Experte: Trumps Zoll-Drohung "noch nicht zu Ende durchgedacht"

Zollstreit wegen Grönland:Experte: Trumps Drohung "noch nicht zu Ende durchgedacht"

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Achim Wambach hält Trumps Zoll-Drohung für undurchdacht. Der US-Wirtschaft gehe es nicht gut. Gegenzölle aus Europa könnten die Konsumenten in den USA direkt spüren, so der Ökonom.

Wirtschaftsexperte und Präsident des ZEW Achim Wambach

Wegen des massiven Handels mit den USA habe die EU als Wirtschaftsmacht großen Einfluss, sagt Wambach. Die jetzigen Zölle belasteten die amerikanischen Konsumenten wegen der gestiegenen Preise.

19.01.2026 | 17:06 min

Der Wirtschaftsexperte Achim Wambach hält die Zolldrohungen von Donald Trump im Streit um Grönland für undurchdacht.

Sollte der US-Präsident seine Drohung gegen Europa wahr machen, seien die USA "gar nicht in einer so guten Position", sagt der Präsident des Zentrums für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW). Ein Zoll sei immer ein Verhandlungsinstrument, das einem selbst wehtue, so Wambach.

Bei ZDFheute live spricht der Ökonom über den Zustand der amerikanischen Wirtschaft, die Handlungsmöglichkeiten der Europäischen Union und erklärt, wieso Europa gezielt Trumps Wähler ins Visier nehmen sollte.

Sehen Sie oben das Gespräch in voller Länge oder lesen Sie es hier in Auszügen. Das sagt der Wirtschaftsexperte zu…

…der Lage der amerikanischen Wirtschaft

Bei einem Handelsstreit "verlieren alle", sagt Wambach. Zudem sei die US-Wirtschaft derzeit in keinem guten Zustand. "Die Inflation in den USA ist gestiegen" und es seien auch nur wenige Arbeitsplätze entstanden, so der Experte.

Und dieses Jahr stehen die Kongress-Wahlen an und die Republikaner sehen da nicht so gut aus.

Achim Wambach, Wirtschaftsexperte

"Die Preise steigen, die Zölle waren noch nie eine gute Politik und das merkt die amerikanische Bevölkerung auch", ordnet Wambach ein. Eine mögliche Eskalation des Handelsstreits würde die Lage der amerikanischen Wirtschaft weiter verschlechtern, erklärt der Ökonom.

Strafzölle aus Europa, das würden die amerikanischen Konsumenten direkt spüren und das weiß die amerikanische Regierung auch.

Achim Wambach, Wirtschaftsexperte

Das "kurzfristige Denken" von Donald Trump schüre zudem Unsicherheit und führe dazu, dass Investitionen derzeit zurückgehalten werden.

Aufeinander gestapelte Frachtcontainer in einem Hafen

Um sich gegen handelspolitischen Druck von Staaten zu wehren hat die EU als Werkzeug das sogenannte Anti-Coercion Instrument. Es soll Europas Wirtschaft schützen.

19.01.2026 | 1:05 min

…den Handlungsmöglichkeiten der EU

Der wirtschaftliche Einfluss Europas sei groß, sagt der Experte. "Wir sind der größte Handelsraum. Das ist auch ein Grund, warum die Digitalunternehmen zum Beispiel reagieren, wenn wir hier eine Regulierung haben, weil der Raum zu wichtig ist für sie." Mögliche EU-Gegenmaßnahmen, wie etwa Zölle auf Motorräder oder Erdnussbutter seien ein erster Schritt, um auf Trumps Strafzölle zu reagieren. "Europa muss sich da nicht verstecken", betont Wambach.

Das trifft die Regionen, wo die Wähler von Trump sind, damit die das auch spüren.

Achim Wambach, Wirtschaftsexperte

Europa stehe durch den letzten Zoll-Deal mit den USA im internationalen Vergleich gut da. "Japan zahlt höhere Zölle, die Schweiz hat eine Zeit lang höhere Zölle gezahlt, sodass die Europäer davon etwas verlieren, aber in der mittleren Frist, dadurch, dass dann andere Länder den Handel umsteuern müssen, sogar davon profitieren können", sagt der Ökonom. Im Gegenzug habe die EU aber zugesagt, dass die USA zu null Zöllen Zugang zum europäischen Raum bekommen. "Und das steht jetzt zur Disposition."

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19.01.2026 | 0:33 min

Im Moment geht es darum, gezielte Nadelspitzen zu setzen, also in einem reinen Handelskonflikt zu zeigen, man ist vorbereitet für die Eskalation.

Achim Wambach, Wirtschaftsexperte

Das EU-Instrument zur Bekämpfung sogenannter Zwangsmaßnahmen sei eine weitere Eskalationsstufe im Streit mit den USA. Man könne etwa digitale US-Dienstleister besteuern. "Da haben ja einige Länder auch schon Steuern erhoben", betont Wambach.

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Mit dem Instrument der “Handels-Bazooka” könne Europa beispielsweise Strafen für einzelne US-Unternehmen und Abgaben für die Hightech-Industrie verhängen, sagt ZDF-Korrespondent Ulf Röller.

19.01.2026 | 11:18 min

…einer möglichen EU-Reaktion auf Trumps Zoll-Drohung

Die EU wolle aber nicht eskalieren. "Im Moment, glaube ich, ist die Stunde der Diplomaten", sagt der Experte mit Blick auf Abhängigkeiten von den USA bei den Themen Sicherheit und Verteidigung. Doch wie könnte eine angemessene Reaktion auf die US-Drohungen aussehen? Trump reagiere sensibel auf die Finanzmärkte, sagt Wambach. So hat der US-Präsident etwa seine Strafzölle zunächst zurückgezogen, als die Finanzmärkte am vom US-Präsidenten ausgerufenen "Liberation Day" stark reagierten.

Und er reagiert auf den Wähler.

Achim Wambach, Wirtschaftsexperte

Trump senkte beispielsweise die US-Zölle auf Nahrungsmittel, weil die Inflation so stark ist. "Maßnahmen, die den Wähler treffen und dieses Jahr sind die Wahlen. Darauf reagiert die Regierung, darauf reagiert Trump", sagt Wambach. "Ich halte das für die beste Karte, die die EU im Moment hat."

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Quelle: ZDF
Über dieses Thema berichtete ZDFheute live in dem Beitrag "Mit der "Handels-Bazooka" gegen Trump?" am 19.01.2026 um 19:30 Uhr.

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