Trumps Grönland-Kurs:Jürgen Trittin bei "Lanz": "Strategie des Scheiterns"
von Bernd Bachran
ZDF-Korrespondent Ulf Röller sah bei "Markus Lanz" das transatlantische Vertrauen enden, Grünen-Politiker Jürgen Trittin forderte Worst-Case-Denken.
Sehen Sie hier die Sendung "Markus Lanz" vom 21. Januar 2026 in voller Länge.
22.01.2026 | 45:59 minMit Spannung erwartet: In Davos hat US-Präsident Donald Trump seine umstrittenen Besitzansprüche auf die zu Dänemark gehörende Arktisinsel Grönland bekräftigt und sofortige Verhandlungen über einen Erwerb durch die USA gefordert. Zugleich betonte er in seiner Rede, dass er Grönland nicht mit Gewalt einnehmen wolle.
Nur Stunden später folgte die nächste Wende des US-Präsidenten: Donald Trump will nun doch zum 1. Februar keine Strafzölle gegen Deutschland und andere europäische Länder erheben. Stattdessen teilte er am Mittwochabend auf der Plattform Truth Social mit, dass bei einem Treffen mit Nato-Generalsekretär Mark Rutte der Rahmen für eine künftige Vereinbarung über Grönland beschlossen worden sei.
Es sei ein Rahmenabkommen zu Grönland erzielt worden, so ZDF-Korrespondent Ulf Röller. Daher seien für Trump die Strafzölle hinfällig. Wie dauerhaft, das sei allerdings unklar.
21.01.2026 | 2:12 minUlf Röller: Trump "frisst seine Worte"
Vor Ort in Davos und ins "Markus Lanz"-Studio zugeschaltet war der Leiter des ZDF-Studios Brüssel, Ulf Röller. Welche konkreten Rahmenbedingungen gemeint seien, war zu diesem Zeitpunkt noch unklar. In Trumps erneutem Schwenk erkannte Röller jedoch einen weiteren Schritt hin zum Ende des transatlantischen Verhältnisses.
"Wir haben eine Rede von Donald Trump gehört, wo er wirklich vor der gesamten Weltelite gesagt hat: 'Wir brauchen Grönland. Kein anderes Land kann die Sicherheit von Grönland garantieren.' Aber nur wenige Stunden später könne man sehen, so Röller, "dass er seine Worte frisst und vielleicht einen Rahmenvertrag mit der Nato hat."
Das Gegenteil von dem, was er (kurz zuvor) gesagt hat. Und mit dieser absoluten Unverlässlichkeit ist quasi das transatlantische Verhältnis (…) beendet.
Ulf Röller, Leiter des ZDF-Studios Brüssel
US-Präsident Trump hat bei seiner Rede auf dem Weltwirtschaftsforum in Davos den Anspruch der USA auf Grönland bekräftigt – militärische Gewalt wolle er aber nicht anwenden.
21.01.2026 | 43:50 minDas Glaubwürdigkeitsproblem des US-Präsidenten
ZDF-Auslandskorrespondent Röller sah ein erhebliches Glaubwürdigkeitsproblem beim US-Präsidenten, insbesondere mit Blick auf Sicherheitsgarantien für die Ukraine gegenüber Russland. Für Donnerstag ist ein Treffen zwischen dem ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj und Donald Trump geplant.
Wie will denn Selenskyj, aber auch die Europäer, ansatzweise einem Präsidenten glauben, dass er bereit ist, Sicherheitsgarantien zu erfüllen, wenn dieser innerhalb von wenigen Stunden komplett seine Meinung ändert?
Ulf Röller, Leiter des ZDF-Studios Brüssel
Ulf Röller sprach Donald Trump jede Verlässlichkeit ab und wertete dies als weiteres Zeichen für das Ende der Nachkriegsordnung, wie sie bisher bestand. Diese Tatsache "sei jedem hier im Davos klar geworden."
Röller weiter: "Das hat natürlich große Konsequenzen für Europa, was die Selbstständigkeit angeht, was die Verteidigungsfähigkeit angeht, was jeder Bürger jetzt zusätzlich leisten muss."
Trumps Vorstoß in Richtung Grönland stellt den Westen und die NATO vor eine große Belastungsprobe. Ziehen sich die USA damit endgültig aus ihrer Rolle als führende Macht des Westens zurück?
21.01.2026 | 7:50 minEuropa muss den USA konsequenter entgegentreten
Ein militärisches Eingreifen Amerikas in Grönland scheint vorerst nicht wahrscheinlich. So sah es bei "Markus Lanz" auch Grünen-Politiker und Bundesminister a.D. Jürgen Trittin. Dieser warnte allerdings gleichzeitig davor, Donald Trump nicht ernst zu nehmen.
Wir müssen aufhören, gegenüber Trump immer den schönsten Fall anzunehmen, sondern wir müssen mitdenken, was als Worst-Case eintreten kann.
Jürgen Trittin, Grünen-Politiker
Trittin sagte, dies sei der Unterschied zu der Haltung, die bislang die Politik der Bundesregierung und teilweise auch der EU-Kommission gegenüber den USA geprägt habe. Das bedeute nicht, dass es schon morgen zu einem militärischen Angriff komme. Dennoch müsse man diese Möglichkeit mitdenken.
Es sei die Mischung aus wachsender Kritik aus den USA und die klare Haltung der Europäer gewesen, die bei Donald Trump etwas verändert hätten, so Vizekanzler Lars Klingbeil.
21.01.2026 | 7:09 minAndererseits müssten die Europäer, so Trittin, den Amerikanern jetzt konsequenter entgegentreten.
Ich stimme ausdrücklich zu, dass die Politik des Appeasements, die versucht zu beschwichtigen, nicht zu Rechtssicherheit geführt hat, sondern zu höheren Zöllen, zu Nachforderungen. Diese Strategie (…) ist eine Strategie des Scheiterns gewesen.
Jürgen Trittin, Grünen-Politiker
Der Grünen-Politiker betonte, dass dieses Scheitern nun vorgeführt worden sei. Er nannte als einzig Gutes an diesem Konflikt, dass Europa gezwungen werde, eine rote Linie zu ziehen und dagegenzuhalten. Gleichzeitig zeige sich, dass dies durchaus Wirkung habe.
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