Trumps Grönland-Streit: Strack-Zimmermann warnt vor Eskalation

Trumps Grönland-Streit mit der EU:Strack-Zimmermann: "Es wird eine Eskalation geben müssen"

von Ninve Ermagan

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Keine Unterwerfung, kein Appeasement: Marie-Agnes Strack-Zimmermann warnt in Davos vor Trumps Machtpolitik. Wer jetzt nicht Haltung zeigt, überlässt dem "Raudi den Schulhof".

strack-zimmermann

Im Grönland-Konflikt "wird es eine Eskalation geben müssen“, Europa müsse nun gemeinsam reagieren, sagt die Vorsitzende des Verteidigungsausschusses im EU-Parlament, Marie-Agnes Strack-Zimmermann.

21.01.2026 | 6:18 min

Marie-Agnes Strack-Zimmermann findet im ZDF-Morgenmagazin klare Worte für die Politik von US-Präsident Donald Trump. Für sie handelt es sich bei dem Weltwirtschaftsgipfel in Davos um eine "große Trump-Show."

Da wird etwas geclaimed unter Frieden, was alles andere ist als friedlich, denn wir sehen ja das Verhalten von Trump in der ganzen Welt.

Marie-Agnes Strack-Zimmermann (FDP), Vorsitzende des Ausschusses für Sicherheit und Verteidigung im EU-Parlament

Die Sorge, Trump verärgern zu können, teilt Strack-Zimmermann nicht. Ihrer Einschätzung nach habe Trump längst kein Interesse mehr an einer partnerschaftlichen Beziehung zu Europa. "Ich glaube, dass man Trump gar nicht mehr verprellen kann, sondern er grundsätzlich erst mal mit uns nichts zu tun haben will." Der US-Präsident habe "ein ausgeprägtes Ego", weshalb es nun an Europa sei, selbstbewusster aufzutreten:

Es wird Zeit, dass Europa mal das eigene Ego rausholt.

Marie-Agnes Strack-Zimmermann (FDP), Vorsitzende des Ausschusses für Sicherheit und Verteidigung im EU-Parlament

heike-slansky

Trump habe bei einer Pressekonferenz "etwas Zuversicht verbreitet, als er meinte, er werde schon mit den Europäern eine Lösung finden“, so ZDF-Korrespondentin Heike Slansky aus Washington.

21.01.2026 | 3:18 min

Strack-Zimmermann fordert geschlossenes Auftreten der EU

In diesem Zusammenhang verweist sie auch auf die scharfe Kritik aus den USA selbst. Sie schließe sich ausdrücklich den Worten des kalifornischen Gouverneurs an, der Europas Umgang mit Trump als "erbärmlich" bezeichnet habe. "Schlimm genug, dass uns das einer erzählen muss", sagt Strack-Zimmermann und betont, dass die diplomatischen Bemühungen der vergangenen Monate gescheitert seien: "Die Bemühungen, mit Trump klarzukommen, die bestehen ja seit einem Jahr, aber das nützt nicht." Deshalb sei nun ein Wendepunkt erreicht:

Die Zeit ist gekommen, heute dagegenzuhalten. Und da kann ich nur sagen: Macron hat recht. Jetzt reicht es.

Marie-Agnes Strack-Zimmermann (FDP), Vorsitzende des Ausschusses für Sicherheit und Verteidigung im EU-Parlament

Auch vor wirtschaftlichen Gegenmaßnahmen schreckt sie nicht zurück. Die Drohungen Trumps mit neuen Zöllen hält sie für ein Machtinstrument, dem Europa nicht länger tatenlos zusehen dürfe. Zwar wolle niemand einen Handelskrieg - gleichzeitig sei immer wieder versucht worden, Trump die Konsequenzen seiner Politik zu erklären.

Armin-Laschet

"Das Wichtigste ist für uns Europäer, dass wir jetzt zu einem gerechten Frieden für die Ukraine beitragen“, sagt Armin Laschet, Vorsitzender des Auswärtigen Ausschusses, zum Umgang mit Trump.

