Kanzler ruft zu rascher Klärung der Berlinale-Debatte auf

Nach drohender Abberufung:Kanzler ruft zu rascher Klärung der Berlinale-Debatte auf

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Nach einem umstrittenen Palästina-Foto wollte Kulturstaatsminister Weimer die Berlinale-Chefin Tuttle abberufen, später aber doch nicht. Kanzler Merz fordert eine schnelle Klärung.

Archiv: Tricia Tuttle, aufgenommen am 21.02.2026, Berlin

Hunderte Filmschaffende haben sich in einem offenen Brief hinter Berlinale-Intendantin Tuttle gestellt. Sie warnen vor Eingriffen in Freiheit und Unabhängigkeit des Filmfestivals.

26.02.2026 | 0:41 min

Kanzler Friedrich Merz (CDU) ruft in der Diskussion über die künftige Ausrichtung der Berlinale und die Zukunft von Festivalchefin Tricia Tuttle zu einer raschen Klärung auf.

"Der Bundeskanzler verfolgt natürlich die öffentlichen Äußerungen in dieser Debatte sehr genau und er erwartet von den Parteien einen respektvollen Umgang miteinander und eine schnelle Klärung der Sachverhalte", sagte der stellvertretende Regierungssprecher Sebastian Hille in Berlin.

Die im Raum stehenden Vorwürfe müssen ausgeräumt werden und gegenseitige Unterstellungen müssen unterbleiben.

Stellvertretender Regierungssprecher Sebastian Hille

Nach einer ersten Sitzung des Berlinale-Aufsichtsrats im Kanzleramt würden die Gespräche in den kommenden Tagen weitergeführt, sagte der Sprecher. Die Berlinale-Jury und Tuttle seien vergangene Woche beim Kanzler im Kanzleramt gewesen und hätten "ihren Blick auf die Kontroverse überzeugend dargelegt".

Tuttle habe "auch zum Ende der Berlinale in einer vernünftigen Rede den richtigen Ton getroffen und zur Vereinnahmung der Kunst durch die Politik sich geäußert". Auf die Frage, ob dies bedeute, dass Merz gegen eine vorzeitige Abberufung Tuttles sei, antwortete der Sprecher, er wolle nicht über das spekulieren, was sich aus den Gesprächen ergeben könne. Die "Bild"-Zeitung hatte berichtet, dass Tuttle abberufen werden könnte. Hintergrund sei der Umgang mit dem Nahost-Konflikt.

Regierungssprecher: Überhitzte, schräge Debatte

Hille sprach von einer etwas überhitzten und schrägen Debatte. "Es geht doch gar nicht um Eingriffe in Kunstfreiheit", sagte er. Die Diskussion entspinne sich an Aussagen, die zur Abschlussgala auf der Bühne der Berlinale getroffen worden seien. Es müsse die einfache Frage beantwortet werden: "Was soll und darf auf der Bühne der Berlinale stattfinden?"

21.02.2026, Berlin: Ilker Çatak (l), Regisseur des Films "Gelbe Briefe" (Yellow Letters), und Produzent Ingo Fliess zeigen ihre Auszeichnung, den Goldenen Bären für den Besten Film, nach der Preisverleihung bei der Abschlussgala im Berlinale Palast. Die 76. Internationalen Filmfestspiele Berlin finden vom 12. bis 22. Februar 2026 statt.

Die internationalen Filmfestspiele in Berlin gehen zu Ende. Zum Abschluss der 76. Berlinale erhielt "Gelbe Briefe" den Goldenen Bären für den besten Film.

21.02.2026 | 2:31 min

Es könne wenig Zweifel daran geben, dass "Aussagen, die der Bundesregierung eine Beteiligung an einem Völkermord unterstellen und auch noch Drohungen beinhalten, nicht an einem solchen Ort stattfinden sollen".

Alkhatib wirft Bundesregierung Mitschuld am Krieg in Gaza vor

Der syrisch-palästinensische Regisseur Abdallah Alkhatib hatte der Bundesregierung auf der Bühne vorgeworfen, Partner "des Völkermords im Gazastreifen" zu sein. Zudem hatte er gedroht: "Wir werden uns an jeden erinnern, der an unserer Seite stand, und wir werden uns an jeden erinnern, der gegen uns war". Umweltminister Carsten Schneider (SPD) verließ daraufhin den Saal und ließ mitteilen, die Aussagen seien nicht akzeptabel.

Kulturstaatsminister Wolfram Weimer (parteilos) und Berlins Regierender Bürgermeister Kai Wegner (CDU) verurteilten die Aussagen ebenfalls. Israels Regierung streitet ab, im Gazastreifen einen Völkermord zu begehen, auch die Bundesregierung weist den Völkermord-Vorwurf zurück.

Quelle: dpa
Über das Thema berichtete die ZDFheute Xpress in folgendem Beitrag: "Filmschaffende stellen sich hinter Tuttle" am 26.02.2026 um 13:09 Uhr.

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