Streit um Grönland:CDU-Minister Madsen: "Make Europe Great Again" statt "MAGA"
von Bernd Bachran
In der Grönland-Krise appelliert Claus Ruhe Madsen (CDU) bei "Markus Lanz" an die Einheit der EU: kein Kleinklein mehr, Blockierer raus und solidarisches Zusammenstehen.
Sehen Sie hier die Sendung "Markus Lanz" vom 20. Januar 2026 in voller Länge.
20.01.2026 | 75:21 minDie geopolitischen Spannungen um Grönland spitzen sich weiter zu. US-Präsident Donald Trump hält an seinen umstrittenen Besitzansprüchen auf die arktische Insel fest und erhöht den Druck auf Europa mit der Androhung von Strafzöllen gegen Deutschland und andere EU-Staaten.
Während Deutschland und andere EU-Länder in Brüssel und am Rande des Weltwirtschaftsforums in Davos um eine gemeinsame Linie ringen, kündigte die EU-Führung eine "entschlossene" Antwort und mögliche Gegenmaßnahmen an, um ihre Handelssouveränität und die territoriale Integrität Dänemarks und Grönlands zu verteidigen.
Die Stimmung sei sehr düster, sagt ZDF-Korrespondent Ulf Röller zum Weltwirtschaftsforum in Davos. Europa wolle es nicht, sei aber bereit, sich Trump entgegenzustellen.
20.01.2026 | 2:42 minDer in Dänemark geborene Minister für Wirtschaft, Verkehr, Arbeit, Technologie und Tourismus in Schleswig-Holstein, Claus Ruhe Madsen (CDU), verglich das aktuelle Verhältnis von Dänemark zu den USA am Dienstagabend bei "Markus Lanz" mit den Machtverhältnissen auf einem Schulhof: "Wir (Dänemark) sind die fünfte Klasse, wenn die siebte Klasse (z.B. Russland) Stress gemacht hat, haben wir die neunte Klasse gerufen. Das waren die Amerikaner. Jetzt ist das Problem, dass die neunte Klasse Stress auf dem Schulhof macht."
Beim Weltwirtschaftsforum kritisieren EU-Spitzen die angedrohten US-Strafzölle im Streit um Grönland. Kommissionspräsidentin von der Leyen kündigte eine "unerschrockene" Reaktion an.
20.01.2026 | 1:49 minMadsen: "Die Lage ist ernst"
In dieser Situation sah Madsen eine Steilvorlage für Europa, "jetzt endlich aufzuhören, sich in Kleinklein zu verhaken." In diesem Zusammenhang sprach der CDU-Politiker davon, die EU notfalls neu aufzustellen, sich von einigen Mitgliedstaaten zu trennen und dafür andere Staaten aufzunehmen.
Wenn der eine oder andere da Blockadepolitik macht, dann würde ich sagen: 'Da ist die Tür. Vielen Dank, das war nett mit euch.' Ich würde auch andere Länder reinlassen oder fragen: 'Wollt ihr nochmal zurückkommen?'
Claus Ruhe Madsen, CDU
"Wir müssen alle verstehen: Die Lage ist ernst. Das ist gerade richtig Stress auf dem Schulhof, und da nützt es jetzt einfach nicht mehr, nett zur neunten Klasse zu sein, weil die neunte Klasse das nicht versteht."
Madsen sagte weiter, man müsse sich diplomatisch herantasten, aber wenn man irgendwann feststelle, dass das Gegenüber nicht mehr die eigene Sprache spreche, müsse man dessen Sprache sprechen. In diesem Zusammenhang forderte er: "MEGA statt MAGA. Make Europe Great Again".
Es ist gefährlich, dass wir nicht wehrfähig sind. Aber uns noch weiter in die Höhle des Löwen rein zu bewegen, in der Hoffnung, vielleicht wird es ein Streichelzoo, das funktioniert nicht."
Claus Ruhe Madsen, CDU
US-Politiker Newsom kritisiert die europäischen Reaktionen auf Trumps Grönland-Drohungen scharf. Der Gouverneur von Kalifornien fordert mehr Haltung und betont den Ernst der Lage.
20.01.2026 | 0:56 minMünstermann zweifelt an der Einigkeit der EU
Kerstin Münstermann, Leiterin des Parlamentsbüros der "Rheinischen Post", äußerte bei "Lanz" ihre Zweifel an der Einigkeit der Europäer und sprach davon, "dass die Einigkeit der Europäer in den nächsten Tagen sehr wohl auf die Prüfung gestellt wird."
Münstermann sagte, von den von Donald Trump angekündigten Zöllen seien acht europäische Länder betroffen, davon sechs aus der EU, obwohl die EU aus 27 Staaten bestehe. Nicht alle EU-Mitglieder sind also betroffen, zum Beispiel Italien nicht. "Dann wäre italienischer Wein mit geringeren Zöllen belegt als der französische. Das funktioniert nicht."
Gerade aus der deutschen Wirtschaft höre man in den letzten Tagen, so Münstermann, erste Zweifel an der Unterstützung Grönlands. "Natürlich sind alle empört und sagen: 'Wir dürfen uns in Europa nicht von Amerika unter Druck setzen lassen'."
Aber sobald dann die Mikrofone aus sind, heißt es: 'Na ja, aber unser Amerikageschäft, das hat ja jetzt schon ganz schön gelitten. Das ist aber ganz schön wichtig.
Kerstin Münstermann, Leiterin des Parlamentsbüros der "Rheinischen Post"
Beim Treffen in Davos wurde es deutlich: Europa will seine Interessen trotz Grönland-Forderungen und Zoll-Drohungen entschlossen verteidigen – aber gleichzeitig eine Eskalation vermeiden.
20.01.2026 | 1:49 minCDU-Politiker appelliert an Zusammenhalt
Claus Ruhe Madsen kam an dieser Stelle zurück auf den Schulhof: "Wir können natürlich alle wegrennen und hoffen, dass wir die Schnellsten sind, aber das funktioniert nicht."
Madsen weiter: "Solidarität definiert man nicht daran, dass man immer dann mitmacht, wenn man profitiert, sondern dann, wenn man erkannt hat, dass wir alle was davon haben, wenn wir zusammenhalten."
Mehr zu Grönland
Kalifornien-Gouverneur kritisiert Europa:Newsom fordert Ende der Trump-Schmeichelei
mit Video0:56- FAQ
Spannungen zwischen den USA und Europa:Ist es das Ende der Nato, wenn Trump Grönland übernimmt?
Andreas Stamm, Brüssel - Faktencheck
Wem gehört die Arktis-Insel?:Trumps Behauptungen und die lange Geschichte Grönlands
von Jan Schneidermit Video18:52 Zollstreit wegen Grönland:Experte: Trumps Drohung "noch nicht zu Ende durchgedacht"
mit Video17:06