Klimaphänomen:WMO warnt: Stärkster El Niño seit Beginn der Aufzeichnungen
von Winnie Heescher
Der aktuelle El Niño könnte nach UN-Prognosen alle Rekorde sprengen. Es drohen Überschwemmungen, Dürren, extreme Hitze - und damit Ernteausfälle und hohe Preise für Lebensmittel.
Rekord-Niedrigwasser, Waldbrände, Hitzetote – Europas Sommer ist 2026 extrem. Im Pazifik baut sich nun ein Super-El-Niño auf: Was das Wetterphänomen für die nächsten Monate bedeutet.
19.08.2026 | 6:29 minEl Niño, das klingt klein und niedlich. Es kommt aus dem Spanischen und bedeutet "der Junge" oder "das Christkind". Doch dahinter verbirgt sich ein Klimaphänomen, das in den nächsten Monaten große Auswirkungen auf die Erde haben kann: "El Niño hat das Potential, Gemeinschaften und Volkswirtschaften weltweit einen massiven Schlag zu versetzen", warnt die Generalsekretärin der Weltorganisation für Meteorologie (WMO), Celeste Saulo.
Nach Prognosen der WMO, einer Sonderorganisation der Vereinten Nationen, zeichnet sich der stärkste El Niño seit Beginn der Aufzeichnungen ab - mit Höhepunkt gegen Ende des Jahres und klimatischen Auswirkungen bis ins nächste Jahr.
"Dieses Phänomen kommt ja natürlicherweise vor, wird aber durch den Klimawandel noch mal verstärkt", sagt Klimaforscher Anders Levermann zum Wetterphänomen El Niño.
03.09.2026 | 5:12 minFischer gaben El Niño seinen Namen
Es waren Fischer in Peru und Ecuador, die gelegentlich ungewöhnlich warmes Küstenwasser bemerkten, das ihre Fischfänge verringerte. Weil das immer um die Weihnachtszeit passierte, wurde das Phänomen "El Niño" genannt. US-Forschern gelang es 1986 erstmals mit Modellen, dieses Klimaphänomen mehrere Monate im Voraus vorherzusagen.
Alle zwei bis sieben Jahre tritt im Pazifik das Klimaphänomen El Niño auf - mit teils verheerenden Folgen. Was genau dabei passiert, erklärt ZDF-Meteorologe Özden Terli.
06.05.2026 | 1:06 minEl Niño: Zusammenspiel von Ozean und Atmosphäre
El Niño tritt alle zwei bis sieben Jahre auf. Um es zu verstehen, helfen ein Blick auf die Weltkarte und etwas Physik: In der Regel wehen im Pazifik beständige Winde. Dabei schieben östliche Passatwinde das warme Oberflächen-Wasser nach Australien. Dort verdunstet es und sorgt für feucht-warme Witterung.
Auf der anderen Seite des Pazifiks vor der Küste Südamerikas quillt kaltes Tiefenwasser nach oben. Normalerweise ist es deshalb dort sonnig, trocken und kühl. In El-Niño-Jahren schwächen sich die Passatwinde ab und das warme Oberflächen-Wasser schwappt zurück.
Die Wassertemperatur von Mittel- und Südamerika steigt an. Das warme Wasser verdunstet dort. Die Folge für Südamerika: schwere Regenfälle und Stürme. Australien dagegen leidet unter starker Hitze, Trockenheit und Dürre. Soweit die Theorie.
Erste Folgen bereits sichtbar
In Panama ist seit Wochen kaum Regen gefallen, so dass die Verwaltung des Panama-Kanals eine Begrenzung der Durchfahrten angekündigt hat. Viele Länder Lateinamerikas haben bereits Dürre-Alarm ausgerufen. Im Pazifik hat es schon schwere Hurrikans gegeben, neue haben sich angekündigt.
Das Wetterphänomen "El Niño" sorgt derzeit für außergewöhnlich hohe Temperaturen im Pazifik. Doch die Folgen für Klima und Wirtschaft sind sowohl lokal als auch global zu spüren.
30.08.2026 | 1:33 minAll das hat Konsequenzen für die Menschen vor Ort: Die Preise für Trinkwasser gehen in die Höhe, es kommt zu Ernteausfällen, Stromausfällen, Zerstörung von Häusern, Verletzten und Toten. Das spielt sich alles von Europa aus betrachtet auf der anderen Seite der Erdkugel ab - aber die Konsequenzen werden auch hier spürbar sein. Zum Beispiel durch höhere Preise für Agrarrohstoffe wie Kakao, Kaffee und Zucker.
Extreme Hitzewellen, Trockenheit und Waldbrände bestimmen den Sommer 2026. Und nun beginnt auch noch "El Niño". Das Klima- und Wetterphänomen soll in diesem Jahr besonders heftig ausfallen.
06.08.2026 | 39:33 minAuswirkungen vom Klimawandel?
Was sich viele fragen: Warum wird der stärkste El Niño ausgerechnet jetzt prognostiziert nach diesem extremen Sommer? Hat der Klimawandel etwas damit zu tun? Zweifelsfrei nachweisen kann die Wissenschaft das bislang nicht, dazu fehlen Datenreihen, die über Jahrhunderte reichen müssten.
Was sich aber festhalten lässt: El Niño verstärkt Probleme, die die Welt ohnehin durch den Klimawandel hat. Und so drängt UN-Generalsekretär Antonio Guterres auf weitere Schutzmaßnahmen:
Die Welt befindet sich in der Gefahrenzone für Extremwetter. Es ist nun ein Wettlauf zwischen wachsenden Risiken und unserem Engagement für Klimaschutz und den Schutz von Menschen. Diesen Wettlauf müssen wir gewinnen.
UN-Generalsekretär Antonio Guterres
Welche Regionen es spezifisch treffen wird, kann die WMO nicht prognostizieren. "Wir verfügen über das Wissen und die Instrumente, um zu verhindern, dass sich Gefahren im Zusammenhang mit El Niño zu einer Krise ausweiten", sagt WMO-Generalsekretärin Celeste Saulo.
Lassen Sie uns gemeinsam handeln, um sicherzustellen, dass niemand zurückgelassen wird.
WMO-Generalsekretärin Celeste Saulo
Winnie Heescher ist ZDF-Umweltreporterin.
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