Vor dem ZDF-Sommerinterview:Grünen-Chef Banaszak im Wahlkampf: Aufatmen oder Untergehen?
von Bernd Benthin
Heute stellt sich Felix Banaszak, Co-Chef der Grünen, den Fragen im ZDF-Sommerinterview. Kurz vorher tourt er mit dem Taxi durch Gegenden, in denen es für die Grünen um alles geht.
Auf Wahlkampftour mit dem "Taxi Banaszak": Der Grünen-Co-Chef sucht im Osten das Gespräch mit den Bürgern.
Quelle: Imago"Taxi Banaszak" steht auf dem Großraum-E-Taxi, das Mitte der Woche vor der Parteizentrale der Grünen parkt. Der grüne Parteivorsitzende bricht auf zu seiner Sommer-Wahlkampf-Tour im Osten. Wer möchte und sich vorher angemeldet hat, kann sich von Felix Banaszak nach Hause, zum Einkauf, zur Party chauffieren lassen und dabei mit ihm über Politik sprechen.
Robert Habeck hatte seinen Küchentisch, Banaszak will es mit dem Taxi versuchen - mit anschließender Videoauswertung für die Social-Media-Kanäle. Wie er denn Auto fahren würde, wird Banaszak bei der Abfahrt gefragt. Die Pointe dafür hat er sich schon zurechtgelegt:
Ich fahre Auto, wie ich Politik mache: frei von Angst und mit großer Freude.
Felix Banaszak, Co-Parteivorsitzender, Bündnis 90 / Die Grünen
Dann bricht Banaszak auf - in die Gegenden des Landes, in denen es für die Grünen eigentlich kaum etwas zu holen gibt.
Einen Monat vor der Landtagswahl befinden sich SPD, FDP, Grüne und BSW im Existenzkampf. Ihr Ergebnis ist entscheidend für die künftigen Machtverhältnisse in Sachsen-Anhalt.
10.08.2026 | 3:00 minSchwerer Stand im Osten
Banaszaks Vorgänger im Amt - Ricarda Lang und Omid Nouripour - sind kurz nach den letzten Wahlen im Osten zurückgetreten. 2024 war das, als die Grünen in Sachsen nur knapp über die Fünf-Prozent-Hürde kamen und in Thüringen und Brandenburg mit sehr schlechten Ergebnissen aus den Landtagen flogen.
Aktuell sehen Umfragen die Grünen bei jeweils fünf Prozent in Mecklenburg-Vorpommern und in Sachsen-Anhalt. Wenige hundert Stimmen könnten entscheiden über Aufatmen oder Untergehen. Banaszak verbreitet Optimismus und sagt, was die teils aggressive Ablehnung der Grünen angeht, hätte sich der Wind gedreht: "Ganz viele Anfeindungen und Hass, die in den letzten Jahren ab und zu da waren, die scheinen jetzt nicht komplett weg zu sein, aber wirklich in den Hintergrund gerückt zu sein", sagt Banaszak. "Stattdessen: Viel Interesse, und auch Enttäuschung über die aktuelle Bundesregierung."
Und manche sagen, vielleicht war das alles gar nicht so doof, was die Grünen in der Ampel gemacht haben.
Felix Banaszak, Co-Parteivorsitzender, Bündnis 90/Die Grünen
Deutschland muss sich besser gegen die Folgen des Niedrigwassers wappnen. Denkbar sind die Aufhebung des Sonntagsfahrverbots für Lkw und die Verlagerung von Fracht auf die Schiene.
12.08.2026 | 1:30 minBanaszak: "Es hieß immer: Ihr macht alles verkehrt"
Am zweiten Tag der Tour macht das "Taxi Banaszak" Station in Möckern, in Sachsen-Anhalt. Die Gemeinde hält seit diesem Jahr den bundesweiten Hitzerekord: 41,8 Grad, offiziell gemessen vom Deutschen Wetterdienst. Der Ort ist natürlich als Symbol gewählt, verknüpft mit der Frage: Bringt die aktuelle Lage - Hitze, Dürre, Niedrigwasser - Aufmerksamkeit und auch Prozentpunkte für die Grünen?
Die Landwirte, die Banaszak hier trifft, machen ihm wenig Hoffnung. Der große Dürre-Schock sei für sie schon das Jahr 2018 gewesen. Seitdem hätten sie sich angepasst. Klar, die klimatischen Veränderungen seien schwerwiegend. Aktuell aber überwiegt die Sorge vor den weltpolitischen Verwerfungen. Von der Straße von Hormus hänge auch ab, wie teuer der Dünger für sie wird.
Die Grünen jedenfalls haben bei ihnen weiter den Ruf, eher auf Verbote zu setzen und Moral über Machbarkeit zu stellen, wie der Landwirt Sören Rawolle sagt: "Ich denke, ein ganz großes Problem der Grünen ist über Jahre diese Bevormundung." Besonders im Naturschutz sei dies zu erleben. "Es wurden uns immer nur Vorgaben gemacht, aber wir wurden nie mitgenommen."
Es hieß immer: Wir sind die Besseren, ihr macht alles verkehrt, wir machen es gut. Ein ganz großes Problem, und darunter leiden die Grünen ganz extrem.
Sören Rawolle, Landwirt
Auch die grünen Wahlkämpfer, die Banaszak am Abend im nahegelegenen Burg trifft, glauben nicht, dass das Klima auf einmal zum Gewinner-Thema für die Grünen wird. Eher stoße man auf Verdrängung und Skepsis, ob denn die Grünen verträgliche Antworten liefern könnten.
Das ganze ZDF-Sommerinterview mit dem Grünen-Co-Vorsitzenden Felix Banaszak sehen Sie heute ab 19:10 Uhr im ZDF und auf der ZDF-Streamingplattform.
Hitze und Höhenflug?
Hitzeschutz und Klimaanpassung, diese Themen haben sich die Grünen für ihre nächste Bundesvorstandsklausur Ende des Monats gegeben. Bis dahin wollen sie weiter Forderungen an die Regierung stellen. Es geht um das großangelegte Pflanzen von Bäumen, um einen Hitzegipfel vielleicht im Kanzleramt oder um ein "Abkühl-Sofortprogramm", wie es die grüne Fraktionschefin Katharina Dröge fordert und damit die Förderung von Klimaanlagen in öffentlichen Einrichtungen meint.
Das schon angesprochene Dürre-Jahr 2018 war der Auftakt zu einem grünen Höhenflug, der die Partei kurzzeitig vom Kanzleramt träumen ließ. Im aktuellen Landtagswahlkampf scheint das Thema bislang eher wenig zu helfen, und auch im Bund steht die Partei seit Monaten zwischen 13 und 15 Prozent.
Laut Politbarometer werden trotz Hitze und Dürre momentan Wirtschaftslage oder Zuwanderung stärker als wichtiges Problem wahrgenommen. Gerade Letzteres ist auch für die Grünen ein schwieriges, oft gemiedenes Thema. Aber auch dazu muss Banaszak Antworten liefern - auf den angebotenen Taxi-Fahrten und heute im ZDF-Sommerinterview.
Bernd Benthin ist Korrespondent im ZDF-Hauptstadtstudio.
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