Hoffnung auf schnelles Geld:Wenn Sportwetten süchtig machen
von Tom Khazaleh
Sportwetten boomen - auch in Deutschland. Das schnelle Geld lockt. Doch auf Sportergebnisse zu wetten, kann schnell zur Sucht werden. Wie Betroffene und Angehörige Hilfe finden.
Gerade zur Fußball-WM wird das Thema Glücksspiel wieder sichtbar. Eine Spielsucht zählt zu den anerkannten psychischen Erkrankungen. Sie kann drastische Folgen haben.
22.06.2026 | 3:08 minViel Geld gewinnen - schnell und unkompliziert. Dafür einfach nur auf das richtige Ergebnis eines Fußballspiels oder anderen Sportereignisses tippen: Sportwetten versprechen genau das. Und viele folgen dem Versprechen. Seit 2017 geben die Deutschen jedes Jahr zwischen sieben und neun Milliarden Euro für Sportwetten aus.
Die Zielgruppe ist männlich, jung und sportbegeistert. Besonders beliebt sind Online-Wetten. Sie sind auf dem Smartphone und rund um die Uhr verfügbar. Das senkt die Hemmschwelle und macht Sportwetten für viele attraktiv. Die Spieler vertrauen hier vor allem auf ihr vermeintliches Sportwissen, sagt Tobias Hayer, Psychologe und Glücksspielforscher an der Universität Bremen.
Der eigene Fußballsachverstand soll zum Gewinn beitragen. Doch das ist ein kompletter Trugschluss. Letztendlich sind Sportwetten auch ein Glücksspiel.
Dr. Tobias Hayer, Psychologe und Glücksspielforscher
Glücksspiel boomt, besonders durch digitale Angebote. Dr. Steffen Otterbach, Leiter der Forschungsstelle Glücksspiel an der Universität Hohenheim, über Auslöser und Risiken.
22.06.2026 | 6:03 minSportwetten: Werbung vermittelt positives Image
Werbung für Sportwetten ist allgegenwärtig: Coole Fernsehspots, Banner in den Fußballstadien oder Clips im Internet. Prominente werben für Sportwettenanbieter, Fußballvereine werden von ihnen gesponsert. Dadurch werden Sportwetten immer mehr zu etwas ganz Alltäglichem, zu etwas, das zum Leben eines echten Sportfans offenbar dazugehört. In der Werbung wird ganz bewusst das Glücksspiel mit dem positiven Image von Sport verknüpft.
Jubelnde Fans, sportbegeisterte Menschen in Spots: Werbung soll suggerieren, dass Wetten zum Sport dazugehört, dass Zocken selbst Sport ist.
Dr. Tobias Hayer, Universität Bremen
Die permanente Verfügbarkeit, das vermeintliche Fachwissen und das positive Image durch Werbung trage zum hohen Suchtpotenzial von Sportwetten bei, so der Psychologe.
Als Fußballfan kommt man an Sportwetten kaum vorbei. Vier Gründe, warum Sportwetten so beliebt sind - mit Nico Heymer.
03.07.2024 | 13:21 minWenn aus dem Wetten eine Sucht wird
Glücksspielsucht ist in Deutschland eine anerkannte Erkrankung. Hierzulande gelten 1,3 Millionen Menschen als glücksspielsüchtig. Weitere 3,3 Millionen zeigen ein riskantes Verhalten. Was oft mit einer einzelnen Wette auf den Lieblingsverein beginnt, kann sich innerhalb kurzer Zeit in eine Glücksspielsucht entwickeln.
Wenn man gewinnt, will man die Erregung nochmal spüren, mehr Kohle gewinnen. Wenn man verliert will man den Verlust reinholen. So beginnt eine Abwärtsspirale.
