Beratungen in Brüssel:"Kontroverse" Debatte: EU-Haushaltsverhandlungen vertagt
Der neue EU-Haushalt könnte fast zwei Billionen Euro umfassen - darüber wurde in Brüssel heftig diskutiert. Eine Einigung gab es nicht, die Verhandlungen wurden vertagt.
Deutschland und weitere EU-Länder wollen den Haushalt kürzen, doch die Mehrheit der Mitgliedstaaten lehnt das ab. Eine Einigung könnte sich noch hinziehen.
16.10.2026 | 2:25 minNach stundenlanger, heftiger Diskussion haben die Staats- und Regierungschefs der EU ihre Verhandlungen über den nächsten Sieben-Jahre-Haushalt der EU ohne Ergebnis vertagt. Bei der "kontroversen" Debatte am Donnerstag in Brüssel seien die unterschiedlichen Positionen aufeinandergetroffen, verlautete aus deutschen Regierungskreisen.
Streit um künftigen billionenschweren EU-Haushalt
Die Positionen waren bereits vor dem Gipfel klar: Auf der einen Seite die Länder, die ein größeres Budget fordern, und auf der anderen Seite die, die zu Sparsamkeit mahnen. Neben Deutschland zählen auch Österreich, Schweden, Dänemark, die Niederlande und Finnland zu den Sparsamen.
Die EU-Kommission hatte im Sommer einen Entwurf in Höhe von fast zwei Billionen Euro vorgelegt. Die irische Ratspräsidentschaft präsentierte am Wochenende ihren Vorschlag, der im Vergleich zur Kommission Kürzungen in Höhe von rund 140 Milliarden Euro vorsieht. Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) rief vor Beginn des Gipfels dazu auf, den Vorschlag der EU-Kommission für den Haushalt "deutlich" zu reduzieren.
Beim EU-Gipfel in Brüssel ist noch kein Kompromiss zum künftigen EU-Haushalt in Sicht. Kanzler Merz und weitere Länder fordern Kürzungen, andere Staaten lehnen diese ab.
16.10.2026 | 2:01 minBei der Debatte am Donnerstag zeigten sich die Befürworter eines "ambitionierten" Budgets nicht einverstanden mit den Kürzungsvorschlägen. Für die "Sparsamen" bezog der niederländische Ministerpräsident Rob Jetten Position.
Frankreich setzt in den Verhandlungen vor allem auf neue EU-weite Abgaben, um den Haushalt aufzustocken, ohne die Mitgliedsbeiträge zu erhöhen. Paris verweist unter anderem auf Vorschläge des EU-Parlaments, das Abgaben auf digitale Dienstleistungen, Krypto-Vermögenswerte und Online-Glücksspiele vorschlug.
Österreichischer Kanzler: "Es geht ja nicht um Kürzungen"
Österreichs Bundeskanzler Christian Stocker sagte am Freitagmorgen im ZDF-Morgenmagazin:
Wir haben den Standpunkt, dass wenn alle nationalen Budgets unter Spardruck stehen, wenn wir uns alle nach der Decke strecken müssen, dann kann das für Europa nicht nicht gelten.
Christian Stocker, österreichischer Bundeskanzler
Es werde "mehr Geld geben", sagte Stocker weiter. "Es geht ja nicht um Kürzungen, sondern es geht immer um Erhöhungen - nur das Ausmaß der Erhöhungen ist halt unterschiedlich bewertet."
Die Unterstützung der Ukraine sei auch „eine Investition in die Sicherheit Europas“, so Österreichs Bundeskanzler Christian Stocker (ÖVP). Europas Unterstützung für die Ukraine und Solidarität mit ihr seien auch in Zukunft notwendig.
16.10.2026 | 6:38 minEU-Etat: "Es wird einen völlig neuen Vorschlag geben müssen"
Viele der 27 Mitgliedstaaten wollen den EU-Haushalt von 2028 bis 2034 bis Ende des Jahres verabschieden - rechtzeitig vor dem Superwahljahr, das mehrere euroskeptische Staats- und Regierungschefs ins Amt bringen könnte, unter ihnen womöglich die französische Rechtspopulistin Marine Le Pen.
