Biennale Venedig: Proteste nach Zulassung von Russland und Israel

Start der Biennale in Venedig:Kontroversen nach Zulassung von Russland und Israel

von Nani Mann, Rom

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Es ist ein Kulturkampf um die Kunstbiennale in Venedig mit massiven Auswirkungen auf das Festival. Auslöser war die Zulassung Russlands und Israels durch den Biennale-Leiter.

Pussy Riot protestiert auf der Kunstbiennale 2026

Die Biennale von Venedig ist in diesem Jahr zum Kampfplatz für die ungelösten politischen Konflikte unserer Zeit geworden. Katty Salié unterwegs auf der wichtigsten Kunstausstellung der Welt.

08.05.2026 | 45:01 min

Die 61. Kunstbiennale von Venedig spaltet schon vor ihrem offiziellen Beginn am 9. Mai die Gemüter. Zehn Tage vor ihrer Eröffnung trat die internationale Jury geschlossen zurück. Die Eröffnungsveranstaltung mit der traditionellen Verleihung der Goldenen Löwen wurde erstmals seit der Wiedereinführung 1986 abgesagt. Stattdessen wird es zum Ende der Biennale am 22. November sogenannte "Besucher-Löwen" geben, über die erstmals das Festivalpublikum entscheiden soll.

Anlass für den Rücktritt der Jury und Auslöser der Kontroverse ist die erstmalige Zulassung Russlands zur Biennale seit dem Angriffskrieg auf die Ukraine 2022 durch den Festivaldirektor Pietrangelo Buttafuoco. Auch die Teilnahme Israels ist wegen des Krieges in Gaza umstritten. Künstler, Kuratoren und Kulturschaffende fordern den Ausschluss.

Rücktritt der gesamten Jury

Die internationale Jury trat aufgrund des Streits um die Teilnahme von Russland und Israel neun Tage vor Biennale-Beginn überraschend zurück. Die fünf Mitglieder unter Vorsitz der brasilianischen Kunsthistorikerin Oliveria Farks begründeten ihren Rücktritt in einer gemeinsamen Erklärung damit, dass sie keine Länder berücksichtigen werden, gegen deren Staatschefs ein Haftbefehl des Internationalen Strafgerichtshofs vorliegt. Dies ist seit 2023 bei Wladimir Putin wegen des Angriffskrieges auf die Ukraine und seit 2024 bei Benjamin Netanyahu wegen der Vorgehensweise im Gazastreifen aber der Fall.

Neben einem alten Ziegelsteingebäude mit Turm am Wasser ist eine große weiße Skulptur zu sehen, die aus Händen besteht, die sie paarweise an der Hand anfassen.

Die Kunstbiennale in Venedig steckt kurz vor Eröffnung in der Krise. Im Streit um den Umgang mit Russland und Israel trat die Jury zurück. Elke Buhr im Gespräch.

04.05.2026 | 8:30 min

Die Veranstalter der Biennale hingegen verteidigen die Zulassung Russlands mit dem Argument, jedes Land, das Beziehungen zu Italien habe, dürfe teilnehmen.

In Venedig befürworten wir nicht die Waffen, wir bereiten den Frieden vor.

Pietrangelo Buttafuoco, Biennale-Präsident

Meloni hatte Buttafuoco zum Biennale-Präsidenten gemacht

Pietrangelo Buttafuoco wurde 2024 von der rechten Regierung unter Giorgia Meloni zum Biennale-Präsidenten ernannt. Seine Entscheidung, Russland zur Biennale zuzulassen, führte auch zu Spannungen mit der Meloni-Regierung. Diese schickte Inspektoren des Kulturministeriums nach Venedig, um zu prüfen, ob der russische Pavillon, der seit 2022 nicht mehr ausstellen durfte, ähnlich wie Vermögenswerte "eingefroren" werden könne.

Zu sehen sind Francis Ford Coppola und Werner Herzog auf der Eröffnung der Biennale

Rückblick: Viele Stars waren zur Eröffnung der Biennale 2025 vor Ort, im Mittelpunkt stand aber der deutsche Regisseur Werner Herzog, der einen Ehrenpreis erhielt.

28.08.2025 | 1:24 min

Der italienische Kulturminister Alessandro Giuli wirft dem Festival-Direktor vor, er wolle "Neben-Außenpolitik" betreiben und sei damit gescheitert.

Buttafuoco ist Opfer einer pazifistischen Fantasie geworden.

Alessandro Giuli, italienischer Kulturminister

Inzwischen hat auch die EU reagiert und der Biennale zwei Millionen Euro Fördergelder wegen der Teilnahme Russlands gestrichen. Ein Sprecher bestätigte, dass die Kommission die Biennale-Stiftung darüber informiert habe. Man verurteile auf das Schärfste, dass der russische Pavillon wieder öffnen soll.

Aktivistinnen von Pussy Riot protestieren vor Pavillon

Drei Tage vor dem offiziellen Beginn der Biennale gab es vor dem russischen Pavillon auf dem Festivalgelände auch Proteste des international bekannten russischen Künstlerkollektivs Pussy Riot und der 2008 in der Ukraine gegründeten Bewegung Femen. "Russlands Kunst ist Blut", deklamierten die Aktivistinnen. Auch vor dem israelischen Pavillon fanden sich etwa 100 Demonstrierende ein.

Schwarz gekleidete Menschen mit pinkfarbenen Gesichtsmasken protestieren vor einem grünen Gebäude, während eine Menge aus Reportern und Zuschauern, filmt und fotografiert.

Mitglieder von Pussy Riot und Femen haben bei der Biennale von Venedig gegen die Öffnung des russischen Pavillons protestiert.

07.05.2026 | 1:56 min

Die Wellen schlagen hoch um das älteste Kunstfestival der Welt, das in Venedig jetzt offiziell startet und schon im Vorfeld die politischen Kontroversen der Zeit widerspiegelt.

Über dieses Thema berichtete die Sendung aspekte am 08.05.2026 um 23:30 Uhr.

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