Auftritt bei Digitalkonferenz re:publica:Was Merkel zur AfD, Putin und dem Bundespräsidenten-Amt sagt
von Jan Henrich
Die ehemalige Bundeskanzlerin Angela Merkel war auf der Digitalkonferenz re:publica zu Gast. Die Themen dabei: Weltpolitik, die AfD und ihre eigene berufliche Zukunft.
Wie umgehen mit der AfD? Auf der Digitalmesse re:publica fordert Angela Merkel die Parteien in Sachsen-Anhalt dazu auf, das eigene Profil zu schärfen.
18.05.2026 | 0:58 minWer die ehemalige Bundeskanzlerin beim WDR-Europaforum auf der Digitalkonferenz re:publica zu Gesicht bekommen wollte, musste sich früh anstellen. Weit über eine Stunde vor Beginn ihres Auftritts mit dem Titel "Trotz allem: Hoffnung Europa?" waren die Plätze in der Halle 5 des Konferenzgeländes bereits gefüllt. Wer es hineingeschafft hatte, bekam eine unaufgeregte und teilweise zu Scherzen aufgelegte Angela Merkel zu sehen, die vor allem an Grundsätze von Europa und guter politischer Kommunikation erinnerte.
Merkel: Europa solle diplomatisches Potential stärker einbringen
In der Außenpolitik erlebe man gerade, dass das Recht des Stärkeren mehr Bedeutung habe, so Merkel im Gespräch mit ARD-Journalist Markus Preiß. Wer Macht habe, nutze diese aus. Kein europäisches Land allein könne dagegen ankommen. Um so wichtiger sei der Zusammenhalt innerhalb der EU.
Unter dem Motto „Never gonna give you up” steht die diesjährige re:publica: Deutschland will sich beim Thema Verwaltungssoftware unabhängiger von amerikanischen Tech-Konzernen machen.
18.05.2026 | 1:53 minMerkel beobachte allerdings, dass die US-Administration derzeit eine Strategie verfolge, die EU-Institutionen schwächen soll. Das sei früher nicht so gewesen, die USA hätten die Gründung der Europäischen Union lange wohlwollend begleitet. Mit Blick auf Europas Rolle im Ukraine-Krieg warb Merkel für ein stärkeres Engagement auf Ebene der Diplomatie.
Putin zu unterschätzen wäre ein Fehler. Uns nichts zuzutrauen wäre auch ein Fehler.
Angela Merkel, ehemalige Bundeskanzlerin
Die EU könne dabei selbstbewusst auftreten: "Wir sind auch wer", sagte Merkel. Ziel sei eine souveräne Ukraine, die selbst ihre Entscheidungen treffen könne.
Gefragt, ob sie für eine mögliche Vermittler-Rolle zur Verfügung stehe, betonte Merkel, dass dies Menschen machen sollten, die auch selbst Gestaltungsmacht hätten. Sie habe sich 2014 auch nicht vorstellen können, einen Vermittler zu den damaligen Verhandlungen zu schicken. Putin hatte zuletzt den ehemaligen Bundeskanzler Gerhard Schröder für eine solche Rolle ins Gespräch gebracht.
"Die Ablehnung für Schröder als Vermittler war hier durch die Bank", so ZDF-Korrespondent Stamm zur EU-Haltung gegenüber Putins Vorschlag, Schröder als Vermittler einzusetzen.
11.05.2026 | 2:41 minMerkel über AfD: Man muss eine eigene Geschichte erzählen
Mit Blick auf die hohen Umfragewerte der AfD insbesondere in Sachsen-Anhalt mahnte Merkel, dass sich die anderen Parteien weniger über ihre Abgrenzung zur AfD definieren sollten. Man müsse lauter und deutlicher sagen, was man selbst will und eine eigene Geschichte erzählen.
Unsere Demokratie beruht darauf, dass Fakten Fakten sind.
Angela Merkel, ehemalige Bundeskanzlerin
In den Niederlanden habe es funktioniert, der Beliebtheit von Rechtspopulisten dadurch etwas entgegen zu setzen. Grundlage sei aber ein Verständnis für Fakten, dass jeder deutsche Staatsbürger Teil des Volkes ist und gleiche Rechten und Pflichten hat. Die AfD versuche derzeit, den Volksbegriff umzudefinieren.
Manche fühlten sich trotz aller Freiheit nicht ausreichend wahrgenommen, sagt Angela Merkel im ZDF heute journal. Dies sei allerdings "kein Grund, eine menschenverachtende Partei zu wählen, wenn man etwas zu kritisieren hat".
02.10.2025 | 9:44 minBundespräsidentinnen-Amt keine Option für Merkel
Nach ihrer eigenen Zukunft befragt, betonte Merkel, dass sie eine "politische Bürgerin" geblieben sei und sich freue, wenn ihr zugehört werde. Für das Amt der Bundespräsidentin stehe sie nicht zur Verfügung, obwohl Journalisten sie häufig danach fragten. Das Amt brauche jemanden, der mehr Kraft übrig hat, so Merkel. "Ich war 16 Jahre Bundeskanzlerin. Wissen Sie, was das heißt?"
Die re:publica findet dieses Jahr unter dem Motto "Never gonna give you up" statt. Über 1000 Gäste aus Politik, Tech-Welt und Zivilgesellschaft diskutieren drei Tage in Berlin. Bei der Konferenz drehen sich die Themen 2026 insbesondere um den Zustand der Demokratie und um Machtkonzentrationen im digitalen Raum. Neben Angela Merkel haben unter anderem auch die SPD-Vorsitzende Bärbel Bas, Digitalminister Karsten Wildberger (CDU) und der ehemalige Außenminister Joschka Fischer Auftritte.
Die Wahl des neuen Bundespräsidenten ist erst im Januar 2027. Dennoch läuft bereits die Debatte über die Nachfolge von Frank-Walter Steinmeier. CSU-Chef Markus Söder unterstützt Ilse Aigner als Kandidatin.
24.04.2026 | 2:03 minWichtiger Hinweis in eigener Sache
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