21.01.2026 | 5:16 min

Kritik an Kanzler Merz: "Erschreckend still"

"Wer Zölle erhebt, beschädigt ja nicht nur den Handel, sondern das zahlen die Konsumenten - und das werden auch die amerikanischen Bürgerinnen und Bürger letztlich zu spüren bekommen. Und ob da Champagner oder was auch immer verzollt wird - die reichen Amerikaner werden Champagner trotzdem trinken," erklärt die FDP-Politikerin.

Kritik äußert Strack-Zimmermann auch an der deutschen Bundesregierung. Der Kanzler verhalte sich "momentan erschreckend still", offenbar in der Hoffnung, die Situation aussitzen zu können. Doch genau das sei nicht mehr möglich:

Man kann hier nichts mehr aussitzen, sondern Trump ist aggressiv, und ich finde, wir sollten reagieren - am besten gemeinsam.

Marie-Agnes Strack-Zimmermann (FDP), Vorsitzende des Ausschusses für Sicherheit und Verteidigung im EU-Parlament

Wie könnte die EU auf Trump reagieren?

Gegenzölle seien ein legitimes Mittel und würden auch im Europäischen Parlament diskutiert. Trotz aller Risiken sei Passivität keine Option:

Nichts zu machen und einem Raudi den Schulhof zu überlassen, hat noch nie zu was Gutem geführt.

Marie-Agnes Strack-Zimmermann (FDP), Vorsitzende des Ausschusses für Sicherheit und Verteidigung im EU-Parlament

Mit Blick auf Trumps Auftritt in Davos erwartet Strack-Zimmermann keine Entspannung: "Es wird eine Eskalation geben müssen". Sie rechnet damit, dass Trump unmissverständlich klar machen werde: "Grönland gehört zu den USA - fress oder stirb."

Genau darin liege die Gefahr, denn sicherheitspolitische Begründungen könnten jederzeit auf andere Länder oder Regionen ausgeweitet werden. "Eins ist klar: Grönland ist unabhängig", betont sie und verweist auf die europäische Verantwortung gegenüber Dänemark und Grönland. Europa müsse geschlossen auftreten und seine Partner schützen.

bidenkopf-davos

Beim Weltwirtschaftsforum in Davos gibt die Trump-Entourage seit Wochen den Ton an. "Die US-Amerikaner bestimmen das Forum“, berichtet ZDF-Reporterin Susanne Biedenkopf aus Davos.

21.01.2026 | 2:50 min

Europa "steht nicht blank da"

Sollte Trump seine Grönland-Forderungen mit der Unterstützung der Ukraine verknüpfen, sieht Strack-Zimmermann Europa dennoch nicht wehrlos. "Nein, wir stehen nicht blank da", sagt sie, räumt jedoch ein, dass der Druck enorm sei. Europa müsse mehr tun, um die Ukraine zu unterstützen - auch wenn die Zeiten rau seien. Am Ende gehe es um Zusammenhalt und Widerstand gegen Erpressung:

Da gehen wir jetzt gemeinsam durch. Alles andere ist eine brutale Erpressung, der wir ausgesetzt sind. Und das dürfen wir nicht zulassen.

Marie-Agnes Strack-Zimmermann (FDP), Vorsitzende des Ausschusses für Sicherheit und Verteidigung im EU-Parlament

Aktuelle Entwicklungen zum Grönland-Streit finden Sie in unserem Liveblog:

Aufritt des US-Präsidenten in Davos
:Was sagt Trump zum Grönland-Streit mit der EU?

US-Präsident Trump hat im Streit um Grönland Zusatzzölle gegen Deutschland und weitere Länder angedroht. Die EU trifft sich diese Woche zum Sondergipfel. Alle News im Liveblog.
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Über dieses Thema berichtete das ZDF-Morgenmagazin am 21.01.2026 ab 05:30 Uhr und die Sendung heute Xpress um 8:00 Uhr.

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