Vom Hörsaal ins Jobcenter:Die Gen Z findet keine Arbeit
von Dominik Müller-Russell, Köln
Wirtschaftliche Flaute oder KI: Die Gründe, weshalb Firmen niemanden mehr einstellen, sind vielfältig. Besonders betroffen von der Jobflaute sind junge Akademiker.
Schlechte Zeiten für die Gen Z: Weil die Wirtschaft stockt, finden junge Akademikerinnen und Akademiker kaum noch Jobs. Studieren junge Menschen am Berufsleben vorbei?
06.01.2026 | 9:24 minEine Jobmesse in Köln, Ende November 2025, der sogenannte Absolventenkongress. Tausende junge Menschen drängen sich zwischen den Ständen von Versicherungskonzernen, Unternehmensberatungen, Finanzdienstleistern. "Hey, was machst du morgen?" steht auf Präsentationswänden, oder "Karriere-Starter".
Doch außer den jungen Leuten, die von Stand zu Stand ziehen, bewegt sich zurzeit nicht viel. Der Jobmarkt steht still, die Sprüche an den Wänden müssen auf viele der jungen Absolventinnen und Absolventen wie Hohn wirken.
ZDFheute Infografik
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KI wird für Absolventen zur Konkurrenz
Hannah, die vor einem halben Jahr ihren Master in Marketing und Kommunikation gemacht hat, ist eine der Uniabgängerinnen, die nun den Sprung ins Arbeitsleben versuchen. "Ich gucke vor allem nach Einstiegsjobs, entweder Trainee-Stellen oder andere Einstiegspositionen", sagt sie. "Aber gerade in diesem Bereich ist es momentan besonders schwer."
Alles ist hart umkämpft.
Hannah, Masterabsolventin Marketing und Kommunikation
Mit einer großen Supermarktkette hatte sie eben Kontakt, einem riesigen Arbeitgeber. "Da erwartet man ja, dass die immer mal Jobs ausschreiben". Doch Fehlanzeige. Zumindest im Bereich Marketing und Kommunikation herrscht bei dem Konzern derzeit kein Bedarf. "Ein bisschen habe ich das schon erwartet", sagt Hannah.
Für ihre Masterarbeit hat sie Chefs und Führungskräfte diverser Unternehmen interviewt. "Die haben mir schon gesagt, dass aufgrund von KI und der wirtschaftlichen Lage keine neuen Leute eingestellt werden. Man versucht, Stellen durch KI zu ersetzen und so Geld zu sparen."
Die Anzahl offener Stellen hat in den vergangenen Jahren deutlich abgenommen. Der Einstieg für Berufsanfänger wird immer schwieriger.
07.01.2026 | 1:35 minHandwerk hat Schwierigkeiten, Stellen zu besetzen
Auf der anderen Seite sind in der Messehalle Branchen vertreten, die händeringend nach Fachkräften suchen - im Handwerksbereich, aber auch nach Ingenieurinnen und Ingenieuren. "Ich hätte heute schon mehrere Psychologen einstellen können", berichtet Markus Neumann von der Wasserstraßen- und Schifffahrtsverwaltung des Bundes.
Aber Auszubildende oder auch fertige Wasserbauer findet er nicht. Viele Stellen bleiben unbesetzt. "Das Problem ist, glaube ich, durchaus auch ein gesellschaftliches."
Kaum einer will noch im Handwerk arbeiten.
Markus Neumann, Wasserstraßen- und Schifffahrtsverwaltung des Bundes
"Viele wollen gerne ins Homeoffice", sagt Neumann. Doch das sei bei ihnen nicht möglich. "Wir sind draußen, vor Ort, an den Wasserstraßen."
Schieflage am Arbeitsmarkt
Es scheint eine Schieflage entstanden zu sein. Auf der einen Seite viele hochqualifizierte junge Menschen, auf der anderen Seite unbesetzte Stellen in weniger attraktiven, schlechter bezahlten Branchen.
Andrea Nahles, Chefin der Bundesagentur für Arbeit, sieht die Jobchancen für Arbeitslose auf einem Tiefpunkt. Es komme kein Schwung in den Arbeitsmarkt.
26.12.2025 | 0:22 minHinzu kommt die wirtschaftliche Lage: die Konjunktur stockt, die Industrie schwächelt. Selbst jahrzehntelange Zugpferde wie Bosch, Siemens oder VW streichen Tausende Stellen. Das bekommen auch die Absolventen renommierter Hochschulen wie der RWTH Aachen zu spüren, die bis vor kurzem aus dem Hörsaal heraus wegrekrutiert wurden.
Karriereberaterin rät zu Bewerbung bei kleineren Unternehmen
Anja Robert vom unieigenen Career Center berät nun viele verunsicherte Studierende. Sie empfiehlt, beim Mittelstand und bei Start-ups anzuklopfen, statt wie gewohnt bei Großkonzernen. "Dort gibt es nach wie vor Bedarf." Der Arbeitsmarkt sei nicht dicht, sondern im Wandel, dynamisch.
Fenster haben sich zwar geschlossen, dafür tun sich neue Fenster auf. Im Rüstungsbereich etwa.
Anja Robert, Career Center der RWTH Aachen
Die Zahl der Akademiker, die keinen Job finden, steigt. Das klingt wie ein Widerspruch, wenn man auf der anderen Seite immer wieder vom "Fachkräftemangel" hört.
07.10.2025 | 5:35 minJunge Uniabgänger wie Hannah versuchen, daran zu glauben. Auch sie hat einen Plan B, wenn es auf absehbare Zeit nicht mit einem Job im Marketing- und Kommunikationsbereich klappen sollte. "Vielleicht nehme ich einen Job in einem anderen Bereich an, um die Zeit zu überbrücken. Oder mache noch mal ein Praktikum, um noch mal Erfahrungen zu sammeln." Bis es klappt - irgendwann.
Dominik Müller-Russell berichtet aus dem ZDF-Landesstudio in Nordrhein-Westfalen.
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