Hohe Gehälter, teure Transfers:Alarm im englischen Fußball: Geld reicht Vereinen nicht
von Frank Bethmann
In England schrillen im Fußball die Alarmglocken: Fast alle Profiklubs schreiben Verluste. Die Bundesliga steht finanziell bisher noch besser da. Doch der Druck ist groß.
Trotz Milliardeneinnahmen schreiben viele englische Profiklubs Verluste. Ohne Investorengeld könnten sie sich nur etwa 30 Tage halten. Die Bundesliga steht besser da – noch.
01.11.2026 | 1:02 minDer englische Fußball liefert ein beunruhigendes Bild. Nach dem Berichtsentwurf der unabhängigen englischen Fußballaufsichtsbehörde Independent Football Regulator (IFR) schrieben in der Saison 2025/26 rund 94 Prozent der Vereine in den fünf höchsten englischen Spielklassen Verluste vor Steuern.
Knapp 30 Prozent der befragten Klubs gaben an, ohne zusätzliche Unterstützung ihrer Eigentümer nicht länger als 30 Tage überleben zu können.
Leere Vereinskassen trotz Rekordeinnahmen
Das Paradoxe: Der englische Profifußball ist ein Milliardenmarkt. Fernsehverträge, Sponsoring und internationale Vermarktung bringen Rekordeinnahmen. Rund neun Milliarden Pfund (rund 11 Milliarden Euro) Umsatz machten die Vereine auf der Insel laut IFR in der Saison 2025/26. Trotzdem reicht das Geld bei vielen Vereinen nicht aus, um die laufenden Kosten zu decken.
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17.09.2026 | 14:15 minDer Grund liegt im sportlichen Wettbewerb. Wer aufsteigen, Titel gewinnen oder sich für internationale Wettbewerbe qualifizieren will, investiert in teure Spieler und hohe Gehälter. Wer nicht mithält, riskiert sportliche und wirtschaftliche Nachteile. Mancher Verein geht dabei so weit, dass der finanzielle Kollaps droht.
Bundesliga wirtschaftet solider als Englands Fußball
Die finanzielle Situation in der Bundesliga in Deutschland sieht etwas anders aus. Die 36 Klubs der ersten und zweiten Liga erzielten in der Saison 2024/25 laut Deutscher Fußball Liga (DFL) einen Rekordumsatz von 6,3 Milliarden Euro. Nach Ausgaben von knapp über sechs Milliarden Euro blieb ein Überschuss von rund 271,5 Millionen Euro. Damit präsentiert sich die Bundesliga finanziell solider als der englische Profifußball.
Henning Vöpel, Experte für Sportökonomie, überrascht das nicht:
Die Bundesliga ist finanziell deutlich nachhaltiger und stabiler aufgestellt als die anderen großen europäischen Ligen.
Prof. Dr. Henning Vöpel, Ökonom, Vorstand des Centrums für Europäische Politik (cep)
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20.06.2026 | 10:27 minDafür verantwortlich seien, so Vöpel, vor allem ein Lizenzierungssystem, das frühzeitig auf die Korrektur von Fehlentwicklungen hinwirkt, und die 50+1-Regel, die den Einfluss von externen Investoren in vielen Fällen begrenze.
Die 50+1-Regel soll sicherstellen, dass die Mitglieder eines Fußballvereins grundsätzlich auch im Profifußball die Kontrolle behalten und nicht ein Investor allein das Sagen übernimmt. Bei den Klubs der 1. und 2. Bundesliga muss der Mutterverein grundsätzlich mindestens 50 Prozent plus eine Stimme der Stimmrechte an der ausgegliederten Profifußballgesellschaft halten. Investoren dürfen Kapital bereitstellen, aber grundsätzlich keine Stimmenmehrheit übernehmen.
