Einsatz der US-Einwanderungsbehörde :ICE-Beamter erschießt Frau in Minneapolis
Ein ICE-Agent hat in der US-Großstadt Minneapolis eine Frau in ihrem Auto erschossen. Das Heimatschutzministerium und der Präsident sprechen von "Notwehr". Die Stadt widerspricht.
Nach tödlichen Schüssen von US-Einwanderungsbeamten in Minneapolis rechtfertigt Präsident Trump das Vorgehen der Behörde ICE. Kritik an Einsatz und Gewalt wächst.
08.01.2026 | 2:34 minEin Beamter der US-Einwanderungsbehörde ICE hat nach offiziellen Angaben am Mittwoch in Minneapolis eine Frau erschossen. Nach Angaben der Polizei befand sich die 37-Jährige in ihrem Fahrzeug und blockierte eine Straße, als sich ein ICE-Beamter zu Fuß näherte. Das Auto setzte sich demnach in Bewegung, woraufhin mindestens zwei Schüsse fielen. Die Frau habe eine Kopfverletzung erlitten und sei im Krankenhaus für tot erklärt worden.
ZDF-USA-Korrespondent Elmar Theveßen zur Beschlagnahmung der Öltanker und die Erschießung einer Frau durch einen ICE-Beamten in den USA.
08.01.2026 | 2:47 minTrump: Videoaufnahmen deuten auf Selbstverteidigung hin
Die Sprecherin des Heimatschutzministeriums, Tricia McLaughlin, teilte mit, das Opfer habe bei einer Razzia gegen Einwanderer versucht, Beamte der Behörde mit ihrem Fahrzeug zu rammen.
Das Opfer erlitt eine Kopfverletzung.
Quelle: AFPAuch US-Präsident Donald Trump verteidigte den Schützen. In einem Beitrag auf seiner Onlineplattform Truth Social erklärte Trump, Videoaufnahmen deuteten auf Selbstverteidigung hin. Zugleich machte er eine "radikale linke Gewalt- und Hass-Bewegung" für die Eskalation verantwortlich, die Sicherheitskräfte und ICE-Beamte täglich bedrohe und angreife.
ICE steht für "Immigration and Customs Enforcement". Das ist eine US-Bundesbehörde, die für Einwanderungs- und Grenzkontrollangelegenheiten zuständig ist. Sie läuft unter dem Dach des Heimatschutzministeriums.
Die Behörde befasst sich unter anderem mit der Abschiebung von Personen, die illegal im Land sind, aber auch mit Untersuchungen von Einwanderungsverstößen und dem Grenzschutz.
Die Kritik: ICE führt groß angelegte Razzien durch, bei denen auch nicht-kriminelle Menschen ohne Aufenthaltsstatus verhaftet und abgeschoben werden. Viele dieser Personen leben seit Jahren in den USA, arbeiten dort, zahlen Steuern und haben Familien.
Trump schrieb, die Frau habe mit ihrem Fahrzeug einen ICE-Beamten "gewaltsam und vorsätzlich" angegriffen. Der Beamte habe in einer lebensbedrohlichen Situation gehandelt und befinde sich inzwischen zur Erholung im Krankenhaus. US-Heimatschutzministerin Kristi Noem hatte zuvor auf einer Pressekonferenz in Texas ebenfalls von einem "defensiven" Schusswaffeneinsatz zum Schutz der Beamten und Unbeteiligter gesprochen.
Quelle: ZDF
Weißes Haus bezeichnet Bürgermeister als "Dreckskerl"
Bürgermeister Jacob Frey wies die Darstellung der ICE zurück, der Beamte habe in Notwehr geschossen.
Nachdem ich das Video selbst gesehen habe, möchte ich allen direkt sagen, dass das Blödsinn ist.
Jacob Frey, Bürgermeister von Minneapolis
Der ICE-Beamte habe rücksichtslos gehandelt. Das Weiße Haus bezeichnete den Bürgermeister von Minneapolis wegen dessen Äußerungen derweil als "Dreckskerl".
Nach dem tödlichem ICE-Einsatz in Minneapolis fordert Bürgermeister Jacob Frey die Beamten der Einwanderungsbehörde auf, die Stadt zu verlassen.
08.01.2026 | 1:06 minDer Gouverneur von Minnesota, Tim Walz, forderte die Öffentlichkeit zur Ruhe auf, während eine Untersuchung des Vorfalls laufe. Er attackierte Trump:
Was wir hier sehen, sind die Folgen einer Regierungsführung, die darauf ausgelegt ist, Angst, Schlagzeilen und Konflikt zu erzeugen.
Tim Walz, Gouverneur des Bundesstaates Minnesota
Diese Rücksichtslosigkeit habe jemanden das Leben gekostet.
In den USA haben sich laut Veranstaltern rund sieben Millionen Menschen an Protesten gegen Präsident Trump beteiligt. Unter dem Motto "No Kings" gab es im ganzen Land Kundgebungen.
19.10.2025 | 0:25 minDemonstration am Tatort
Nach den Schüssen versammelten sich zahlreiche Demonstrierende am Tatort und machten ihrem Ärger über die dort anwesenden Beamten Luft. Eine ICE-Operation in Minneapolis und St. Paul, an der nach Angaben des Heimatschutzministeriums mehr als 2.000 Bundesbeamte beteiligt sind, läuft seit mehreren Tagen. Ziel der Einsätze sind demnach Ermittlungen im Zusammenhang mit mutmaßlichem Betrug, unter anderem im Umfeld der somalischen Community.
Demonstranten riefen unter anderem: "Schande, Schande, Schande", und forderten: "ICE raus aus Minnesota!"
Quelle: AFPSeit Trumps Amtsantritt im Januar nehmen ICE-Beamte im ganzen Land Razzien vor. Der Einsatz schwer bewaffneter, maskierter ICE-Beamter an öffentlichen Orten gegen mutmaßlich illegale Einwanderer löste eine erbitterte Debatte in den USA aus.
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