukraine wehrt sich erfolgreich gegen die Invasoren und hat Russland im Bereich der Drohnentechnologie abgehängt. Das hatte in den vergangenen Wochen zur Folge, dass Russland immer heftiger von ukrainischen Drohnen attackiert wurde.

Russland droht Kiew und dem Westen

Das betraf vor allem Raffinerien und Militäreinrichtungen, aber auch die russische Hauptstadt war Ziel dieser Attacken. Nun, kurz vor der Militärparade am 9. Mai, drohte die Ukraine gar mit einem Angriff auf den Roten Platz, weswegen sich das russische Außenministerium genötigt sah, der Ukraine zu drohen. Sollte die Moskauer Parade am Samstag angegriffen werden, werde man einen gewaltigen Schlag auf das Zentrum Kiews durchführen.

Die westlichen Staaten sollten, so die Sprecherin des russischen Außenministeriums Maria Sacharowa, ihre Diplomaten rechtzeitig evakuieren. Wie ernst Moskau die ukrainische Drohung nimmt, und vor allem auch die ukrainische Fähigkeit so etwas durchzuführen, sieht man an der Tatsache, dass dieses Jahr keine Militärtechnik auf dem Roten Platz zu sehen sein wird.

Militärexperte Gustav Gressel steht vor einem Ausschnitt der russischen Militärparade zum 9. Mai.

Aus Sorge vor ukrainischen Angriffen nehmen am 9. Mai nur Fußtruppen an den jährlichen Feierlichkeiten teil. Wie stark Putin unter Druck steht, erklärt Militärexperte Gressel bei ZDFheute live.

07.05.2026 | 37:05 min

Parade sehr wichtig für Putin

Der 9. Mai ist für Wladimir Putin ein fast schon heiliger Tag. Der geschichtsliebende russische Präsident nutzt ihn seit Jahren, um ein Signal von Macht und Stärke in die Welt zu senden. Im vergangenen Jahr zum 80. Jahrestag des Sieges über Hitler waren über 20 Staats- und Regierungschefs in Moskau, unter ihnen der chinesische Präsident Xi Jinping.

Dieses Jahr ist die Liste weit weniger prominent besetzt. Der slowakische Ministerpräsident Robert Fico ist zwar in Moskau, wird aber nicht an der Parade teilnehmen. Neben Wladimir Putin sitzen dann der Präsident von Laos, der Sultan von Malaysia und eine Reihe von Präsidenten russischer Vasallenstaaten wie Abchasien, Südossetien und der Republik Srpska, die international teilweise nicht mal anerkannt sind. Außerdem da, wie immer, Alexander Lukaschenko aus Belarus.

"Parade wird zu Putins persönlichem Problem"

Abbas Galjamow war früher Redenschreiber von Wladimir Putin und kennt den russischen Machthaber gut. Galjamow sagt, die Parade dieses Jahr sei kein kleiner Rückschritt für Putin, sondern ein Desaster. Putin selbst habe über Jahre eine gewisse Erwartung an die Waffenschau geprägt und diese mit seinem Namen verknüpft. "Er selbst ist zu einer Geisel geworden. Die Parade hat lange Zeit für ihn funktioniert, genau wie das Thema Krieg. Jetzt arbeitet beides gegen ihn, sagt Galjamow.

Jedes Problem mit der Parade wird zu Putins persönlichem Problem.

Abbas Galjamow, Politikwissenschaftler

Dass die russischen Geheimdienste und die Armee so in Alarmbereitschaft versetzt wurden, dass 13 Flughäfen in Russland vorsorglich geschlossen und mehrere Paraden in großen Städten gleich ganz abgesagt wurden, sehen nicht wenige Russen als ein Zeichen der Schwäche.

Bojan Pancevski vor dem Kreml

Paranoia oder ernsthafte Bedrohung? Der Kreml fürchtet offenbar ein Attentat auf Präsident Putin. Wie real die Gefahr ist: Investigativ-Journalist Pancevski bei ZDFheute live.

06.05.2026 | 20:41 min

Verschwörung gegen Putin?

Zusätzlich sorgte diese Woche ein Geheimdienstbericht für Furore. CNN und andere Medien zitieren daraus und berichten von einer möglichen Verschwörung russischer Eliten gegen Wladimir Putin. Der britische Russland-Experte Mark Galeotti hält diese Berichte allerdings für bewusst gestreute Fakenews. In seinem Artikel für "The Spectator" erklärt er, dass die "plötzliche Welle von Veröffentlichungen" verdächtig nach einer Operation aussieht, die "Paranoia unter der russischen Elite schüren" soll.

Mit Spannung wird nun die Rede von Wladimir Putin auf dem Roten Platz am Samstag erwartet. Viele Unterstützer des Regimes wollen Antworten. Über die hohen Verluste an der Front, über das abgeschaltete Internet und die schlechte Wirtschaftslage. Doch sehr wahrscheinlich wird der russische Präsident diese Fragen nicht beantworten.

Sebastian Ehm berichtet als Korrespondent über Russland, Zentralasien und den Kaukasus.

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Über dieses Thema berichtete das ZDF Mittagsmagazin am 08.05.2026 um 12:00 Uhr.

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