Große Runde, aber keine Einigung beim EU-Gipfel in Brüssel.
Quelle: Michael Kappeler /dpa-POOL/dpaDer französische Präsident Emmanuel Macron sagte am Donnerstag Diplomatenangaben zufolge den anderen Staats- und Regierungschefs, es werde im Vorlauf der Wahlen in mehreren europäischen Ländern "schwierig", eine Einigung beim EU-Haushalt zu erzielen.
Für Ende November ist ein weiteres EU-Treffen angesetzt. Merz riet mit Blick auf die schwierigen Verhandlungen, "ein paar Oberhemden mehr" einzupacken.
Beim EU-Gipfel gebe es im Haushaltsstreit bislang keine Annäherung. "Es wird wohl einen völlig neuen Vorschlag brauchen", so ZDF-Korrespondentin Lara Wiedeking.
16.10.2026 | 2:16 min"Fest steht, es wird einen völlig neuen Vorschlag geben müssen", sagte ZDF-Korrespondentin Lara Wiedeking im ZDF-Morgenmagazin. "Die Länder, sie als die Sparsamen gelten - Deitschland, die Niederlande, Österreich - haben ganz klar gesagt: das, was gerade auf dem Tisch liegt, ist überhaupt keine Diskussionsgrundlage."
Man muss gar nicht anfangen, da an einzelnen Schräubchen zu drehen, sondern man muss komplett von vorne anfangen.
ZDF-Korrespondentin Lara Wiedeking in Brüssel
Aus Diplomatenkreisen verlautete am Donnerstag, Deutschland und Frankreich hätten am Rande des EU-Gipfels in Brüssel eine vorläufige Einigung im Streit um Kohlendioxidemissionen von Neuwagen und das Prinzip "made in Europe" erzielt. Ein Sprecher der Bundesregierung sagte AFP, das Abkommen befinde sich auf der Zielgeraden, die abschließende Zustimmung aus Deutschland stehe noch aus. Damit würden die beiden Länder einen Streit beilegen, der zwei Gesetzgebungsverfahren in Brüssel zu blockieren drohte. Die Umsetzung der deutsch-französischen Vereinbarung würde die CO2-Vorschriften für die Autoindustrie ab 2035 weiter aufweichen.
Gleichzeitig würde eine striktere Auffassung des Prinzips "made in Europe" gelten. Unternehmen in als strategisch geltenden Sektoren werden so verpflichtet, sich mit in der EU oder bestimmten Partnerländern hergestellten Komponenten zu versorgen, wenn sie öffentliche Gelder erhalten. Deutschland hatte sich lange dafür eingesetzt, dass "made in Europe" eine deutlich größere Zahl von Partnerländern miteinbezieht.
Quelle: AFP
EU-Gipfel berät über Hilfen für Ukraine
Am Freitag beraten die Staats- und Regierungschefs über die weitere Unterstützung der Ukraine. Dazu ist auch ein Treffen mit dem ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj angesetzt. Selenskyj reiste bereits am Donnerstag und traf sich unter anderem mit Nato-Generalsekretär Mark Rutte und Macron. Der französische Präsident erklärte nach dem Treffen, es sei "entscheidend", dass die Ukraine "alle notwendigen Mittel erhält, um sich zu schützen".
Bundeskanzler Merz sagte, er habe am Rande des Gipfels dafür plädiert, "dass wir alles tun, um der Ukraine auch über den Winter zu helfen, und auch im nächsten Jahr zu helfen". Dafür müssten die Mittel aufgestockt werden.
Die Ukraine brauche "mehr Geld, um Munition kaufen zu können", so ZDF-Reporter Dara Hassanzadeh. Russische Drohnen seien schwerer abzufangen, es fehle Abwehrmunition. Die EU berät über Hilfe.
16.10.2026 | 3:09 minLassen Sie sich Beiträge von ZDFheute bevorzugt bei Google anzeigen.
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