Jobfindung für junge Menschen:Der Druck, sich beim Beruf perfekt zu entscheiden
von Tom Littlewood
Scheinbar unzählige Möglichkeiten und trotzdem Orientierungslosigkeit. Psychologe Lukas Klaschinski erklärt, warum junge Menschen heute ihre Berufsentscheidungen anders treffen.
Teil 1: Der Schritt ins Ungewisse: Alltagstrott, schwindende Kraft, die Sehnsucht nach Freiheit. Drei Menschen in Pflege, IT und Kreativbranche wagen es, neue Arbeitswege zu denken.
05.01.2026 | 20:15 minDie Wahl eines Berufs ist wohl eine der größten Entscheidungen im Leben. Während frühere Generationen zwischen wenigen, meist vorgezeichneten Pfaden wählen konnten, stehen junge Erwachsene heute vor schier endlosen Möglichkeiten: zwischen Ausbildung, dualem Studium, Startup-Gründung oder Sabbatical droht vielen die Orientierung verloren zu gehen.
Tatsächlich können junge Menschen heute zwischen mehr als 300 Ausbildungsberufen und mehr als 10.000 Studiengängen wählen. Diese Überforderung führt dann oft zu Entscheidungsängsten - ein Zustand, den Psychologe Lukas Klaschinski "Choice-Overload" nennt.
Viele Uni-Absolventen finden schwer Jobs. Das könnte daran liegen, dass junge Menschen der Gen Z oft Studiengänge wählen, die nicht zur Arbeitswelt passen. Also lieber ins Handwerk?
10.12.2025 | 1:50 minWas eine Berufsberaterin als Tipp parat hat
Ein Tipp, den Berufsberaterin Ronja Ebeling jungen Menschen mit auf den Weg gibt, ist zu wissen, dass sie diese Entscheidung niemals für immer treffen. Ebeling glaubt nämlich nicht mehr an Fehlentscheidungen im Jobkontext.
Lebensläufe werden immer bunter, immer wilder, dass wir nicht verurteilt werden, nur weil wir vielleicht in drei Jahren drei Jobs hatten.
Ronja Ebeling, Berufsberaterin
Mittlerweile könne man das alles gut erklären, erläutert Ebeling.
Teil 2: Bürokratie, Unsicherheit und fehlende Strukturen stellen alles infrage. Zwischen erster Selbstständigkeit, neuen Bewerbungen und Angst vor Rückschritten wird klar, wie schwer echter Wandel ist.
19.01.2026 | 19:06 minAnteil der jungen Erwerbstätigen steigt
Ein Mann hat sich letztes Jahr besonders unbeliebt bei Berufseinsteigern gemacht: Bundeskanzler Friedrich Merz. Er ist der Meinung: "Mit Vier-Tage-Woche und Work-Life-Balance werden wir den Wohlstand dieses Landes nicht erhalten können", sagte der 70-Jährige auf dem Wirtschaftstag der CDU im vergangenen Mai. Die Generation Z fühlt sich angesprochen, denn schon lange wird in den älteren Generationen behauptet, sie seien faul, wehleidig und ständig krank.
Allerdings wächst die Erwerbsbeteiligung bei jungen Menschen kräftig. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie des Instituts für Arbeitsmarkt und Berufsforschung (IAB). Demnach stieg die Erwerbsbeteiligung der 20- bis 24-Jährigen zwischen 2015 und 2023 um rund sechs Prozentpunkte.
Immer mehr Jugendliche entscheiden sich für eine Ausbildung als Bestattungsfachkraft. Darunter sogar mehr Frauen als Männer. Doch warum ist Bestatter für viele junge Menschen ein Traumberuf?
31.10.2025 | 1:44 minUnterschiede zu früheren Generationen
Was klar ist: Die Ansprüche junger Beschäftigten haben sich geändert. Statt Hierarchie und traditionellen Aufstiegschangen streben sie heute deutlich stärker persönliche Entwicklung und mentales Wohlbefinden an.
