Junge "als Köder benutzt":US-Einwanderungsbehörde nimmt Fünfjährigen in Gewahrsam
Sie sollen einen "Fünfjährigen als Köder benutzt" haben: Bei einem ICE-Einsatz in Minnesota ist ein Junge in Gewahrsam genommen worden. US-Vize Vance verteidigte das Vorgehen.
Die US-Einwanderungsbehörde ICE hat in Minneapolis einen fünfjährigen Jungen in eine Hafteinrichtung für Migranten in Texas gebracht. US-Vizepräsident Vance verteidigte das Vorgehen.
23.01.2026 | 0:26 minBundesbeamte der US-Einwanderungsbehörde ICE haben in Minneapolis im US-Bundesstaat Minnesota einen fünf Jahre alten Jungen mit seinem Vater in Gewahrsam genommen. Nach Angaben von Schulvertretern des Fünfjährigen gegenüber US-Medien wurden Kind und Vater am Dienstag in der Einfahrt ihres Wohnhauses abgeführt, nachdem der Junge von der Vorschule nach Hause gebracht worden war.
Vater und Sohn befinden sich inzwischen in einer ICE-Einrichtung für Familien im US-Bundesstaat Texas, wie die "Washington Post" und der Sender CNN berichteten.
Heimatschutzministerium weist Anschuldigungen zurück
Der Junge sei gerade von der Vorschule heimgebracht worden, als er in der Einfahrt des Familienhauses in Columbia Heights aus einem Auto mit laufendem Motor geholt worden sei, sagte Zena Stenvik, die leitende Verwaltungsbeamte des örtlichen Schulbezirks. Daraufhin hätten die Beamten den Jungen aufgefordert, an die Haustür zu klopfen, um zu sehen, ob sich noch andere Personen in dem Anwesen befänden.
Im Grunde haben sie einen Fünfjährigen als Köder benutzt.
Zena Stenvik, leitende Verwaltungsbeamte des örtlichen Schulbezirks
Der Vater habe der Mutter des Kindes, die im Haus gewesen sei, noch zugerufen, nicht die Tür zu öffnen. Die ICE-Agenten hätten Bitten abgelehnt, den Jungen in die Obhut einer anderen erwachsenen Person im Haushalt oder einer Vertreterin des Schulbezirks zu geben.
Nach dem Tod einer Mutter in Minnesota durch einen ICE-Beamten steigt der Widerstand gegen Trumps Abschiebepolitik. Zehntausende Menschen sitzen in Abschiebezentren der Einwanderungsbehörde.
21.01.2026 | 13:28 minDas Heimatschutzministerium weist zurück, dass das Kind im Fokus des ICE-Einsatzes gestanden habe. Im Visier sei dessen Vater gewesen, ein "illegaler Ausländer" aus Ecuador, teilte das Ministerium auf der Plattform X mit. Als Beamte sich dem Mann näherten, der ein Auto fuhr, sei er zu Fuß geflohen und habe sein Kind zurückgelassen.
J.D. Vance verteidigt ICE-Einsatz
Eine Darstellung, die auch US-Vizepräsident J.D. Vance bei einem Besuch in Minneapolis teilte. Er sei zunächst selbst fassungslos gewesen, habe seine Meinung aber geändert, als er erfahren habe, dass der Vater des Kindes vor den ICE-Beamten geflohen sei. "Die Geschichte lautet also, dass die Einwanderungsbehörde einen Fünfjährigen in Gewahrsam genommen hat", sagte Vance.
Aber was hätten sie tun sollen? Hätten sie einen Fünfjährigen erfrieren lassen sollen?
J. D. Vance, US-Vizepräsident
Die US-Einwanderungsbehörde ICE wird auch im Bundesstaat Maine eingesetzt. Laut Anordnung soll das gewaltsame Eindringen in Wohnhäuser ohne richterlichen Durchsuchungsbefehl möglich sein.
22.01.2026 | 0:25 minDas Heimatschutzministerium verwies zudem darauf, dass Eltern gefragt würden, ob sie mit ihren Kindern abgeschoben werden wollten. Alternativ würden die Kinder zu einer von den Eltern benannten vertrauenswürdigen Person gebracht - das sei der Standard in der Migrationspolitik.
Warum die ICE-Beamten das Kind nicht bei dem Erwachsenen ließen, der darum nach Darstellung der Schulvertreter gebeten hatte, war zunächst unklar.
Die Tötung einer Frau durch einen ICE-Agenten löste in den USA Proteste aus. Wie viel Macht hat die Einwanderungsbehörde? Und wie gefährlich sind die Proteste für Trump? ZDFheute live analysiert.
10.01.2026 | 27:51 minAnwalt der Familie: "Einfach nur grausam"
Nach Angaben eines mit dem Fall vertrauten Anwalts hatte die Familie im Dezember 2024 an einem offiziellen Grenzübergang Asyl beantragt. Ein Abschiebebeschluss habe nicht vorgelegen. "Bei jedem Schritt ihres Einwanderungsprozesses haben sie getan, was von ihnen verlangt wurde … das ist also einfach nur grausam", so der Anwalt gegenüber der "Washington Post".
Der Fall ist Teil mehrerer Einsätze in dem Schulbezirk: Nach Angaben der Behördenvertreter in US-Medien wurden in den vergangenen zwei Wochen mindestens drei weitere minderjährige Schüler durch Einwanderungsbeamte in Gewahrsam genommen. Schulvertreter sprachen von wachsender Verunsicherung und Angst unter Schülern und Eltern.
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