Friedrich Merz bei Giorgia Meloni:Ziemlich beste Freundin
von Diana Zimmermann, Rom
Zehn Minister und Ministerinnen nehmen an den deutsch-italienischen Regierungskonsultationen teil. Die großen EU-Industrienationen rücken unter Merz und Meloni enger zusammen.
Deutschland und Italien wollen unter anderem bei Verteidigung, Rüstung und Migration enger zusammenarbeiten. Auch zum Bürokratieabbau in der EU gibt es eine gemeinsame Initiative.
23.01.2026 | 2:36 minSie trafen sich im Raum der komplizierten Liebschaften in der Villa Doria Pamphilj. Das traut man sich nur, wenn man sich der Beziehungen sicher sein kann. Und genau das strahlt Giorgia Meloni auch aus. In euphorischen Worten lobt sie die Übereinstimmung der Positionen in Rom und Berlin. Nie seien sich die beiden Länder näher gewesen.
Tatsächlich sind sich Giorgia Meloni und Friedrich Merz in vielen Dingen einig: Die Rüstungsindustrien ihrer Länder sollen enger miteinander verzahnt, die illegale Migration schärfer bekämpft, die Wettbewerbsfähigkeit Europas gestärkt werden.
Bei den deutsch-italienischen Regierungskonsultationen stehen neben Wirtschaftsthemen auch Verteidigungs- und Migrationsfragen im Vordergrund.
23.01.2026 | 1:26 minMerz und Meloni wollen Entbürokratisierung und Deregulierung
Hier teilen die Regierungschefs der beiden größten europäischen Industrienationen viele Ideen zu Entbürokratisierung und Deregulierung. So wurde ein Papier ausgearbeitet, das am 12. Februar bei einem Sondergipfel in Brüssel diskutiert und nach Ansicht der 49-Jährigen und des 70-Jährigen am besten gleich beschlossen werden soll.
Merz trifft die rechte Regierungschefin Italiens Meloni zu Regierungskonsultationen. Zwei ungleiche Akteure mit ähnlicher Agenda. Beide betonen immer wieder ihre tiefe Partnerschaft.
23.01.2026 | 3:37 minMeloni unterstrich in der Pressekonferenz in der Villa Doria Pamphilj besonders die Kosten des European Green Deal, der die Unternehmen belaste und wenig für den Umweltschutz erreicht habe. Die Autoindustrie sei für Italien und Deutschland entscheidend, das Aus vom Verbrenner-Aus eine richtige Entscheidung.
Beide glauben, dass sich durch die von ihnen vorgeschlagenen Maßnahmen ein erhöhtes Wachstum von zwei bis drei Prozent in Italien und Deutschland ergeben werde. Für die anderen europäischen Nationen stecke noch viel mehr darin.
Merz und Meloni beraten in Rom über eine engere deutsch-italienische Zusammenarbeit. Sehen Sie die gemeinsame Pressekonferenz in voller Länge.
23.01.2026 | 50:28 minItalien auch bei Mercosur und Ukraine zuverlässig
Nach anfänglichem Zögern hat Italien auch Mercosur, dem Freihandelsabkommen mit lateinamerikanischen Ländern, zugestimmt. Bei dem Abkommen hatte sein eigentlich bester Freund, Emmanuel Macron, den Kanzler enttäuscht.
Und auch in der Ukraine-Politik zeigt sich Meloni zuverlässiger als Macron, der gern viel ankündigt und wenig liefert. Tatsächlich beträgt die Unterstützung Italiens für die Ukraine nicht einmal ein Zehntel des deutschen Beitrags (nämlich etwa drei gegenüber 40 Milliarden Euro). Und doch setzt Meloni sich ein - gegen den Widerstand der Lega Nord in ihrer eigenen Koalition und, wichtig, auch bei Trump. Auf die Idee Emmanuel Macrons, der Donald Trump per SMS gar ein um Russland erweitertes G7-Treffen vorgeschlagen hat, käme sie sicher nicht.
Bundeskanzler Merz ist nach Rom gereist, um mit Italiens Regierungschefin Meloni über eine gemeinsame Wirtschafts- und Verteidigungspolitik zu sprechen.
23.01.2026 | 2:21 minErsetzt Italien Frankreich als engsten Partner Deutschlands?
Es ist ein bemerkenswerter Moment, als Meloni und Merz die Frage gestellt bekommen, ob Italien nun Frankreich als engsten Partner ablösen werde. Meloni schaut hoch, Merz zu ihr runter, beide lächeln, ein bisschen wie ein ertapptes Liebespaar. Dann tut Meloni die Frage als Kinderei ab, sie wolle niemanden ersetzen. Es gehe um die Zukunft Europas in ernsten Zeiten.
In Deutschland sprechen manche Zeitungen schon reichlich geschichtsvergessen von der neuen Achse Berlin - Rom. Ganz klar spielt Meloni, die nach drei Jahren im Amt immer seltener als Postfaschistin kategorisiert wird, eine zunehmend wichtigere Rolle.
In Italien bleiben Regierungen im Schnitt etwas über ein Jahr im Amt. Seit Oktober 2022 ist Giorgia Meloni Ministerpräsidentin. Sie erreicht die längste Amtszeit nach Berlusconi.
20.10.2025 | 2:04 minWenig andere stabile Regierungen in Europa
Und zwar deshalb, weil es politisch viele Übereinstimmungen gibt. Weil beide - insbesondere Meloni - einen guten Draht zu Donald Trump pflegen, und es auch wagen, ihn zu kritisieren. Aber weil auch beide so lange an den transatlantischen Beziehungen festhalten wollen, wie es geht. Wahr ist auch: So viele andere stabile Regierungen gibt es in Europa momentan nicht. Da bietet sich ein Schulterschluss zwischen den beiden großen Industrienationen an.
Am Ende stehen die Minister vor der schönen Villa im Kies, in angeregte Gespräche vertieft und Meloni und Merz tauschen Küsschen aus. Es ist ein denkbar guter Start in das 75. Jubiläumsjahr der deutsch-italienischen Beziehungen.
Diana Zimmermann leitet das ZDF-Hauptstadtstudio und berichtet aktuell direkt aus Rom.
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