Update am Morgen:Ein Machtkampf im Endstadium
von Florian Neuhann
Guten Morgen,
"Affordability crisis" - das ist eines der großen Schlagworte dieser Tage in den USA. Übersetzt: Die "Bezahlbarkeitskrise". Viele US-Amerikaner haben das Gefühl, sich das Leben nicht mehr leisten zu können. Heute könnten diese Sorgen statistisch weiter unterfüttert werden: Um 14:30 Uhr deutscher Zeit wird die dafür zuständige US-Behörde die Inflationsdaten für den Monat Dezember veröffentlichen. Analysten erwarten, dass die Inflation bei 2,7 Prozent geblieben sein dürfte - so hoch wie im November. Und damit zu hoch im Vergleich mit dem Zielwert der US-Notenbank Federal Reserve - der wie bei uns in Europa bei 2 Prozent liegt.
Was zur großen Frage führt: Was die US-Notenbank mit diesen Daten anstellen wird.
Das ist längst keine Angelegenheit mehr für akademische Debatten unter Notenbankern. Unter Donald Trump ist die Zinspolitik der Notenbank zu einer der politischen Streitfragen schlechthin geworden. Seit Monaten greift der US-Präsident den Chef der US-Notenbank Jerome Powell permanent an - fordert, dass dieser den Leitzins schneller senkt als die Notenbank es bisher tut. Niedrigere Zinsen machen Kredite für Unternehmen und Konsumenten billiger, könnten also die Wirtschaft beflügeln. Gleichzeitig könnten niedrigere Zinsen die Inflation antreiben, was die Fed verhindern will.
Jetzt ist die Regierung Trump offenbar einen weiteren Schritt gegangen, hat strafrechtliche Ermittlungen eingeleitet. Offiziell aus einem anderen Grund: Powell soll - angeblich - den Kongress über den Umfang der Renovierungsarbeiten für das Gebäude der Notenbank belogen haben. Für die Vorwürfe gibt es keine Anzeichen, geschweige denn Beweise. Weshalb die gesamte Finanzwelt davon ausgeht, dass es sich dabei nur um einen Vorwand handelt. Und um eine bisher undenkbare Eskalation. Das Endspiel im Machtkampf zwischen Trump und Powell hat begonnen.
12.01.2026 | 1:19 min
Powell, der den offenen Kampf mit Trump bisher vermieden hatte, hat die Vorwürfe selbst veröffentlicht und sich in einem außergewöhnlichen Video-Statement gegen den Präsidenten gestellt. Unterstützung erhielt Powell dabei aus der gesamten Finanzwelt - seine Vorgängerin Janet Yellen bezeichnete die Vorgänge gestern in einem CNBC-Interview als "extrem beunruhigend", sprach gar vom "Weg in die Bananenrepublik". Die Märkte, so Yellen, müssten sehr viel nervöser sein.
Und wir alle auch? Wenn die Unabhängigkeit der US-Notenbank infrage gestellt wird, hat das Folgen für die Stabilität des weltweiten Finanzsystems. Man kann nur hoffen, dass Trump mit seinem Angriff keinen Erfolg hat.
Ihnen trotz allem einen erfolgreichen Tag!
Florian Neuhann, Leiter des ZDF-Teams Wirtschaft und Finanzen
Was heute noch wichtig ist
EU-Außenbeauftragte Kallas trifft Pistorius / Berufungs-Verfahren gegen Marine Le Pen beginnt / Unwort des Jahres wird bekannt gegeben
13.01.2026 | 0:56 minLe Pen kämpft gegen Wahlausschluss: Die französische Rechtspopulistin Marine Le Pen muss sich ab Dienstag wegen des Vorwurfs der Veruntreuung von EU-Geldern vor einem Berufungsgericht verantworten. Das im Sommer erwartete Urteil entscheidet darüber, ob Le Pen zum vierten Mal bei der 2027 anstehenden Präsidentschaftswahl in Frankreich antreten kann.