Kritiker bemängeln Wettbewerbsverzerrungen durch Ausnahmen von der 50+1-Regel: Bayer Leverkusen wird vom Bayer-Konzern, der VfL Wolfsburg von Volkswagen getragen. Bei der TSG Hoffenheim erhielt SAP-Mitgründer Dietmar Hopp einst eine Ausnahme; Ende 2023 übertrug er die Mehrheit der Stimmrechte an den Verein zurück.
Steigende Gehälter setzen Bundesliga unter Druck
Doch auch in Deutschland steigen die Kosten. Allein die Gehälter für Spieler und Trainer der Bundesliga erreichten 2024/25 mit 1,7 Milliarden Euro einen Rekordwert.
Damit steht die Bundesliga vor einem Dilemma: "Nach wie vor gibt es ein 'Rattenrennen' um die großen Geldtöpfe im Fußball", erklärt Sportökonom Vöpel. Doch das erfordere große Investitionen. "Die Schulden wachsen dadurch zum Teil schneller als die Erlöse", so Vöpel. Hält diese Entwicklung an, könnten auch in der deutschen Liga englische Verhältnisse drohen.
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08.06.2026 | 4:03 minEuropäisches Regelwerk soll Ausgaben der Klubs begrenzen
Als gegensteuerndes Instrument hat die UEFA 2015 das Financial Fairplay installiert. 2022 wurden daraus die umfassenderen Financial Sustainabilty Regulations. Das europäische Regelwerk soll verhindern, dass Fußballklubs dauerhaft über ihre Verhältnisse leben.
Die UEFA kann Geldstrafen verhängen, Auflagen erteilen, Transferausgaben und Kader begrenzen oder Klubs von europäischen Wettbewerben ausschließen.
Aber: Financial Fairplay schafft keine Chancengleichheit. Klubs mit hohen Einnahmen und finanzstarken Eigentümern können weiterhin deutlich mehr investieren als kleinere Konkurrenten.
Im Laufe der Jahre verhängte die UEFA immer wieder Sanktionen; zuletzt im Juli 2026 gegen 14 Vereine wegen Verstößen gegen ihre finanziellen Nachhaltigkeitsregeln, darunter Newcastle United, Juventus Turin und FC Chelsea.
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16.05.2025 | 82:38 minWarum Financial Sustainability nicht genügt
Die UEFA begrenze inzwischen die Kaderkosten auf 70 Prozent der maßgeblichen Einnahmen, so Christoph Breuer von der Deutschen Sporthochschule Köln. Und doch habe das Regelwerk Grenzen.
Financial Sustainability garantiert weder Gewinne noch jederzeit ausreichende Liquidität.
Prof. Dr. Christoph Breuer, Professor für Sportökonomie und Sportmanagement, Deutsche Sporthochschule Köln
Zudem beträfen die UEFA-Regeln nur die Europapokalteilnehmer. "Die englische Finanzkrise reicht weit darüber hinaus", ordnet Breuer die Probleme des Fußballs auf der Insel ein. Die nationalen Regelwerke seien daher wichtiger, da sie alle Klubs beträfen.
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21.06.2026 | 0:54 minBundesliga - Teil des europäischen Fußball-Business
Das Lizenzierungsverfahren in Deutschland sei vorausschauend; es prüfe jährlich, ob die Klubs den Spielbetrieb finanzieren und ihre Verpflichtungen erfüllen könnten, so Breuer.
Und doch ist das kein Grund zur Entwarnung. Denn trotz milliardenschwerer Einnahmen sind zahlreiche britische Klubs in Schwierigkeiten. "Die Bundesliga kann sich nicht völlig entkoppeln von den finanziellen Risiken des europäischen Fußballs, dessen Teil sie ist. Die Spieler-, Sponsoren- und Medienmärkte sind heute internationale", sagt Vöpel.
Immerhin: Die Tatsache, dass sie stabiler ist als andere Ligen, macht sie resilienter, sind sich beide Fachleute einig.
Frank Bethmann ist Redakteur im ZDF-Team Wirtschaft und Finanzen.
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