"Lanz"-Debatte: Landen wir im Krieg mit Russland?

"Lanz"-Debatte über Krieg und Frieden:Militärexperte Vad: So landen wir im Krieg mit Russland

von Felix Rappsilber

|

Erich Vad fordert eine diplomatische Initiative des Kanzlers. Er gerät bei "Lanz" mit Roderich Kiesewetter aneinander, der darauf beharrt, nicht über die Ukraine zu verhandeln.

Markus Lanz vom 21. Mai 2026: Markus Lanz, Roderich Kiesewetter, Verena Jackson, Erich Vad

Sehen Sie hier die Sendung "Markus Lanz" vom 21. Mai 2026 in voller Länge.

21.05.2026 | 59:51 min

"Ich würde [dem Kanzler] raten, die Gesprächskanäle dringend wieder aufzunehmen." - Erich Vad, der ehemalige militärische Berater von Angela Merkel, sprach sich bei "Lanz" für den Wiederaufbau diplomatischer Beziehungen mit Russland aus.

Die US-Amerikaner würden seit anderthalb Jahren auf allen Kanälen mit den Russen über eine Friedenslösung in der Ukraine verhandeln. Hingegen sei die deutsche Bundesregierung stolz darauf, "dass wir mit den Russen nicht reden, obwohl wir ein Land in der Mitte Europas sind, was auch massiv betroffen ist".

Unter allen Kanzlern, bei Merkel natürlich auch, hatten wir heiße Drähte in den Kreml.

Erich Vad, Militärexperte

SGS-Stamm-Hayali

Für einen Ukraine-Beitritt zur EU brauche es Einstimmigkeit der Mitglieder, da gebe es "Glatteis-Gefahr", so ZDF-Experte Stamm. Merz hatte einen Sonderstatus vorgeschlagen.

21.05.2026 | 1:29 min

Vad: Härte und Dialog zugleich

Der ehemalige Brigadegeneral der Bundeswehr erinnerte an den Kalten Krieg: "Die Nato hat immer auf Stärke gesetzt - und Interessensausgleich, Dialog, (...) vor allen Dingen Abrüstung, Rüstungskontrolle."

Dieses Vorgehen sei "auch heute sehr, sehr wichtig". Einerseits müsse die Nato eine "harte Gangart" fahren. Gleichzeitig müsse man schauen, "wo wir damit am Ende landen":

Als Militärexperte treibt mich das um: Wir werden, wenn wir so weitermachen, in einem Krieg mit Russland landen.

Erich Vad, Militärexperte

80. Sitzung des Deutschen Bundestages am 21.05.2026 im Plenarsaal des Reichstagsgebaeudes in Berlin

Mit einem Brief an die EU-Führung hat Bundeskanzler Merz eine „assoziierte Mitgliedschaft“ für die Ukraine gefordert. Der Sonderstatus soll auch ein politisches Signal senden.

21.05.2026 | 1:45 min

Kiesewetter: Bundesregierung kann nicht Verhandler sein

CDU-Politiker Roderich Kiesewetter widersprach entschieden: "Das Leid der Menschen in der Ukraine und das internationale Recht dürfen nicht ausgespielt werden gegen irgendwelche Ausgleichslösungen." Er verteidigte Friedrich Merz:

Die Bundesregierung steht an der Seite der Ukraine. Deswegen kann die Bundesregierung nicht Verhandler sein zwischen Russland und der Ukraine.

Roderich Kiesewetter, CDU

Deutschland müsse alles dafür tun, dass die Ukraine eine "Chance auf Selbstbestimmung" habe und nicht "Teil dieses Russlands wird".

Kiesewetter erklärt, er habe vor vier Wochen mit Menschen in der Ukraine gesprochen: "Diese sagen: 'Wir werden vom Westen nicht so unterstützt, dass wir Gebiete zurückgewinnen können. Aber warum werden immer Forderungen an uns Ukrainer gestellt, dass wir Gebiete abtreten, dass wir einlenken müssen, dass wir für einen Ausgleich sorgen müssen (...)?'"

Metin Hakverdi

Peking inszeniert sich bei Putins Besuch als Zentrum der Weltdiplomatie. "Russland ist ein Juniorpartner, der die Hilfe Chinas braucht – ökonomisch und für den Krieg in der Ukraine" - Metin Hakverdi, Transatlantik-Koordinator der Bundesregierung.

19.05.2026 | 4:35 min

Vad: München Teil russischer Zielplanung

Die Briten hatten die Lieferung von 120.000 Kampfdrohnen an die Ukraine angekündigt, die Militärschläge tief ins russische Hinterland durchführen können. Vad erklärte: "Die Russen haben reagiert und festgestellt: An den Drohnen arbeiten auch (...) deutsche Firmen. Die haben schon Namen genannt - München ist zum Beispiel ein Hotspot der Rüstungsindustrie - und haben gesagt: Die kommen jetzt auch bei uns in die Zielplanung."

