Fjørtoft: "Sport ist ein Teil unserer Identität"

Interview

Norwegen trifft auf Brasilien:Fjørtoft: "Sport ist Teil unserer Identität"

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Kultfigur Jan Aage Fjørtoft erklärt vor dem WM-Achtelfinale gegen Brasilien, warum Norwegen mittlerweile mit den Großen mithält und warum Haaland für ihn der beste Spieler ist.

Jan Aage Fjörtoft am 12.09.25

Jan Aage Fjørtoft (Archiv).

Quelle: Imago

Jan Aage Fjørtoft hat zwischen 1986 und 1996 71 Länderspiele (20 Tore) für Norwegen bestritten. Aus der Bundesliga ist der 59-Jährige vor allem wegen eines legendären Übersteigers für Eintracht Frankfurt im Abstiegskampf 1999 bekannt. Die WM verfolgt der für seine schlagfertigen Kommentare bekannte Experte intensiv.

ZDFheute: Sie haben selbst bei der WM 1994 für Norwegen gespielt. Als der Sieg bei der WM 1998 gegen Brasilien gelang, waren Sie schon nicht mehr dabei. Welche Erinnerungen haben Sie noch an die erste WM in den USA?

Jan Aage Fjørtoft: 1994 hatten wir uns zum ersten Mal nach 1938 überhaupt wieder qualifiziert. Wir waren Rookies. Wir haben wie viele andere Mannschaften damals die Hitze unterschätzt. Wir waren nicht 100 Prozent darauf vorbereitet, dass du viel trinken und in den Schatten musst.

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Und so haben wir Fehler gemacht. Die jetzige Mannschaft ist reifer. Die Leistungen sind das Ergebnis einer professionellen Vorbereitung. Unser Nationaltrainer Ståle Solbakken macht einen super Job.

ZDFheute: War zu erwarten, dass Norwegen jetzt das WM-Achtelfinale gegen Brasilien (Sonntag, 22 Uhr MESZ) erreicht?

Fjørtoft: Das Spiel gegen den Irak mussten wir gewinnen, gegen Senegal haben wir auch gewonnen und sind gegen die Elfenbeinküste weitergekommen. Aber wenn man eine Mannschaft mit so vielen guten Offensivkräften, mit so einem guten Teamgeist hat, ist das auch möglich.

1994 waren wir in einer Gruppe mit Irland, Mexiko und Italien. Alle hatten am Ende vier Punkte, aber wir mussten am Ende nach Hause fahren. Für mich war es trotzdem das Highlight der Karriere. Damals haben wir nicht gerudert, aber trotzdem stand das ganze Land hinter uns.

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ZDFheute: Sie sind als Multiplikator beteiligt, dass "Viking Row" zum Markenzeichen wurde: Tausende norwegische Anhänger rudern im Takt auf und die Nationalspieler um Schlagmann Martin Ødegaard machen mit. Die Inspiration soll von dem Anhänger Ole Frøystad durch einen alten Fangesang von Rosenborg gekommen sein.

Fjørtoft: Das Lustige ist, weil er und sein Freund aus meiner Gegend in Norwegen kommen. Zwei treue Fans, die auch in den schwierigen Zeiten dabei waren, als sich Norwegen nie qualifiziert hat. Im März bei einem Freundschaftsspiel in Norwegen ging es los, im April bei einer Veranstaltung, wo ich der Moderator war, hat das mit Zuschauern angefangen.

Und dann haben wir gesagt: Okay, das machen wir weiter. Zwei Monate später geht es um die ganze Welt. Und das ist natürlich für unsere Identität, für unseren Stolz, für unser Land sensationell. Das ist das 'Branding of the Year', denke ich.

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ZDFheute: Warum ist Norwegen so eine Sportnation?

Fjørtoft: Da kommen viele Sachen zusammen. Vier, fünf Nationalspieler kommen aus einer Fußballfamilie. Und ich glaube, in einem kleineren Land lässt man sich mehr voneinander inspirieren. In den 90er-Jahren haben wir nach dem Wintersport auch den Durchbruch im Fußball geschafft. Leichtathletik, Tennis und Golf - andere Sportarten sind dazugekommen. Sport ist ein Teil unserer Identität. Alle Kinder in Norwegen machen Sport, weil es auch aus gesundheitlichen Gründen gut ist.

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ZDFheute: Es kommt im Achtelfinale zum Duell zwischen Erling Haaland mit fünf WM-Toren und Vinicius Junior mit vier. Prallen da zwei unterschiedliche Stürmer aufeinander?

Fjørtoft: Ja, deshalb kann man sie auch kaum vergleichen. Erling ist der klassische Goalgetter, der auch dann trifft, wenn man ihn länger nicht gesehen hat. Ich finde gut, dass die Jungs jetzt verschiedene Typen sind. Früher waren sie sich alle sehr ähnlich. Eine klassische Nummer neun als Knipser, so wie früher Gerd Müller. Heute ist eigentlich zwischen diesen Spielern die einzige Gemeinsamkeit, dass sie liefern.

ZDFheute: Wer ist bisher der beste Spieler dieser WM?

Fjørtoft: Wenn man sieht, was Lionel Messi macht, ist das ja sensationell. Aber ich bleibe bei meinem Norweger, also Haaland. Und wenn ich ihn sehe, denke ich: Gott sei Dank spiele ich nicht mehr mit, weil es jetzt so viel schneller geht als zu meiner Zeit.

ZDFheute: Auch Außenseiter wie DR Kongo, Senegal oder Kap Verde haben aufgeholt und sammeln bei dieser WM gerade weltweite Sympathien ein. Wie erleben Sie das?

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Fjørtoft: Was für ein Wahnsinnsspiel von Kap Verde gegen Argentinien. Sie haben nicht nur gut verteidigt, sondern auch smart nach vorne gespielt. Eine sensationelle Mischung mit der Ausbildung in Europa, dazu kommen diese Fitness, dieser Hunger.

Ich habe vom ersten Tag der WM gesagt, dass ich 48 Mannschaften klasse finde. Wir Europäer sollten aufpassen - ich sage das in Anführungszeichen - mit dieser imperialistischen Einstellung.

Das Interview führte Frank Hellmann.

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