Beteiligte exkommuniziert:Bruch mit dem Papst: Piusbrüder weihen Bischöfe
|
Gegen den Willen des Papstes haben die erzkonservativen Piusbrüder in der Schweiz vier Bischöfe geweiht. Das hat Konsequenzen für die Betroffenen.
Vier neue Bischöfe haben die erzkonservativen Piusbrüder in der Schweiz geweiht - gegen den Willen des Papstes. Als Konsequenz wurden nun insgesamt sechs Bischöfe exkommuniziert.
01.07.2026 | 0:28 minVor der Bergkulisse des Wallis und vor Tausenden Teilnehmern haben die erzkonservativen Piusbrüder am Mittwochvormittag vier Priester ihrer Gemeinschaft in der Schweiz zu Bischöfen geweiht - gegen das ausdrückliche Verbot von Papst Leo XIV. Damit sind die Beteiligten, die beiden weihenden und die vier neu geweihten Bischöfe, laut Kirchenrecht automatisch exkommuniziert, also aus der Kirchengemeinschaft ausgeschlossen.
Die Traditionalisten lehnen entscheidende kirchliche Reformen des Zweiten Vatikanischen Konzils (1962-1965) ab. Streitpunkte sind vor allem Religionsfreiheit, Ökumene und Formen des katholischen Gottesdienstes. Eindringlich hatte der Papst die Bruderschaft am Dienstag noch einmal beschworen, die Weihen abzusagen. Stattdessen sprachen die Piusbrüder ihm zu Beginn der Bischofsweihe faktisch die kirchliche Autorität ab.
Trotz Papst-Warnung: Vier Priester erhalten die Bischofsweihe
Die Priester Pascal Schreiber (v.l., Schweiz), Michael Goldade (Vereinigte Staaten), Michel Poinsinet de Sivry (Frankreich) und Marc Hanappier (Frankreich), werden zu Bischöfen geweiht.
Quelle: dpaPiusbrüder: "Strafen Roms haben keinerlei Gültigkeit"
Normalerweise wird dort der Auftrag des Papstes verlesen. Da dieser fehlte, erklärte der Generalobere Davide Pagliarani schriftlich: Da die römischen Institutionen seit dem Zweiten Vatikanischen Konzil von einem Geist beseelt seien, der der wahren Tradition der Kirche entgegenstehe, sehe man sich in der Pflicht, Bischöfe in der wahren Gesinnung zu weihen.
Alle Strafen und Zensuren, die gegen die Weihen ausgesprochen werden, besitzen nach der ausdrücklichen Auffassung des Generaloberen "keinerlei Gültigkeit". 1988 war am Tag nach der Bischofsweihe das vatikanische Dekret gefolgt, das die mit der Tat automatisch eingetretene Exkommunikation bestätigte. Kirchenrechtler rechnen mit einem ähnlichen Prozedere Roms auch für dieses Mal.
Bereits 1988 Strafe wegen unerlaubter Weihe
Der Gemeinschaft gehören weltweit mehr als 700 Priester an, die meisten davon in Nordamerika und in Frankreich. Schon 1988 waren nach der unerlaubten Weihe von vier eigenen Bischöfen ihr französischer Gründer, Erzbischof Marcel Lefebvre (1905-1991), sowie die Geweihten durch den Vatikan exkommuniziert worden.
Benedikt XVI. (2005-2013) hob diese Beugestrafe zwar 2009 auf; zu einer theologischen Einigung kam es aber seither nicht. Am Mittwoch nun wurden vier Männer zu Bischöfen geweiht, um den Priesternachwuchs der Gemeinschaft sicherzustellen: ein Schweizer, ein US-Amerikaner sowie zwei Franzosen.
Traditionalisten sind Anhänger der katholischen Kirche, die sich gegen Reformen des Zweiten Vatikanischen Konzils (1962-1965) wenden. Zu unterscheiden ist zwischen Gruppierungen, die sich in kämpferischem Widerspruch zur nachkonziliaren Kirche sehen, und denen, die zwar traditionalistisch denken, aber mit dem Papst verbunden bleiben wollen.
Am bekanntesten ist die Gruppe, die um den 1988 exkommunizierten und somit aus der kirchlichen Gemeinschaft ausgeschlossenen Erzbischof Marcel Lefebvre (1905-1991) entstand. Dieser hatte 1976 gegen ein päpstliches Verbot Priester geweiht und damit die Priesterbruderschaft Sankt Pius X. innerkirchlich isoliert.