"Unwort des Jahres" 2025: Mehr als 2.600 Einsendungen mit Vorschlägen für das "Unwort des Jahres" sind bis Ende vergangenen Jahres eingegangen - heute gibt die Jury der sprachkritischen Aktion in Marburg bekannt, welchen Begriff sie besonders kritisch sieht. Unter den Einsendungen waren dieses Mal Vorschläge wie "Asylwende" und der von US-Präsident Donald Trump häufig verwendete Begriff "Deal" sowie der Ausdruck "Stadtbild".
EU-Außenbeauftragte Kallas in Berlin: Die EU-Außenbeauftragte Kaja Kallas kommt zu Gesprächen über die Stärkung der europäischen Verteidigungsbereitschaft. Bei ihrem Treffen mit Verteidigungsminister Boris Pistorius (SPD) werde es auch um die weitere Unterstützung der Ukraine gehen, teilte das Verteidigungsministerium mit.
Ausführlich informiert
In Iran gehen Tausende gegen das Mullah-Regime auf die Straße - trotz Lebensgefahr. ZDFheute live über die Brutalität des Regimes und wie das ZDF Bildmaterial auf Echtheit prüft.
12.01.2026 | 24:21 min
Über die Proteste im Iran hält Sie auch unser Liveblog auf dem Laufenden.
Grafik des Tages
In Teilen Deutschlands wird's heute morgen wieder glatt. Wo der Deutsche Wetterdienst (DWD) warnt:
ZDFheute Infografik
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Zahl des Tages
Strafzölle in Höhe von 25 Prozent sollen Länder, die mit dem Iran handeln, künftig auf Geschäfte mit den USA zahlen. Das kündigte Präsident Donald Trump auf seiner Online-Plattform Truth Social an. Der US-Präsident hatte den Demonstranten zuletzt öffentlich den Rücken gestärkt und die iranische Regierung vor Repressionen gewarnt.
Bild des Tages
Quelle: imago/Bihlmayerfotografie
Wann ist für Sie Weihnachten so richtig vorbei? Für die meisten dürfte die Antwort der 6. Januar, der Dreikönigstag, sein. Die skandinavischen Länder aber hängen einfach noch eine Woche dran. Am heutigen 13. Januar feiern Finnland, Norwegen und Schweden den historischen St.-Knut-Tag, benannt nach Knut IV. dem Heiligen, König von Dänemark. Damit dauert die Weihnachtszeit dort 20 statt 13 Tage. Heute dürften also auch im hohen Norden die meisten Weihnachtsbäume dran glauben, abgeschmückt und entsorgt werden.
Gesagt
Und deswegen war es auch wichtig, dass wir deutlich machen: Hier wurde Völkerrecht gebrochen. Und diese Kritik habe ich in den USA auch formuliert und werde das weiter tun.
Lars Klingbeil, Vizekanzler und Bundesfinanzminister (SPD)
Das sagt Lars Klingbeil (SPD) zum US-Angriff auf Venezuela:
12.01.2026 | 6:30 min
Sportlich in den Tag
Keine Zeit zum Durchatmen: In der Fußball-Bundesliga geht es heute Abend schon weiter. Vier Spiele stehen an, unter anderem empfängt Dortmund den SV Werder, in Mainz gastiert Heidenheim zum Kellerduell.
Mit dem ZDF-Liveticker verpassen Sie nichts - und ab 0 Uhr gibt es dann die Highlight-Clips vom 17. Spieltag im ZDF-Streamingportal.
Weitere Schlagzeilen
Die Nachrichten im Video
12.01.2026 | 1:54 min
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So wird das Wetter heute
Am Dienstag gibt es in der Mitte und im Osten erneut Schauer mit örtlicher Glatteisgefahr. Sonst bleibt es trocken. Die Temperaturen steigen auf maximal 1 Grad im äußersten Nordosten und plus 13 Grad am Oberrhein.
Den aktuellen Wetterbericht der ZDF-Meteorologen finden Sie hier im Video.
Quelle: ZDF
Zusammengestellt von David Metzmacher
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