Tschernobyl 40 Jahre später: Radioaktivität und Notfallschutz

40 Jahre nach Tschernobyl:Radioaktive Belastung und Notfallschutz heute

von Julia Tschakert

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Nach dem Super-GAU 1986 in Tschernobyl: Wie Deutschland heute auf einen nuklearen Notfall reagieren würde und wie hoch die radioaktive Belastung in manchen Gebieten immer noch ist.

Tschernobyl: 40 Jahre nach der Katastrophe

Vor 40 Jahren kam es im Norden der Ukraine zu einer vollständigen Kernschmelze. In Deutschland war man darauf nicht vorbereitet. Gibt es inzwischen angepasste Notfallpläne und Schutzmaßnahmen?

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Als die radioaktive Wolke nach dem Reaktor-Unfall von Tschernobyl auf Deutschland zusteuerte, herrschte vor allem eines: Verunsicherung. Informationen flossen nur zögerlich und es dauerte Tage bis überhaupt ein Lagebild entstand. Unterschiedliche Bundesländer verfügten unterschiedliche Maßnahmen. So verstrich Zeit, in der Menschen radioaktiv belastete Lebensmittel aßen und nicht nur gefühlt im - radioaktiven - Regen stehen gelassen wurden.


Nahrungsmittel auch heute noch belastet

In manchen Gegenden Deutschlands sind bestimmte Pilz- und Wildarten bis heute mit Cäsium-137 belastet, einem langlebigen radioaktiven Isotop. Besonders betroffen sind Gebiete im Süden, da es hier während des Durchzugs der radioaktiven Luftmassen geregnet hatte. Die Kontamination kann dort in einigen Gebieten immer noch Werte von 1.000 Becquerel Cäsium-137 pro Kilogramm und darüber erreichen.

Altes Foto von Tschernobyl

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In Deutschland ist es nicht erlaubt, Lebensmittel mit mehr als 600 Becquerel Cäsium-137 pro Kilogramm in den Handel zu bringen. Für den Eigenverzehr von selbst erlegtem Wild und selbst gesammelten Pilzen gilt diese Beschränkung jedoch nicht. Jäger und Pilzsammler sollten sich deshalb über die zusätzliche Strahlendosis durch den Verzehr von Wildpilzen und Wildbret informieren, rät Martin Steiner vom Bundesamt für Strahlenschutz (BfS).

Wichtig ist nicht die Kontamination des Lebensmittels allein, sondern auch die Verzehrmenge.

Dr. Martin Steiner, Leiter Fachgebiet Radioökologie

Als Faustformel gelte: 80.000 Becquerel Cäsium-137, die ein Erwachsener zu sich nimmt, entsprechen einer Strahlendosis von einem Millisievert. Laut Steiner bedeute das, man müsse 80 Kilogramm Pilze zu sich nehmen, die in Höhe von 1.000 Becquerel pro Kilogramm belastet seien. Erst dann habe man eine Strahlendosis von einem Millisievert erreicht.

Millisievert (mSv) ist die Maßeinheit für die biologische Wirkung radioaktiver Strahlung auf den menschlichen Körper. 1 Millisievert pro Jahr ist der Grenzwert (maximal zulässige Dosis) der jährlichen Strahlenexposition für Personen der allgemeinen Bevölkerung.

Dieser Wert bezieht sich auf alle Strahlenexpositionen durch kerntechnische und sonstige Anlagen zur Erzeugung ionisierender Strahlung sowie den Umgang mit radioaktiven Stoffen.

Für Strahlung aus natürlichen Quellen existiert derzeit kein gesetzlicher Dosisgrenzwert. Im Alltagsleben ist der Mensch einer natürlichen Umgebungsstrahlung im Mittel von 2,1 Millisievert pro Kalenderjahr ausgesetzt. Je nach örtlichen Gegebenheiten und Lebensweise kann dieser Wert schwanken.

Hinzu kommt Strahlung aus künstlichen Quellen, etwa bei medizinischen Untersuchungen. Medizinische Strahlenanwendungen sind von den genannten Begrenzungen ausgeschlossen.

Becquerel (Bq) ist die physikalische Maßeinheit der Aktivität eines radioaktiven Stoffes und gibt an, wie viele Atomkerne pro Sekunde spontan zerfallen. Der Wert sagt nichts über die Gefährlichkeit der Strahlung aus.

