Retten Start-ups die deutsche Wirtschaft aus der Krise?

Steigende Insolvenzen, mehr Start-ups:Retten Start-ups die deutsche Wirtschaft aus der Krise?

von Richard Luttke

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Die Zahl der Großinsolvenzen steigt alarmierend. Gleichzeitig werden so viele Start-ups gegründet wie nie zuvor. Schafft Deutschland so die Transformation?

Mann und Frau am Laptop

In Deutschland ist die Zahl der Start-up-Gründungen auf einen neuen Rekord gestiegen. Im vergangenen Jahr entstanden 3.568 neue Wachstumsfirmen, 29 Prozent mehr als 2024.

08.01.2026 | 1:16 min

"Die deutsche Wirtschaft ringt nicht mehr nur mit Kopfschmerzen - sie hat Fieber bekommen", beschreibt Jonas Eckhardt, Partner bei der Transformationsberatung Falkensteg, die aktuelle Situation gegenüber ZDFheute. Die weiter zunehmende Zahl an Großinsolvenzen verdeutlicht die tiefgreifenden Probleme der deutschen Wirtschaft.

Dem Negativrekord stehen an anderer Stelle positive Rekordzahlen bei den Start-up-Gründungen gegenüber. Es wird so viel gegründet wie noch nie - "Krisenzeiten sind Gründerzeiten" heißt es hier. Befinden wir uns in einer Transformation, die Deutschland in einen neuen wirtschaftlichen Aufbruch führt? Oder nutzen Start-ups wenig, wenn das Fundament des Standorts erodiert?

Zahl der Startup-Gründungen auf Rekordhoch

ZDFheute Infografik

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Immer mehr Insolvenzen im verarbeitenden Gewerbe

2025 mussten 471 Unternehmen mit mehr als zehn Millionen Euro Jahresumsatz Insolvenz anmelden, rund 25 Prozent mehr als 2024. Besonders oft trifft es das verarbeitende Gewerbe wie Metallwarenhersteller und die Zulieferindustrie. Auch Elektrotechnikunternehmen gehören mittlerweile zu den Branchen mit den höchsten Insolvenzzahlen.

Laut Studienautor Jonas Eckhardt legen die Zahlen die strukturellen Probleme hierzulande offen: "Wir sind nicht mehr wettbewerbsfähig im internationalen Vergleich, insbesondere bei den Kosten. Da sind die Energie- und die Bürokratiekosten, aber sicherlich auch die hohen Arbeitskosten."

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Dazu kommt, dass die betroffenen Branchen auch technologisch nicht mehr führend seien und andere Länder wie China teils bessere Produkte zu einem günstigeren Preis anböten. So dürfte sich der Trend bei den Insolvenzen auch im laufenden Jahr fortsetzen. Staatliche Impulse greifen bislang nicht ausreichend, während der internationale Wettbewerbsdruck weiter zunimmt.

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Rekord bei Neugründungen

In anderen Bereichen zeigt sich hingegen eine gegenläufige Entwicklung, die sogar mit der Schwäche der klassischen Industrien zusammenhängen könnte. Christoph Stresing, Geschäftsführer des Start-up-Verbands, erklärt gegenüber ZDFheute: "Krisenzeiten sind Gründerzeiten. Hochqualifizierte Talente entscheiden sich häufiger für die eigene Gründung, statt eine Konzernkarriere anzustreben."

Der Verband verzeichnet für 2025 insgesamt 3.568 Neugründungen - fast ein Drittel mehr als im Vorjahr. Haupttreiber sei allerdings weniger die Krise als vielmehr der breite Einsatz künstlicher Intelligenz. 27 Prozent aller neuen Start-ups nutzen KI als zentralen Bestandteil ihres Geschäftsmodells. Zugleich senkt sie die "Einstiegshürden für Gründungen - von der Programmierung bis zur Recherche", so Stresing.

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Auch Start-ups kämpfen mit Problemen

Bundeswirtschaftsministerin Katharina Reiche sprach angesichts der hohen Zahl an Neugründungen von guten Nachrichten und verwies auf die damit verbundene Hoffnung auf mehr Wachstum und Beschäftigung. Die Bundesregierung schaffe dafür bessere Bedingungen: mehr Wagniskapital, weniger Bürokratie, mehr Talente und ein stark vernetztes Start-up-Ökosystem.

Diese Ambitionen nimmt auch Stresing wahr und begrüßt sie. Zugleich verweist er auf Probleme, die junge Unternehmen besonders stark belasten. Vor allem Bürokratie und Regulierung seien für Start-ups oft schwerer zu bewältigen als für etablierte Konzerne. Zudem fehle es in Deutschland an ausreichend großen Fonds, die umfangreiches Kapital bereitstellen. Das erschwere die Skalierung, also das schnelle Wachstum, vieler junger Unternehmen.

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Reformen und Investitionen nötig

Diese Rahmenbedingungen zu verbessern, ist elementar, um Branchen mit viel Potenzial, wie etwa die Robotik, so groß zu machen, dass sie zur Wertschöpfung in Deutschland beitragen, Arbeitsplätze schaffen und langfristig auch schrumpfende Industrien ersetzen können. Sollten die strukturellen Hemmnisse nicht entschlossener angegangen werden, befürchtet Transformationsexperte Jonas Eckhardt, dass auch viele Start-ups hierzulande daran langfristig scheitern könnten.

Weitreichende Reformen für mehr Wettbewerbsfähigkeit scheinen sowohl für die bestehenden Industrien als auch für den zukünftigen Erfolg neuer Geschäftsmodelle und des Wirtschaftsstandortes insgesamt unausweichlich.

Richard Luttke ist Redakteur im ZDF-Team Wirtschaft & Finanzen.

Über dieses Thema berichtete ZDFheute Xpress in dem Beitrag "Rekordwert an Start-ups in Deutschland" am 08.01.2026 um 19:36 Uhr.

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