Merz beim "Invest in Germany Summit":Das Prinzip Hoffnung: KI-Investitionen mit Signalwirkung
von Jan Henrich
Im Rahmen des Investitionsgipfels in Berlin stellt Merz eine Partnerschaft mit Nvidia vor. Die Bundesregierung wirbt um Geld von Investoren, doch an der Strategie gibt es Kritik.
Die Bundesregierung will beim Investitionsgipfel deutlich mehr privates Kapital für Investitionen mobilisieren. Ziel: Mehr Produktivität und Wirtschaftswachstum auch durch KI.
19.10.2026 | 2:48 minDer Satz "Wirtschaft ist zu 50 Prozent Psychologie" wird häufig Ludwig Erhard zugeschrieben. Vielleicht hatte Bundeskanzler Friedrich Merz ihn im Hinterkopf, als er zum Auftakt des "Invest in Germany Summit", dem zweitägigen Investitionsgipfel der Bundesregierung, auf die Bühne trat. Denn dass er den Gipfel ausgerechnet zusammen mit Nvidia-Chef Jensen Huang eröffnete, hatte vor allem eines: Signalwirkung.
Nvidia gilt aktuell als das wertvollste Unternehmen der Welt und steht wie kaum ein anderes für den KI-Boom. Die Bundesregierung und der Chip-Hersteller haben im Rahmen des Gipfels eine gemeinsame Absichtserklärung unterzeichnet, um die Entwicklung von KI-Modellen für industrielle Nutzung voranzutreiben. Es ist eines der Aushängeschilder, mit denen die Bundesregierung um private Investitionen in den Wirtschaftsstandort Deutschland werben will.
Merz empfängt Nvidia-Chef Huang in Berlin. Es geht um viel Geld und wie sich Deutschland bei der KI aufstellt. Was die geplante Kooperation mit Nvidia bringen könnte - ZDFheute live.
19.10.2026 | 26:39 minBundesregierung will systematisch Investoren ansprechen
Deutschland starte die größte Modernisierungsinitiative seiner jüngeren Geschichte, so Merz bei seiner Eröffnungsrede mit Verweis auf öffentliche Investitionen aus dem 500 Mrd. Euro schweren Sondervermögen und Reformen im Sozialsystem. Der Gipfel sei als eine Einladung an Unternehmen und Investoren gedacht, um an dieser Modernisierung teilzuhaben.
Deutschland ist bereit für Wachstum.
Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU)
Rund 200 internationale und deutsche CEOs nehmen nach Informationen aus dem Kanzleramt daran teil. Man wolle in so viele Einzelgespräche wie möglich eintreten, sagte Merz. Deutschland sei offen für Geschäfte und ein stabiler Partner, so die Werbebotschaft des Bundeskanzlers. Der Nvidia-Chef scherzte später, andere Investoren müssten sich beeilen, bevor er sich alle guten Deals greife.
Mehr privates Kapital nach Deutschland holen – das ist das Ziel beim Investitionsgipfel in Berlin. Wulf Schmiese berichtet, worin für die Regierung die größten Hoffnungen liegen.
19.10.2026 | 1:25 minBundesregierung setzt auf "Deutschlandsfonds"
Aus einer ganz so starken Position, wie bei der Eröffnung dargestellt, scheint die Einladung allerdings nicht zu kommen. Auch wenn die Bundesregierung aktuell unter anderem bei der Gründung von Start-ups Erfolge verbuchen kann, sind laut Zahlen des ifo-Instituts private Wirtschafts-Investitionen in Deutschland seit 2019 gesunken.
Mit verschiedenen Hebeln versucht die Bundesregierung dagegenzusteuern. Beispielsweise durch einzelne Maßnahmen im Bereich Bürokratieabbau, eine Rechenzentrumsstrategie oder den Deutschlandfonds, ein staatliches Finanzierungs- und Absicherungsinstrument in Höhe von 30 Mrd. Euro, mit dem private Investitionen mobilisiert werden sollen. Auch die Aktienrente, die Teil der geplanten Rentenreform ist, dürfte viel Geld in den Kapitalmarkt spülen.
Bis zu 1,75 Billionen Euro Rentenbeiträge könnten in den kommenden Jahren in Aktien fließen. Die Linke spricht von einem "feuchten Traum der Aktionäre".
15.10.2026 | 0:42 minIn der Logik der Bundesregierung scheint das ein entscheidender Motor für Wirtschaftswachstum. Und das ist derzeit auch aus finanzpolitischer Sicht dringend notwendig. Denn jedes Prozent mehr an Wirtschaftswachstum hilft der Bundesregierung, die drohenden Haushaltslücken in den kommenden Jahren zu schließen.
Linke kritisiert: Merz schmückt sich mit großen Unternehmen
Kritik an dem Gipfel kommt insbesondere aus der Fraktion Die Linke im Bundestag. Sie hatte am Nachmittag zu einer eigenen Fachkonferenz über Wirtschafts- und Infrastrukturinvestitionen eingeladen, mit Schwerpunkt auf Transformationsprozesse und kommunale Energieversorger. Die Bundesregierung sei bereit, weitreichende Forderungen von Investoren zu erfüllen - ohne Rücksicht auf Folgen, warnt Lizzy Schubert, die für ihre Fraktion im Finanzausschuss sitzt.
Ein gutes Signal ist der Gipfel nur für Blackrock und Co.
Lizzy Schubert (Die Linke), Mitglied im Finanzausschuss
Auch bei der Partnerschaft mit Nvidia sei entscheidend, ob sie langfristig trage. Etwa die gescheiterte Ansiedlung von Intel in Sachsen-Anhalt zeige, dass privilegierte Partnerschaften mit einzelnen Konzernen keine industriepolitische Strategie ersetzen, so Schubert.
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