Von Kohle zur Künstlichen Intelligenz:Microsoft eröffnet KI-Rechenzentren in Braunkohleregion
von Dominik Müller-Russell
Inmitten von NRWs Braunkohleregion baut der US-Tech-Gigant Microsoft drei riesige Rechenzentren. Schafft das Rheinische Revier so den Strukturwandel?
Microsoft hat den Bau des ersten von drei KI-Rechenzentren in Nordrhein-Westfalen gestartet. Damit will das Unternehmen seine Cloud-Infrastruktur ausbauen.
13.03.2026 | 0:36 minDen Anblick von Baggern ist man gewohnt im Rheinischen Braunkohlerevier - von gigantischen Baggern, die Bäume, Äcker und ganze Dörfer abtragen, um an die darunterliegende Braunkohle zu kommen. Jahrzehntelang haben sie die Menschen hier ernährt, am Rand der Speckgürtel von Düsseldorf und Köln. Doch in wenigen Jahren ist damit Schluss. Können die Bagger, die nun über eine Baustelle bei Bergheim rollen, etwas ähnliches erschaffen? Eine ganze Region am Leben halten?
Mitten in diesem Revier errichtet Microsoft nun nämlich drei riesige Rechenzentren, sogenannte Hyperscaler, die gigantische Datenmengen verarbeiten können, wie man sie etwa für KI-Anwendungen benötigt. Die Hoffnung: dass sich damit weitere innovative Unternehmen hier in der Gegend ansiedeln - und in der Folge neue Arbeitsplätze entstehen.
Seit zwei Jahren plant Microsoft den Bau mehrerer Rechenzentren in NRW. Im Land schürt das Hoffnung.
18.03.2024 | 1:55 minBergheimer Stromleitungen ideal für Microsoft-Rechenzentren
Den ersten Hyperscaler baut Microsoft bei Bergheim. Blickt man nach Westen, sieht man die Ränder des Tagebaus Hambach. Am Horizont im Osten prangen die Kühltürme des Kraftwerks Niederaußem. Dass sich Microsoft diese Gegend ausgesucht hat, hängt genau damit zusammen: mit der vorhandenen Strom-Infrastruktur. Stromleitungen durchziehen die Landschaft, riesige Strommengen werden die Rechenzentren künftig benötigen.
Und sie hat mit etwas zu tun, das man nicht sieht: Der zentralen Datenleitung zwischen Frankfurt und Amsterdam, einer der wichtigsten Internet-Verbindungen Europas. Wie geschaffen ist die Gegend also, um die Hyperscaler ans Netz anzuschließen. Und die Bereitschaft von Kommunen und Land, Microsoft hier einen goldenen Teppich auszurollen, ist hoch.
Auch Amazon möchte in Deutschland - genauer gesagt in Brandenburg - ein Rechenzentrum bauen.
28.01.2026 | 1:45 minMicrosoft-Rechenzentren eine Win-Win-Situation für das Gebiet
Man weiß nämlich nicht, was größer ist: die Strahlkraft dieses Projektes oder der Druck, der auf der Region lastet, den fälligen Strukturwandel hinzubekommen. Auf jeden Fall sind die Pläne eine Win-Win-Situation für alle Beteiligten. Microsoft rennt offene Türen ein, bei den Rathäusern vor Ort, bei der Landesregierung.
Und Bürgermeister und Politik versprechen sich, dass tatsächlich eine Zukunftsregion entsteht, mit attraktiven Arbeitsplätzen. Und so fallen beim offiziellen Spatenstich immer wieder dieselben Begriffe: "Innovation", "Digital-Land Nummer eins", "Wandel", "Wettbewerbsfähigkeit", "Wohlstand".
Datenmengen wachsen rasant, Rechenzentren stoßen an ihre Grenzen. Eine Idee: Server im All. ZDFheute live erklärt die Vor- und Nachteile.
05.02.2026 | 11:41 minWissenschaftszentren begrüßen Microsoft-Bauten
Nicht nur Politik und Unternehmen, auch die benachbarten Wissenschaftszentren ziehen an einem Strang: Im 20 Kilometer entfernten Forschungszentrum Jülich steht einer von weltweit nur vier sogenannten Supercomputern.
Mehrere Universitäten mit Exzellenzclustern liegen in der Nähe, betont NRW-Wissenschaftsministerin Mona Neubaur. Den Unternehmen, die in dieses digitale Öko-System investieren, verspricht sie verlässlich und schnell zu sein.
Bei uns bekommen sie Baugenehmigungen in Rekordgeschwindigkeit.
Mona Neubaur, NRW-Wissenschaftsministerin
In Jülich steht Europas schnellster Supercomputer "Jupiter". Er soll Deutschland bei KI nach vorn bringen.
05.09.2025 | 1:32 minGemeinden erhoffen sich durch Microsoft mehr Arbeitsplätze
Auch die drei Bürgermeister der profitierenden Gemeinden Bergheim, Bedburg und Elsdorf, betonen, dass alle Beschlüsse zum Bau der Hyperscaler in ihren Stadträten stets einstimmig getroffen wurden, und zwar ebenfalls mit großem Tempo. Mehrere Hundert Menschen werde Microsoft in jedem einzelnen der Rechenzentren beschäftigen, verspricht das Unternehmen. IT-Spezialisten, aber auch Sicherheitsleute, Ingenieure, Handwerker. Und weitere Unternehmen sollen sich ja ansiedeln rund um die Zentren, so der Plan.
Doch wird dieser aufgehen? 6.000 Menschen beschäftigt RWE noch in den Tagebauen und Kohlekraftwerken, insgesamt hängen 20.000 Arbeitsplätze in der Region an der Braunkohle, wird geschätzt. Können die neuen Jobs das auffangen, wenn in wenigen Jahren Schluss ist mit der Kohle? Zumal Kohlearbeiter keine IT-Fachkräfte sind? Die Erzählung ist zumindest da. Inklusive der Hoffnung, dass die Geschichte gut ausgehen wird.
Jahrelang war klar: Kuckum sollte verschwinden. Der Kohleausstieg und neue Klimaziele änderten alles. Das Dorf darf jetzt bleiben. Doch wie lebt es sich an einem Ort, der längst aufgegeben war?
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