Quelle:
Bundesamt für Strahlenschutz


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Wie gefährlich sind belastete Pilze und Wild?

Das über Wildbret und Pilze aufgenommene Cäsium-137 zerfällt erst über einen längeren Zeitraum im Körper und wird nur nach und nach wieder ausgeschieden. Die Strahlendosis, die so im Körper entsteht, wird rechnerisch bis zum Lebensende berücksichtigt.

Übertreibt man den Verzehr von selbst gesammelten Pilzen oder selbst erlegtem Wild nicht, besteht aus Sicht des Strahlenschutzes kein Anlass zur Sorge.

Dr. Martin Steiner, Leiter Fachgebiet Radioökologie

Was jedem natürlich offen bliebe, sei die persönliche Entscheidung, ganz auf jegliche Strahlendosis zu verzichten und eben keine Pilze und auch kein Wildbret zu essen, so Steiner.

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Wie Notfallschutz bei einem Reaktorunfall heute aussieht

Der Strahlenschutz in Deutschland hat sich nach der Reaktorkatastrophe von Tschernobyl grundlegend verändert. Messsysteme, Notfallpläne und Kommunikation sind heute besser organisiert und sollen im Ernstfall schnell Orientierung bieten. Dabei mache es keinen Unterschied, ob ein Reaktorunfall im fernen oder nahen Ausland passiere, sagt Inge Paulini, Präsidentin des Bundesamtes für Strahlenschutz.

Unsere Notfallplanung in Deutschland deckt auch alle Grenzregionen gut ab.

Dr. Inge Paulini, Bundesamt für Strahlenschutz

Damals habe es Wochen gedauert, einen Gesamtüberblick über die radiologische Situation in Deutschland zu gewinnen, erklärt Florian Gering, Leiter Abteilung Radiologischer Notfallschutz beim BfS. Ziel sei es, dies heute in wenigen Stunden zu erreichen.

Die Katastrophe von Tschernobyl hatte vor allem Schwächen in der Kommunikation und Koordination gezeigt. Heute gibt es klare Zuständigkeiten. Bei einem radiologischen Notfall tritt ein spezieller Krisenstab zusammen - das radiologische Lagezentrum des Bundes.

Bei einem radiologischen Notfall arbeiten hier unter der Leitung des Bundesumweltministeriums Fachleute vom Bundesamt für Strahlenschutz (BfS), Bundesamt für die Sicherheit der nuklearen Entsorgung (BASE), der Gesellschaft für Anlagen- und Reaktorsicherheit (GRS) und vom Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe (BBK) in einem Netzwerk zusammen.

Die Einschätzungen des radiologischen Lagezentrums sind die Grundlage für Entscheidungen des Katastrophenschutzes in Bund und Ländern. Diese können jedoch regionale Besonderheiten berücksichtigen.


Fluchtrucksack, Notvorrat & Co.
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Notfallvorsorge schützt im Ernstfall: Wie sinnvoll Lebensmittelvorräte, Wasserspeicher und Fluchtrucksack sind, wie man die Vorbereitung angeht und was zwei Experten dazu raten.
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Utensilien wie Taschenlampe, Wasserflaschen, Erste-Hilfe-Set, Reisepass, Bargeld und Streichhölzer für einen Notfallrucksack auf einem Tisch.

Heute können Fachleute innerhalb weniger Stunden ermitteln, ob, wo und wie viel Radioaktivität freigesetzt wurde. Auch international ist Deutschland eng vernetzt: Messdaten zur Radioaktivität in der Umwelt werden europaweit und darüber hinaus ausgetauscht - auch über die Kanäle der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEA).

Im Gegensatz zur Zeit des Reaktorunfalls von Tschernobyl gibt es heute zudem Grenz- beziehungsweise Schwellenwerte, ab denen eine Gefährdung angenommen wird.

Julia Tschakert ist Redakteurin der ZDF-Sendung "Volle Kanne - Service täglich".

Ausführliche Informationen zum Thema radioaktive Belastung von Nahrungsmitteln gibt es beim:
Bundesamt für Strahlenschutz,
Bayerischen Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit,
Niedersächsischen Landesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit,
der Verbraucherzentrale und bei den örtlichen Umweltbehörden.


Über dieses Thema berichtete das ZDF in der Sendung "Volle Kanne" am 27.04.2026, ab 09:05 Uhr.

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