Der Generalinspekteur der Bundeswehr hatte davor gewarnt, dass Russland die Nato spätestens 2029 militärisch testen könnte. Vad warnte: "Das geht eher los, wenn wir so weitermachen."

Die russische Reaktion auf Angriffe in der Tiefe Russlands (...) wird nicht nur die Ukraine betreffen. Es kommt der Tag, wo sie Vergeltungsschläge auf Europa, auf Deutschland durchführen.

Erich Vad, Militärexperte

Militärexperte Fabian Hoffmann. Im Hintergund ist eine Landkarte, auf der die Ukraine und Russland farbig markiert sind.

Wie konnte die Ukraine die Region um die russische Hauptstadt Moskau mit hunderten Drohnen angreifen? Und welche Folgen haben die ukrainischen Erfolge für den Krieg? ZDFheute live analysiert.

21.05.2026 | 35:52 min

Vad: Europäer in Verhandlungen einklinken

Dass Europa nicht an den Friedensverhandlungen beteiligt sei, bezeichnete Vad als "unerträglich": "Da ist ein ehemaliger Immobilienmakler mit dem Schwiegersohn des amerikanischen Präsidenten, die über unsere Köpfe hinweg verhandeln, über unser Schicksal."

Die laufenden Verhandlungen der US-Regierung würden uns eine Chance bieten, "wo wir uns als Europäer einklinken könnten". Donald Trump wolle den Ausgleich mit Putin, um Russland aus dem Bündnis mit China zu lösen. Vad plädierte für eine deutsche Initiative: "Eigentlich muss es der deutsche Kanzler sein, weil Deutschland schon eine zentrale Macht in Europa ist."

Wladimir Putin und Xi Jinping in China

Der russische Präsident Putin ist auf Staatsbesuch in China. Es geht dabei um weitere russische Öl-Lieferungen. Das dürfte Putins Kriegskasse gegen die Ukraine unterstützen.

20.05.2026 | 3:03 min

Kiesewetter: Ukraine muss gestärkt werden

Kiesewetter stimmte in einem Punkt zu: "Unser Gedanke muss sein (...), dass wir einen europäischen Sitz in möglichen Verhandlungen haben."

Dabei gebe es eine "deutsche Aufgabe": "Der Kanzler muss alles dafür tun, dass die Europäische Union an der Seite der Ukraine sitzt, dass eine Kaja Kallas oder eine Frau von der Leyen dabei sitzt, die Ukraine zu unterstützen, dass sie nicht unter die Räder von Witkoff, von Trump und von Putin gerät."

Wir verhandeln nicht über die Ukraine. Die Ukraine muss gestärkt werden, dass Russland aus der Ukraine abzieht.

Roderich Kiesewetter, CDU

Vad wandte sich an Kiesewetter: "Sie wären ein super ukrainischer Verteidigungsminister und Sie sind nicht korrupt. Sie sehen alles nur unter der ukrainischen Sicht."

Er wurde laut: "Ich will aus deutscher Sicht keinen Krieg in Deutschland haben. (...) Wir sind Aufmarsch-Gebiet der Nato, logistische Drehscheibe der Nato. Wenn es einen europäischen Krieg gibt, läuft der in unserem Land."

Wichtiger Hinweis in eigener Sache

Wer bei Google etwas sucht, bekommt neben den Suchergebnissen auch eine Box mit Schlagzeilen angezeigt.

Mit ZDFheute als hinterlegter Quelle bekommen Sie unsere Inhalte häufiger in die Schlagzeilen-Box gespielt - geprüfte Inhalte, direkt in Ihrem Überblick.

→ Hier ZDFheute als bevorzugte Quelle einstellen


Aktuelle Meldungen zu Russlands Angriff auf die Ukraine finden Sie jederzeit in unserem Liveblog:

Russland greift die Ukraine an
:Aktuelles zum Krieg in der Ukraine

Seit Februar 2022 führt Russland einen Angriffskrieg gegen die Ukraine, die Kämpfe dauern an. Alle Entwicklungen und Ukraine-News im Liveticker.
14.05.2026, Ukraine, Kiew: Rettungskräfte beseitigen die Trümmer eines Hauses, das nach einem russischen Angriff auf ein Wohnviertel schwer beschädigt wurde.
Liveblog
Über dieses Thema berichtete "Markus Lanz" am 21.05.2026 ab 22:45 Uhr.

Aktuelle Nachrichten zur Ukraine