Der Protest der Lefebvre-Anhänger richtet sich vordergründig gegen die Liturgiereform des Konzils. Im Kern lehnen sie aber das erneuerte Kirchenverständnis, die Ökumene und die Religionsfreiheit ab. Insgesamt werfen sie der römisch-katholischen Kirche vor, mit den Konzilsbeschlüssen die Tradition der Kirche zu zerstören. Sie tun dies aber in empfundener Treue zum Papst in Rom, für den sie auch in ihren Messen beten.
Quelle: KNA
Konzilskritisch und objektiv papsttreu ist eine zweite Strömung der Traditionalisten. Dazu gehört die Priesterbruderschaft Sankt Petrus, die 1988 auf Initiative von Papst Johannes Paul II. (1978-2005) gegründet wurde. Die Petrusbruderschaft soll traditionalistischen Katholiken eine Heimat bieten und sie in die Kirche integrieren.
Weitere Vertreter dieser Strömung sind die Una-Voce-Bewegung und die Abtei Le Barroux in Südfrankreich. Darüber hinaus gibt es in etlichen Ländern einzelne Kirchen und Pfarreien, die regelmäßig Messfeiern im Ritus des Messbuchs von 1962 anbieten.
Neben diesen beiden Hauptströmungen gibt es am ultrakonservativen Rand weitere kleine Gruppen, die mit ihrer Kritik noch weiter gehen als die Piusbruderschaft. Dazu zählen die "Sedisvakantisten", die alle Päpste nach Pius XII. (1939-1958) für modernistische Häretiker halten und daher den Stuhl Petri seit 1958 als unbesetzt (vakant) ansehen.
Quelle: KNA
Papst Leo XIV.: Kirche "offen für Dialog"
Der Vatikan und auch Leo XIV. hatten die Bruderschaft St. Pius X., wie die Gruppe offiziell heißt, bis zuletzt gewarnt. Leo bat sie, "das geistliche Wohl der Gläubigen sorgfältig zu bedenken". Denn durch den schismatischen Akt der Weihe würden sie ihre Anhänger des "Empfangs der Sakramente berauben", die sie doch suchten.
Derweil in Rom: Blüte um Blüte entstehen diese Kunstwerke - quasi über Nacht. Floristen und Hunderte Freiwillige erschaffen die Blumenteppiche zum Hochfest der Heiligen Petrus und Paulus.
30.06.2026 | 0:25 minAusdrücklich würdigte der Papst die große Verbundenheit der Piusbrüder mit der Liturgie, ihr Engagement in der Priesterausbildung und ihren "Wunsch nach Treue zur Tradition". Die Kirche sei "offen für einen Weg des Dialogs und der Verständigung".
Der Generalobere der Bruderschaft, Davide Pagliarani, dankte dem Papst am Vorabend der Weihen "in kindlicher Ergebenheit" für seine "väterliche Fürsorge" - und bat ihn, sich vor einer Erklärung des Schismas "die notwendige Zeit" zur Unterscheidung der Geister zu nehmen. Nur einige Stunden später sprach er ihm in seinem vorbereiteten Dekret die Autorität ab, die Weihe mit gültigen Strafen zu belegen.
Quelle: KNA
Über dieses Thema berichtete ZDFheute Xpress am 01.07.2026 um 14:57 Uhr im Beitrag "Verbotene Bischofsweihen bei den Piusbrüdern".
Thema
Mehr aktuelle Nachrichten
Liveblog
Russland greift die Ukraine an :Aktuelles zum Krieg in der Ukraine
Stunts, Evakuierungen, Schalte ins All :Skurrile Momente aus 40 Jahren ZDF-Fernsehgarten
Fußball-WM 2026 :Im Liveticker: England gegen Demokratische Republik Kongo
+++ Liveblog zur Fußball-WM +++ :Neuer bereut Comeback nicht
"Wir sind stolz auf euch" :Merz' Instagram-Post zum WM-Aus war eine Panne
Beteiligte exkommuniziert :Bruch mit dem Papst: Piusbrüder weihen Bischöfe
mit Video0:28
Er sang "Y.M.C.A." :Sänger der Village People Victor Willis gestorben
mit Video0:26
Bilderserie
Promi-News in Bildern :Maite Kelly beschimpft Fotografen
Liveblog
Aktuelle Entwicklungen :Iran-Krieg und Nahost-Konflikt: Alle Nachrichten im Liveblog
Entlassungen und Rücktritte :Diese Trainer sind ihr Amt als Nationalcoach nach der WM los
mit Video15:40
Posts in sozialen Medien :"Das sitzt": DFB-Spieler richten sich an Fans
mit Video15:40