Dr. Tobias Hayer, Universität Bremen
Chasing-Verhalten, das Hinterherjagen von Verlusten, nennen Experten das typische Suchtmerkmal. Weitere Anzeichen einer Abhängigkeit sind der Drang, immer häufiger und riskanter zu wetten - ebenso, wenn für Spieler das Wetten zum zentralen Lebensinhalt wird. Süchtige erleben oft einen totalen Kontrollverlust. Sie wetten weiter, auch wenn sie bereits pleite sind. Der Schuldenberg wächst bei manchen in die Hunderttausende und mehr.
In Deutschland gibt es seit Juli 2021 einen Glücksspielstaatsvertrag. Dieser erlaubt Sportwetten unter gewissen Voraussetzungen. In den Jahren zuvor bewegten sich Sportwetten in einer rechtlichen Grauzone: Sie waren nicht explizit verboten, aber auch nicht durch Lizenzen genehmigt. Anbieter nutzten in dieser Zeit juristische Schlupflöcher und beriefen sich auf Lizenzen aus Malta und Gibraltar.
Erst seit 2021 können Betreiber legal Sportwetten in Deutschland anbieten, indem sie eine Konzession erlangen. Zusätzlich müssen Wettanbieter sich an bestimmte Vorschriften halten: Unter anderem darf kein Spieler pro Monat mehr als 1.000 Euro einzahlen. Ebenso ist es nicht erlaubt, Spieler an Wetten teilhaben zu lassen, die aus Selbstschutz gesperrt sind.
Illegale Sportwetten boomen, nicht nur beim Amateur-Fußball. Ob Volleyball, Handball oder Eishockey - im Netz kann auf viele Ligen illegal gewettet werden.
16.01.2025 | 16:00 minTherapie gegen die Wettsucht
Betroffene müssen einsehen und erkennen, dass sie suchtkrank sind. Häufig bagatellisieren sie monate- oder jahrelang ihr Suchtverhalten. Dabei spielt die Dauer der Spielsucht für die Behandlung eine wichtige Rolle.
Je früher man sich helfen lässt, desto eher zeigt eine Therapie einen nachhaltigen Erfolg. Also lieber früh die Reißleine ziehen.
Dr. Tobias Hayer, Psychologe und Glücksspielforscher
Wichtig ist, sich professionelle Hilfe zu holen. Gerade für den Erstkontakt sind ambulante Beratungsstellen, Hotlines und Onlineberatungen eine gute erste Anlaufstelle. Auch gibt es deutschlandweit Selbsthilfegruppen.
Fach- und Rehakliniken bieten mehrmonatige Programme an, um die Sucht zu behandeln. Oft sind auch langfristige Psychotherapien notwendig. Wichtig ist, dass Betroffene sich zum Selbstschutz über das Sperrsystem OASIS bei allen Wettanbietern sperren lassen.
Fast 100.000 Euro gibt Daniel für Online-Glücksspiele aus. Er fängt mit 16 mit Videogames an. Später kommen Roulette, Poker und Sportwetten hinzu. Er überwindet die Sucht dank einer Therapie.
14.10.2024 | 41:20 minAufklärung ist ein wesentliches Instrument im Kampf gegen Sportwetten-Sucht. So gibt es Initiativen und Kampagnen in Sportvereinen oder Schulen, um auf die Gefahren von Sportwetten hinzuweisen. Der Deutsche Fußballverband bietet unter anderem Schulungen für seine Trainer an, um sie für das Thema zu sensibilisieren. Ehemalige Sportwetten-Süchtige gehen in Schulklassen und berichten offen über die Gefahren. Suchtexperten ist das insgesamt noch zu wenig. Sie fordern deutlich mehr Aufklärung bei jungen Leuten.
Der Übergang zwischen gelegentlichen Wetten und problematischem Wettverhalten ist schleichend. Wer sich unsicher ist, ob er bereits spielsüchtig ist, kann im Internet Selbsttests machen oder sich bei Beratungsstellen informieren.
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Dieser Beitrag wurde erstmals am 25. September 2024 veröffentlicht und am 1. Juli 2026 aktualisiert.
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