Hälfte der CO₂-Emissionen von 32 Firmen:Wie Unternehmen den Klimawandel ankurbeln
von Sarah Danquah und Christian Harz
Mehr als die Hälfte der weltweiten CO₂-Emissionen aus fossilen Brennstoffen und Zement stammt von nur 32 Firmen. Davon sind viele staatlich kontrolliert und politisch unterstützt.
Laut der Datenbank Carbon Majors tragen wenige große Unternehmen maßgeblich zur CO2-Belastung bei. 2024 gingen mehr als die Hälfte der CO2-Emissionen auf 32 Konzerne zurück.
23.01.2026 | 0:27 minDas global wärmste Jahr seit Beginn der Wetteraufzeichnungen - so stuft der EU-Klimadienst Copernicus das Jahr 2024 ein. Die Durchschnittstemperatur lag weltweit 1,6 Grad Celsius über dem vorindustriellen Referenzwert. Zugleich bildete die Konzentration von Kohlendioxid in der Atmosphäre einen neuen Rekord. Laut der Weltwetterorganisation war die klimaschädliche CO₂-Belastung 2024 so hoch wie nie zuvor. Maßgeblich zu diesem Anstieg beigetragen haben wenige große Firmen - das zeigt eine neue Auswertung der Datenbank Carbon Majors.
Der Klimawandeldienst des EU-Programms Copernicus hat seinen jährlichen Report vorgestellt. Laut Bericht ist nun 2024 das wärmste Jahr seit Beginn der Aufzeichnungen.
10.01.2025 | 2:15 minDemnach waren 32 Konzerne allein für mehr als die Hälfte aller globalen CO₂-Emissionen aus Zementherstellung und fossilen Brennstoffen verantwortlich. Gründe seien unter anderem anhaltendes Produktionswachstum und Zusammenschlüsse von Unternehmen.
Christiana Figueres, die ehemalige Chefin des UN-Klimasekretariates, äußerte sich kritisch zu den aktuellen Entwicklungen und mahnte:
Die neuesten Daten von Carbon Majors zeigen erneut, dass große Emittenten auf der falschen Seite der Geschichte stehen.
Christiana Figueres, Ex-Chefin UN-Klimasekretariat
Mehr staatliche Unternehmen belasten die Umwelt
Ein Blick auf die Konzerne zeigt: Die größten Emittenten sind überwiegend staatlich kontrolliert. Die zehn Unternehmen mit den höchsten Emissionen weltweit waren 2024 vollständig oder mehrheitlich in Staatsbesitz und verursachten zusammen 27,6 Prozent der globalen fossilen CO₂-Emissionen, so die Studie.
ZDFheute Infografik
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Angeführt wird die Liste von fünf staatlichen Energiekonzernen - Saudi Aramco, Coal India, China Energy Investment, National Iranian Oil Company und Gazprom. Gemeinsam kommen sie auf 7,8 Milliarden Tonnen CO₂ - fast ein Viertel der globalen Emissionen aus fossilen Brennstoffen und Zement.
Die EU hat sich auf ein Zwischenziel zum Klimaschutz geeinigt. Bis 2040 soll der Ausstoß von klimaschädlichen Treibhausgasen im Vergleich zu 1990 um 90 Prozent reduziert werden.
10.12.2025 | 0:30 minWie Emissionen und Klimapolitik zusammenlaufen
An der Spitze der Emittentenliste steht der in Doha ansässige, staatliche Ölkonzern Saudi Aramco. Er allein verursachte im Jahr 2024 ganze 4,3 Prozent der weltweiten CO₂-Emissionen aus Zement und fossilen Brennstoffen.
Saudi-Arabien gehört zugleich zu den Ländern, die sich auf der Klimakonferenz COP30 im November 2025 gegen einen vorgeschlagenen Ausstieg aus fossilen Energieträgern ausgesprochen hatten.
Auch deutsche Politiker hätten mehr von der Klimakonferenz erwartet. Die EU und die 197 Länder konnten sich nicht auf weitere Verbote von Gas, Öl und Kohle einigen.
23.11.2025 | 1:28 minSaudi-Arabien ist damit kein Einzelfall. Ein erheblicher Teil der größten Emittenten entfällt auf Länder, die strengere internationale Klimavorgaben ablehnen - darunter Russland, China, Iran, die Vereinigte Arabische Emirate und Indien. Mehr als 80 andere Staaten unterstützten dagegen einen Ausstiegsplan.
Aber auch die größten privaten Energiekonzerne tragen erheblich zu den globalen Emissionen bei. Die fünf Unternehmen ExxonMobil, Chevron, Shell, BP und ConocoPhillips verursachten zusammen 2,4 Milliarden Tonnen CO₂ aus fossilen Brennstoffen und Zement - deutlich weniger als die führenden staatlichen Konzerne, aber weiterhin auf hohem Niveau.
Deutschland hat laut einer Studie der Denkfabrik Agora Energiewende sein Klimaziel im Jahr 2025 erreicht. Mit einem Rückgang um 1,5 Prozent sank der CO2-Ausstoß gegenüber dem Vorjahr nur leicht.
07.01.2026 | 0:39 minExperte: Unternehmen verhindern aktiv Energiewende
Leider sehen wir, dass viele etablierte Unternehmen mit fossilen Geschäftsmodellen sich häufig aktiv gegen die Energiewende stellen.
Frederic Hans, NewClimate Institute
Oder im besten Fall würden sich sich "nur zu langsam zu emissionsärmeren Geschäftsmodellen hin anpassen", erklärt der Klimapolitik-Experte Hans ZDFheute.
Emmet Connaire, Autor und Leiter der Carbon-Majors-Studie, betont, dass große Emittenten sogar bewusst versuchten, durch "Lobbyarbeit, einen Wandel zu verhindern, von dem die Wissenschaft seit Jahrzehnten weiß, dass er unerlässlich ist."
Auch Hans gibt diesen Unternehmen eine "hervorgehobene Verantwortung", eine Energiewende zu unterstützen, und betont, dass ein Umstieg aus fossilen zu erneuerbaren Energien für Fossilkonzerne notwendig und umsetzbar sei. An technischen oder finanziellen Mitteln mangele es nicht.
Die Menschheit verbrennt nicht weniger, sondern mehr Öl, Gas und Kohle - Erwartungen der Initiative Global Carbon Project.
13.11.2024 | 0:32 minWie sehr lohnen eigene Klima-Bemühungen?
Ist die eigene Klima-Verantwortung überhaupt etwas Wert, wenn der Anteil von Unternehmen an klimaschädlichen Emissionen so hoch ist? Klimapolitik-Experte Hans macht deutlich: Eigene Klima-Bemühungen hätten nicht an Bedeutung verloren, können aber "nur komplementär und keineswegs als Ersatz für effektiven Klimaschutz durch Regierungen und Unternehmen stattfinden".
Verbraucher können weiter tätig bleiben, so der Nachhaltigkeitsforscher, zum Beispiel beim "Kauf emissionsarmer Produkte und Lebensmittel bis hin zu dem politischen Einsatz für ambitionierteren Klimaschutz auf kommunaler oder staatlicher Ebene."
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