Jüngster Formel-1-Champion aller Zeiten:Kimi Antonelli: Toto Wolffs Meisterstück
von Claudio Palmieri
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Mit 20 Jahren krönt sich Mercedes-Pilot Andrea Kimi Antonelli zum bisher jüngsten Formel-1-Weltmeister - und das nicht nur, weil er im besten Auto sitzt. Eine doppelte Würdigung.
Mercedes-Pilot Kimi Antonelli ist jüngster Formel-1-Weltmeister. Mit der Trophäe in der Hand feiert er seinen Gewinn nach dem Großen Preis von Mexiko.
Quelle: AFPEr ist doch noch so jung. Wie oft Andrea Kimi Antonelli diesen Satz gehört haben wird? Auf jeden Fall schon 2022, als er mit 15 Jahren in drei Formel-4-Serien an den Start ging - und zwei davon als Meister abschloss. Ganz sicher auch 2024, als er die Formel 3 übersprang, in die Formel 2 aufstieg - und kurz nach seinem 18. Geburtstag als neuer Mercedes-Stammfahrer für die Formel-1-Saison 2025 vorgestellt wurde.
Dass Antonelli tags zuvor beim Freien Training in Monza in der Parabolica abgeflogen war, rief die Jugendwahn-Mahner auf den Plan, änderte aber nichts mehr an der Idee der Silberpfeile. Und so ist Antonellis erster Weltmeister-Titel in der Königsklasse jetzt, zwei Jahre später, vielleicht vor allem das: eine Masterclass in Sachen Menschenführung.
Kimi Antonelli bei der Fahrerparade vor dem Großen Preis von Mexiko.
Kimi Antonelli bei der Fahrerparade vor dem Großen Preis von Mexiko. Das Rennen macht ihn später zum jüngsten Weltmeister in der Geschichte der Formel 1.
Quelle: dpaToto Wolff und das "Wunderkind"
Die Beharrlichkeit, mit der Mercedes-Motorsportchef Toto Wolff seinen Fahrer-Junior über neun Jahre förderte und nach jedem Rückschlag in der Debütsaison verteidigte, sucht in der Sportwelt ihresgleichen. Hier war jemand fest überzeugt: Es würde nur eine Frage der Zeit sein, bis das "Wunderkind" - wie der Wiener den nun jüngsten WM-Gewinner aller Zeiten schon früh nannte - Wundertaten vollbringen würde.
Wenig überraschend war es Wolff selbst, der nach Antonellis erstem Sieg in Shanghai im März alle Kritiker via Teamradio verstummen ließ:
Er ist zu jung. Wir sollten ihn nicht in einen Mercedes setzen. Steckt ihn in ein kleineres Team. Er braucht noch Erfahrung. Schaut, was für Fehler er macht. Here we go, Kimi. Victory!
Toto Wolff
Dass an diesem Tag auch die Hierarchie bei den Silberpfeilen kippen würde, war indes noch nicht abzusehen. Der Auftakt in Melbourne war an George Russell gegangen, der 2025 mehr als doppelt so viele WM-Punkte wie Antonelli gesammelt hatte. Der Engländer, der einst ebenfalls dem Mercedes-Nachwuchsprogramm angehörte, galt als klarer Titelkandidat im besten Auto.
Längste Serie eines Sieg-Debütanten
Wolffs Funkspruch von Shanghai hat im Rückblick also etwas von einem Brustlöser - genauso wie die Tränen, die Antonelli auf dem Podium vergoss. Nach China gewann der Youngster aus Bologna auch in Suzuka, Miami, Montréal und Monaco. Die mit Abstand längste Serie eines Sieg-Debütanten.
Wie stimmig das Vater-Sohn-artige Verhältnis zwischen Wolff und Antonelli ist, zeigt sich auch im Zusammenspiel mit Antonellis Familie. Papa Marco, ein Ex-Rennfahrer und naturgemäß Kimis erster Förderer, ist bei jedem Grand Prix vor Ort - ohne je in den Vordergrund zu drängen. Ein angenehmer Zeitgenosse. In Mexiko waren auch Mama und Schwester dabei.
Diese Harmonie spiegelt sich im Auftreten des Sohnemanns wider: jugendlich unbeschwert, aber immer höflich - und nie abfällig gegenüber Konkurrenz oder eigenem Team, auch nicht im Eifer des Renngefechts. Mutig auf der Strecke, aber stets bedacht - und erstaunlich routiniert. Vor allem aber: schnell. Sehr schnell.
Sofort auf George Russels Niveau?
Insider berichten, dass sich Antonelli bei ersten geheimen Formel-1-Tests als Teenager quasi sofort auf Russells Niveau auf den Longruns bewegt haben soll. Machtdemonstrationen wie bei seinem Heimrennen in Monza, das der 20-Jährige von Startplatz 19 aus gewann, oder zuletzt in Austin untermauern solche Erzählungen.
Für Toto Wolff war Antonellis Erfolg höchstens eine Frage der Eingewöhnung. Und so hat die Formel 1 jetzt nicht nur einen neuen jüngsten Weltmeister - sondern auch einen Champion, der sein volles Können im Zeitalter des Batterie-Managements womöglich noch nicht einmal gezeigt hat.
In Italien wartet derweil nicht weniger als ein Ikonisierungsprozess auf Antonelli. Seit 1953 mussten die Tifosi auf den Nachfolger von Alberto Ascari warten - so lange, dass seit jeher nur Ferrari-Triumphe von Bedeutung waren. Antonelli, der nicht nur wegen seiner Startnummer 12 an den legendären Ayrton Senna erinnert, dürfte in die Riege von Valentino Rossi, Alberto Tomba oder Jannik Sinner vorstoßen, die ganze Äras in ihren Sportarten präg(t)en.
Dabei ist er doch noch so jung.
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