Während früher die finanzielle Absicherung im Vordergrund stand, treibt heute viele die Suche nach individueller Zufriedenheit.
Lukas Klaschinski, Psychologe und Buchautor
Das bestätigt auch die Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Deloitte in der Studie "Global Gen Z and Millennial Survey" von 2025. Hier gaben 89 Prozent der Befragten der Gen Z an, dass Sinnhaftigkeit im Job ein wichtiger Faktor für ihre Zufriedenheit ist; nur etwa sechs Prozent nennen eine Führungsposition als primäres Karriereziel.
Teil 3: Monate tiefer Unsicherheit fordern Entscheidungen heraus. Körperliche Warnsignale, familiärer Druck und Existenzängste treffen auf den Wunsch nach Unabhängigkeit und Neuanfang.
19.01.2026 | 18:47 minDer Druck steigt
Ein weiterer Faktor bei den sich ändernden Berufszielen junger Menschen ist das sinkende Sicherheitsgefühl im Job, geprägt durch wirtschaftliche Krisenzeiten. Die damit einhergehende Unsicherheit wird zusätzlich durch eine Vielzahl äußerer Erwartungen verstärkt. Was andere erreicht haben, welchen Karriereweg sie gehen oder wie sicher sie ihre Zukunft offenbar im Griff haben, erzeugt subtilen, aber wirksamen Druck, selbst Schritt halten zu müssen.
Viele junge Menschen sind ohne Ausbildung, dabei werden sie auf dem Arbeitsmarkt dringend gebraucht. Die Organisation „Joblinge“ bietet Unterstützung und vernetzt Teilnehmende mit Arbeitgebern.
01.09.2025 | 1:31 minVor allem durch Soziale Medien entsteht für junge Menschen eine Art öffentlicher Vergleichsraum, in dem Erfolge besonders sichtbar und Entscheidungen anderer besonders präsent sind. Dort werden Lebenswege, Jobwechsel und berufliche Meilensteine nicht nur geteilt, sondern bewertet - was für viele das Gefühl verstärkt, dass sie ihre eigenen Entscheidungen permanent rechtfertigen müssen.
Was alle jungen Menschen heutzutage vereint, ist das Gefühl, dass immer noch mehr gehen könnte. Und das hängt eben auch unter anderem mit Social Media zusammen.
Ronja Ebeling, Berufsberaterin
Wie junge Menschen in der neuen Arbeitswelt Halt suchen, zeigt das neue WISO-Doku-Format "My Make or Break". Es begleitet Berufseinsteiger*innen auf ihrem individuellen Weg zwischen Wunsch, Druck und Realität.
Den Pilotfilm "Wie will ich arbeiten?" können Sie am 19. Januar um 19:25 Uhr im ZDF sehen. Die einzelnen Folgen können Sie jederzeit im ZDF-Streaming-Portal anschauen.
Die Folge für Unternehmen und Gesellschaft
Blockieren Unsicherheit und Entscheidungsangst den Start ins Berufsleben, verschärft das nicht nur den Fachkräftemangel, sondern gefährdet auch Innovationskraft und Zukunftssicherheit der gesamten Wirtschaft. Gefragt sind seitens der Arbeitgeber Arbeitsmodelle und Unternehmenskulturen, die Flexibilität und Entwicklung im Job fördern statt sie zu verhindern.
Anpassungsvermögen ist gut für eine Volkswirtschaft.
Alexandra Spitz-Oener, Wirtschaftsprofessorin an der Humboldt Universität zu Berlin
Deutschland sei lange Jahre in einer Ausnahmesituation gewesen, "weil alles so smooth verlaufen ist", sagt Wirtschaftsprofessorin Alexandra Spitz-Oener. "Aber jetzt ändern sich die Zeiten und da wird mehr Flexibilität gefordert."
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